Für Belanglosigkeit ist in der „alpinen Weltmusik“ des Herbert Pixner und seinen drei Mitmusikern kein Platz, flache Volksmusik-Zitate sind ein No-Go. Inspiriert von den Mythen und der magischen Atmosphäre der Berge hat der gebürtige Südtiroler seine eigene Klangwelt erschaffen und sie in den vergangenen Jahren mit etlichen Alben ausgebaut. Beinahe unbeachtet vom Mainstream hat man sich so eine breite Fan-Base geschaffen, ausverkaufte Konzerte und Gold-Auszeichnungen für Alben sind keine Ausnahme. „Lost Elysion“, das neueste Werk aus der Manufaktur des Herbert Pixner Projekt, bei dem unter anderen seine Schwester Heidi die Harfe zupft und der Ausnahmegitarrist Manuel Randi Kontrapunkte zur Pixners Harmonika setzt, reiht sich nahtlos ein in das bisherige Werk des Multiinstrumentalisten. Es lässt den Zuhörer mit offenen Ohren staunen.
Bei dem ersten Blick auf das Cover verwundert das Meer, der Strand. Ein bewusster Kontrapunkt zum „alpinen“ Sound?
Herbert Pixner: Nein
(lacht). Auf dem Cover sieht man die „Drei Zinnen“, das Wahrzeichen der Dolomiten, mitten im Meer. Am besten das ganze Album bewusst anhören oder auf eines unserer Konzerte kommen, dann erschließt sich das Rätsel zu dem Bild.
Du bist auf einem Bergbauernhof aufgewachsen. Ist das noch heute ein Teil der Inspiration?
Herbert Pixner: Ganz gleich, wo man aufwächst – man wird immer von der Umgebung geprägt. Die Inspiration für die Musik hole ich mir von den alltäglichen Erlebnissen und Begegnungen.
Südtirol gilt auch als Land der Fabeln und Fabelwesen. Treiben sich die auch in deiner Musik herum?
Herbert Pixner: Ja. Sagen und Mythen faszinierten mich schon immer. Eine der grausamsten Alpensagen versuchte ich auf dem Album „Quattro“ zu vertonen, die Sage vom „Sennentuntschi“, die ich bei meinem ersten Almsommer 1995 in der Schweiz kennen lernte.
Bisher sind 18 Alben deiner diversen Projekte erschienen, zuletzt eines pro Jahr, wenn man die Live-Alben mitzählt. Woher kommt diese Kreativexplosion?
Herbert Pixner: An der Kreativität scheitert es nicht
(lacht). Aufgrund der ausgedehnten Tourneen in den vergangenen Jahren kam ich leider nur beschränkt dazu, alle Ideen umzusetzen.
Woher kommen Ideen für Titel wie „Lost Elysion“ und die Klangwelten, die von Medien als „alpin“ bezeichnet werden? Sind sie denn wirklich „alpin“?
Herbert Pixner: Ob unser Klang alpin ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wir haben über die Jahre ein eigenständiges Klangbild kreiert, das einen Wiedererkennungswert hat. Diesen eigenen Stil versuchen wir weiter zu perfektionieren.
Kannst du mit der Schublade „progressive Volksmusik“ etwas anfangen, in die deine Musik gerne gesteckt wird?
Herbert Pixner: Ich nehme Kategorisierungen mittlerweile recht gelassen. Ob nun Weltmusik, progressive Volksmusik oder was auch immer: Es geht doch darum Musik zu spielen und nicht einem Genre zu entsprechen.
Quasi im Verborgenen konntest du diverse Gold-Auszeichnungen verbuchen. Woher kommt dieses große Interesse an „alternativer“ Volksmusik?
Herbert Pixner: Das ist einen schwierige Frage. Unsere Alben haben sich immer gut verkauft. Das hat aber, so glaube ich, weniger mit dem Interesse an alternativer Musik zu tun. Jedenfalls verkauften sich unsere Alben glücklicherweise immer so gut, dass wir uns aus dem Erlös wieder die nächste Aufnahme finanzieren konnten.