Es ist ein sonniger Tag im April, ich glaube ein Montag. Mittlerweile schaue ich, dank fehlendem Barbier-Besuch, nicht nur aus wie ein Höhlenmensch, sondern ich fühle mich auch wie einer - einer, dem zu enge Zeitkonzepte unbekannt sind. Das "Leben vor Corona", wie es oft salopp heißt, scheint tatsächlich bereits Äonen her zu sein - Tage, die von früh (beruflich) bis spät (privat) mit Kultur befüllt waren: Zum Morgenkaffee die Lektüre im Netz, was in den USA oder UK bereits "angesagt" ist und über kurz oder lang auch zumindest versuchsweise aufs europäische Festland schwappen wird. Anschließend ein Austausch mit Veranstaltern und Promotoren über geplante Shows und ihre neuen Acts, Selektion derer, hie und da auch persönliche Begeisterung. Begeisterung, die es an den Kunden zu bringen galt; Schließlich werde ich von meiner Firma unterm Strich dafür entlohnt, der österreichischen Bevölkerung die Momente schmackhaft zu machen, die ich seit Jahren nun fast täglich am Abend selbst erlebe, höchstgradig wertschätze - zur Zeit aber missen muss: Etwa in der Arena oder im WUK, im Stadtsaal oder im Rabenhof, in der Stadthalle, dem Gasometer, dem Burgtheater oder dem Ronacher.
Ich sehe meine Position als Chefredakteur bei oetickets Kundenmagazin nicht als Job - es ist viel mehr meine eigene Gegenwartsbewältigung, in etwa so, wie man Freunden bei einem Bier über den letzten Konzertbesuch oder den letzten Plattenkauf erzählt: Mein Leben und ein überwiegendes Gros meines Gehaltes drehen sich um Musik, und Sie können sich das wie einen Druckkochtopf am Herd vorstellen - das muss halt auch irgendwie raus. Und mein pfeifender Dampf ist letztlich das Magazin, in dem wir versuchen, auch Ihnen ein möglichst breites Spektrum an Möglichkeiten zu offenbaren, selbst ebenfalls in der reichen Welt der Künste aufzugehen, Begeisterung, Euphorie und Freude zu spüren - relevante Gefühle für jeden Alltag! Es sind dies, und da werden Sie mir sicherlich zustimmen - ganz gleich ob Sie den mehrminütigen Schlussapplaus im Theater oder das Gejohle und Gebrülle im Schmelztegel der Konzerthallen bevorzugen - Momente, die vielleicht nicht überlebensnotwendig, aber zumindest lebensnotwendig sind. Momente, die wir zur Zeit und noch einige Wochen weiterhin missen müssen. Momente, die hoffentlich - wenn wir alle zusammenarbeiten, denn letztlich sitzen wir tatsächlich alle im selben Boot, egal an welcher Stelle wir rudern - bald wiederkehren; das wünscht sich auch PÆNDA, nicht nur als Kunstschaffende, sondern auch als Kunstgenießerin. Und sie ist es auch, die ich an einem dieser Apriltage zu Kaffee und Kuchen auf ein Gespräch treffe - ich glaube, es war tatsächlich ein Montag.
Tatsächlich nicht wirklich, außer, dass ich länger schlafe und dafür länger in die Nacht hinein arbeite, weil ich ja für keine Termine aus dem Haus muss und mir die Zeit wirklich gut und frei einteilen kann. Da ich auch schon davor zu Hause gearbeitet und produziert habe, hat sich dahingehend auch nichts geändert.
Da falle ich leider sowieso durch den Raster, da ich doppelt angestellt bin: Ich bin auch an einer Musikschule Lehrerin - was mir aber auch den Hintern rettet, da ich genügend Stunden habe. Trotzdem ist die Situation für uns alle nicht so richtig toll gelöst, weil einige KünstlerkollegInnen niemals in ihrem anderen Job genügend verdienen, um sich damit über Wasser halten zu können. Bei mir kommt noch dazu, dass dieses Jahr mein Fokus grundsätzlich eher auf dem Produzieren und weniger auf Livekonzerten stand, und mir daher nicht so viel weggefallen ist.
Das ist wohl wie bei jeder Unterstützung, die man vom Staat will gleich: Ein bisschen Bürokratie gehört da eben dazu.
