Bild: Gartenbaukino
Das Wiener Gartenbaukino ist unter den Kinos dieser Stadt ein besonderer Ort. Im Jahre 1960 errichtet, strahlt es die Großzügigkeit und das Selbstbewusstsein eines klassischen Premierenkinos aus. Mit seiner beeindruckenden Großleinwand und den 736 Sitzplätzen ist es das letzte große Einsaalkino in der Wiener Innenstadt. Mit der Übernahme durch die Viennale hat sich das Gartenbaukino als fixer Bestandteil der urbanen Kinokultur etabliert, es ist die zentrale Spielstätte des erfolgreichen Wiener Internationalen Filmfestivals, Ort glanzvoller Eröffnungen (wie zum Beispiel vom SLASH Filmfestival) und legendärer Nachtvorstellungen, großer Premieren und vielfältiger sowie gut kuratierter Programme. Zwei Highlights dieses vielfältigen Programmes seien besonders exponiert:
Jeff Mills, einer der ganz großen Vertreter des Detroit Techno, hatte neben der Musik immer schon zwei weitere Obsessionen: einerseits den Weltraum und andererseits: Film. Über die Jahre hat er immer wieder Platten herausgebracht, die von seinen Lieblingsfilmen inspiriert waren - wie zum Beispiel vom Kurzfilm "Le Voyage Dans la lune" ("Die Reise zum Mond") von Georges Méliès aus dem Jahr 1902 oder dem Science-Fiction Film "Fantastic Voyage" aus dem Jahr 1966.
Kein anderer Film hat ihn jedoch so stark beschäftigt, beeinflusst und inspiriert wie Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" (1927). Im Jahr 2000 hat Mills den Streifen zum ersten Mal vertont und dabei die Art Déco-Architektur und die Szenen der proletarischen Revolte in schimmernden, abstrakten Synth-Klängen und treibendem Techno eingefangen. Zehn Jahre später schrieb er einen neuen Score, der die Perspektive der Filmfiguren einnehmen sollte.
"Metropolis Metropolis", seine dritte Originalkomposition, die auf dem Film basiert, soll die Maschinen im Film darstellen. Das 75-minütige Album ist in sechs an Suiten erinnernde Tracks unterteilt und ist Mills bisher umfangreichste Bearbeitung von Langs Meisterwerk.
Live auf der Gartenbaukino-Bühne wird Jeff Mills allerdings zur gesamten restaurierten Fassung des Films aus dem Jahr 2010 spielen - also knapp zweieinhalb Stunden! Tickets sind direkt beim Gartenbaukino erhältlich.
Die Filmzeitschrift Licht-Bild-Bühne hatte damals nicht mit Superlativen gegeizt: "Das Cabinet des Dr. Caligari" sei nichts Geringeres als „der modernste, aktuellste, gewagteste Film, den die Welt je gesehen hat“, schrieb das Magazin 1920 und damit kurz nach der Premiere über den ersten Psychothriller der Filmgeschichte.
Einer, der sich besonders intensiv mit diesem Meilenstein der Geschichte des expressionistischen Films auseinandergesetzt hat, ist der Komponist und Musiker Karl Bartos – vielen gut bekannt als langjähriges Bandmitglied und Co-Komponist von Kraftwerk, jenen Pionieren der Elektronischen Musik, die in ihrem Bereich mindestens ebenso „modern, aktuell, gewagt“ waren. Seit fast 20 Jahren hegt der ursprünglich klassisch ausgebildete Musiker eine Leidenschaft für diesen wohl einflussreichsten deutschen Stummfilm aller Zeiten und arbeitete daran, dem experimentellen Film ein ebenso experimentelles Klanggewand zu schneidern.
Im Februar 2024 wurde diese neue Filmmusik von Karl Bartos in der Alten Oper Frankfurt uraufgeführt. Nun wird sie im Wiener Gartenbaukino auf Leinwand und Bühne gebracht. Die digital restaurierte 4K-Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung trifft auf die Ebene der Klänge von Karl Bartos, die er auf der Bühne mit seinem Partner Mathias Black live und punktsynchron spielt und steuert. Tickets sind direkt beim Gartenbaukino erhältlich.