Eine Akustik-Gitarre, eine Stimme – das war’s. Der Titel von „One Alone“, dem ersten Soloalbum von William DuVall, ist Programm. Der Sound ist erfrischend unverarbeitet, man könnte ihn fast schon „roh“ nennen. Doch genau diese bewusste Reduktion macht das Wesen der Lieder aus, die immer mehr in ihren Bann ziehen, je öfter man die Platte durchhört - auch wenn man sich anfangs vielleicht an den Sound gewöhnen muss. DuValls prägnante Stimme kennt man ja eigentlich am besten mit lauten Gitarren unterlegt, seit 2006 insbesondere am Mikrophon für Alice In Chains. Je härter, je rockiger, desto besser. Umso überraschender sind die sanften Töne und sehr persönlichen Lyrics auf „One Alone“. Ein Projekt, das sich ohne große Berechnung oder Absichten verselbstständigte – und dabei auch nicht frei von Risiken war, wie er selbst betont. William DuVall hat in seiner langjährigen Karriere in vielen Bandprojekten mitgewirkt, das Wandeln auf Solopfaden ist auch für ihn selbst neu und ungewohnt. Warum der Singer-Songwriter in ihm trotzdem diesen Weg gehen wollte, wie die Songs für ihn zur Katharsis wurden und wie er das Ganze live umsetzen möchte, verriet er im Gespräch mit !ticket.
Ich
bin nach all den Jahren in Bands wohl an einem Punkt angelangt, an dem ich
gemerkt habe, dass ich mal etwas Anderes machen muss – und das ist dabei
herausgekommen. Es gab mehrere Gründe, im Endeffekt hat es sich aber einfach
richtig angefühlt.
Mit
einer einfachen Demo-Version von “Til The Light Guides Me Home“. Es sollte
eigentlich nur bei diesem einen Song bleiben, den ich sogar für einen anderen
Künstler aufgenommen habe, für den ich ursprünglich produzieren wollte. Es
sollte nur ein schnelles Demo werden, damit wir etwas Greifbares hatten, mit
dem wir weiterarbeiten konnten. Doch als ich das Demo hörte, dachte ich mir:
„Wow, da kann ich gleich mehr aufnehmen“ – und dann passierte alles wie von
selbst. Ich bin aus dieser Session rausgegangen mit acht Songs an nur einem
Nachmittag! Und obwohl ich damals noch nicht wusste, was genau damit passieren
soll, habe ich nach einiger Zeit gemerkt, dass es die Geburtsstunde eines neuen
Album sein könnte – dass das tatsächlich funktionieren könnte! Also ging ich
zurück ins Studio, bastelte weiter … und das Ergebnis war dann „One Alone“. Es
war mehr ein Zusammentreffen von Ereignissen. Ich habe diese Akustik-Songs ohne
klare Intentionen oder Absichten aufgenommen. Aber wie das Leben eben so
spielt, sah ich mich plötzlich an einem Ort, der mir klarmachte: „Oh, das
könnte tatsächlich etwas sein, das ich tun muss.“ Also tue ich es jetzt, und es
fühlt sich verdammt gut an.
Vielleicht
in mancher Hinsicht, ja. Aber die Lieder richten hoffentlich auch auf. Ich
finde, dass sich ein Strang Hoffnung durch das Album zieht, ein Strom von
Katharsis. Sich negativen Gefühlen zu stellen kann zu etwas sehr Positivem
werden. Und das tut diese Musik für mich. Sie gibt dem Publikum, aber auch mir
als Musiker die Möglichkeit, die dunklen Emotionen in uns zu konfrontieren.
Da gibt es so einige, besonders für die Leute, die mich nur von Alice In Chains oder Comes With The Fall kennen. Ich glaube, das Album präsentiert ein sehr rohes Bild davon, wer ich wirklich bin. Es enthüllt meinen Kern als Singer-Songwriter und Gitarrist. Nur eine Stimme und eine Gitarre für ein ganzes Album – noch reduzierter geht es nicht (lacht)! Eine solche Platte aufzunehmen war natürlich auch riskant. Aber dieses Risiko war ich bereit einzugehen.
Diese
Musik ist einfach eine Seite von mir. In den Anfängen meiner Band Comes With
The Fall haben wir uns oft auf irgendwelchen Partys in Hollywood getroffen, wo
irgendwann wie aus dem Nichts eine Akustikgitarre gezückt wurde und das Ganze
sich in ein Lagerfeuer-Singalong verwandelt hat, bei dem wir die Gitarre
einfach rumgereicht haben. Das war
eigentlich der Anfang, aber ich habe diese Songs damals nie aufgenommen. Doch
diese Art von Musik war stets in mir. Es hat sich richtig angefühlt, diese
Musik jetzt an die Öffentlichkeit zu
bringen und zu zeigen, dass es auch diesen Teil von mir gibt.
Ich
bin sehr dankbar und glücklich darüber, wie das Album von den Fans aufgenommen
wurde, besonders bei den Live-Shows. Es gibt dabei nämlich nur mich und meine
Akustikgitarre, mehr nicht. Einige waren bestimmt sehr überrascht, besonders
jene, die nur meine rockende Seite kennen. Es war wie gesagt ein bisschen
riskant, das Ganze hätte auch unheimlich schiefgehen können (lacht). Aber ich habe schon von so
vielen Menschen gehört, wie ihnen die Songs in ihrem schwierigen Alltag helfen.
Also ja, es war sicher eine große Überraschung, die dann aber zu einer
willkommenen Überraschung wurde.
Es hat sich echt gut angefühlt! Meine Beziehung zu den Songs hat sich auch
sehr verändert. Wenn du nämlich so reduzierte Musik schreibst, musst du dich in
einer viel direkteren Art mit den Liedern auseinandersetzen. Da bin ich also,
ganz auf mich alleine gestellt auf einem Drahtseil, während ich versuche, nicht
hinunterzuschauen (lacht). Nur eine
falsche Bewegung, und das Ganze fällt in die Tiefe. Diese Songs Art von Musik zu
spielen ist nämlich echt nicht einfach, eine Akustik-Gitarre ist eine
unerbittliche Herrin! Du musst in Bestform sein, um dieses Material akustisch
zu performen. Es ist eine psychische Herausforderung, eine physische – eine
Herausforderung auf allen Ebenen. Es macht mir zwar ein bisschen Angst, aber es
ist auch wirklich cool.
Da gibt es mich, meine Gitarre und vielleicht ein Bier – that’s it (lacht)! Es wird ein Konzert mit großer Nähe zum Publikum. Ich kann es nicht erwarten, die Songs nach Wien zu bringen!
William DuVall gastiert "Alone" am 13. April im Wiener Chelsea. Tickets gibt es bei oeticket.com.