Da ich eben meinen Unterrichtsjob habe und auch sehr liebe, bin ich glücklicherweise nicht so drauf angewiesen, von meiner Kunst auch leben zu können. Es gibt da natürlich die andere Seite der Medaille, dass es manchmal tricky sein kann, das alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass eine Seite weniger Aufmerksamkeit bekommt, aber ich denke, ich habe meine Waage in den letzten Jahren schon gut gefunden. Ich bin offen gesagt sehr gespannt, wie es „nach der Krise“ oder auch noch währenddessen weitergeht. Ich denke halt auch, dass Kultur nur dann leben kann, wenn die Menschen es sich leisten können - und im Moment bangen halt sehr viele um ihre Jobs und wie es weitergeht. Da stehen dann halt Konzerttickets eher auf der Sparen-Liste. Ich denke, da wird leider noch eine lange Durststrecke anstehen.
Wir haben uns gleich zu Anfang entschieden, das eher zu lassen und machen dann nur für spezielle Streams eine Ausnahme, sodass es dann auch was Besonderes ist – plus, mir ist es halt auch wichtig, dass gewisser Content halt gut aufbereitet ist. Prinzipiell ist es cool und ein neues Medium, aber es sollte besser früher als später dran gedacht werden, dafür auch etwas zu verlangen. Ich denke in weiterer Folge kann es additiv gut eingesetzt werden, aber ersetzen wird es tatsächliche Live-Konzerte sicherlich nicht.
Is eh schön. Ich geh halt nicht so richtig konform mit dieser Art von Patriotismus, obwohl ich den Song selbst eigentlich gut finde.
Es zeigt sich halt extrem, dass es einen Überfluss gibt, einmal mehr quasi. Und dass alle extrem Angst haben, in Vergessenheit zu geraten.
Ja, definitiv. Und ich glaube, gerade in so einer Zeit verschieben sich die Prioritäten halt extrem, für was die Menschen ihr Geld ausgeben - und auch die Politik.
Das war ein ORF-Projekt und wir wurden gefragt, ob wir die gesanglichen Parts übernehmen wollen.
Nein, damit habe ich nichts zu tun, ich war wirklich nur ausführende Interpretin, genauso wie meine Sängerkollegen und das Orchester. Ich hoffe aber, dass wir alle damit was Gutes tun konnten.
Zum Mokieren findet sich natürlich immer Etwas oder? Ich habe ja letztes Jahr einiges einstecken müssen, das hat mich schon sehr geprägt und ich musste innerhalb kürzester Zeit lernen, mit so einer Art von Mobbing umzugehen. Eine Art war, mir wirklich anzusehen, welche Menschen tatsächlich Zeit dafür haben, solche Kommentare im Internet zu verfassen, das war recht eindeutig. Auch psychologisch verstehen zu lernen, woher so ein Hass kommt, hat mir sehr geholfen. Mittlerweile kann ich mich gut davon distanzieren und es als das sehen was es ist und dass solche Aussagen mehr über die andere Person sagen, als sie es jemals über mich können.
Es geht ja ums große Ganze. Da hängen so viele Menschen dran, vielleicht sogar dein Nachbar, der als Eventtechniker arbeitet und dadurch vielleicht einen Teil seines Einnahmenentfalls trotzdem gedeckt bekommt. Die Menschen müssen vielleicht ein bisschen vertrauen, dass alle daran interessiert sind, diese Branche nicht sterben zu lassen, so schnell wie möglich weiterzumachen oder Konzerte/Veranstaltungen nachzuholen und nicht daran, sich an irgendwas zu bereichern. Und man muss sich auch bewusst machen, dass je größer das Volumen der Veranstaltung ist, desto mehr Menschen arbeiten da mit und verdienen so ihr Geld. Außerdem werden damit Konzerte finanziert, die sich vielleicht nicht selbst finanzieren würden. Alles hängt zusammen.
Es wird ja definitiv auch in den Radios versucht, mehr heimischer Musik eine Bühne zu geben. Ich hoffe jedenfalls, dass das nicht abreißt, sobald das alles vorbei ist, sondern es ein permanentes Umdenken bewirkt hat, dass in der österreichischen Musiklandschaft sehr viel gutes vorhanden ist.
Die bunte Wallemähne und mehr Verständnis untereinander. Ich habe extrem das Gefühl, dass sehr viele entschleunigen und Social Media nicht mehr so fokussiert verfolgt wird - und das hat uns gut getan. Ich hoffe, wir steigen danach nicht wieder so ins Gas und leben bewusster.
Ich glaube, die aktuelle Situation hat sehr viele Debatten aufgeworfen. Ich für meinen Teil habe immer abgewogen, ob es notwendig ist, da oder dorthin zu fliegen, zum Beispiel für ein Konzert. Das Problem, das ich sehe ist, dass dieses „größer-weiter-mehr“ leider nicht weniger wird, nur weil wir grad nicht raus dürfen. Und wie es die Geschichte zeigt, es gibt immer den/die Eine/n, der/die nicht genug hat.
Wieder mit anderen gemeinsam im gleichen Raum Musik machen zu können.