Am Beginn des Videos zu „Süchtig“ verwendet ihr eine Szene, in der Waschzwänge angedeutet werden. Weshalb habt ihr gerade dieses Thema an den Beginn des Clips gestellt?
Johannes: Das Ding ist ja adaptiert von „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy. Da haben wir uns ganz klar an die Vorgaben des Originals gehalten. Wir haben am Anfang Bild für Bild kopiert aus dem Original, man kann die Videos nebeneinander laufen lassen. Es ist nicht komplett synchron, da der Beat bei uns langsamer ist. Diese Frage müsste man eher an The Prodigy richten.
Was sind eure Süchte, legale oder illegale?
Johannes: Die Sucht nach Leben ist halt immer ein ganz billiges Bild, aber das trifft einfach zu. Das Leben ist der beste Film, den man gucken kann. Lauter billige Metaphern, aber so ist es.
Jakob: Die Leidenschaft des Musikmachens sehe ich auch als Sucht, weil das ja nicht nur Hobby und Spaß ist, es bringt auch ganz viel Frustration und depressives Potential mit, wenn etwas nicht gelingt. Das ist ja auch ‘ne Sucht, weil wir sind alle davon total getrieben, das immer wieder zu machen. Dann gibt’s bei dem einen oder anderen ...
Martin: ... die klassischen Süchte.
Johannes: Liebe ist auch eine Sucht.
Das Zitat „Wir sind Kinder einer Zeit die es nie gegeben hat“ erinnert mich an die Generation X der Neunziger. Fühlt ihr euch wie eine verlorene Generation?
Johannes: Es gab da ein Buch „Generation X“ und dann hatte ich eines in der Hand, das nannte sich „Generation Freitagstasche“. Ich hab' mir das in einem Buchladen durchgeschaut und dachte, Moment mal, das ist ja die Generation X, die jetzt mit den Freitagstaschen durch die Gegend lauft. Das war ein gelungener Schachzug des Autors. Wir sind in einer Zeit groß geworden, in der noch nicht alles im Internet gelandet ist. Alles was danach kam wird festgehalten im Internet, das ist ja quasi die Bibliothek der heutigen Zeit, die Chronik, was passiert. Irgendwann einmal wird es so weit sein, dass es vor der Internet-Zeit nichts gegeben hat.
Jakob: Es dürfte nicht mehr 2000 nach Christus heißen, sondern zehn nach Internet oder so.
Martin: Ich glaube, dass wir eher so eine 11. September-Generation sind. Da war ich grad 15, so in den absoluten Teenie-Jahren und es war schon ein mediales Schlüsselerlebnis, das man da erlebt hat.
Wart ihr wirklich öfters auf Demos als mit den Eltern im Urlaub, wie es in „Brennen“ heißt?
Johannes: In einer gewissen Zeit schon, wenn die Gruppe, in der man sich bewegt, wichtiger ist als die Eltern. Wenn das alles scheißegal ist, was die Eltern machen, Hauptsache man muss nichts mit ihnen machen. Man fährt halt dann auch nicht mehr zum 80. Geburtstag der Oma, was man danach bereut wenn man älter ist.
Jakob: Ich hab‘ da 15 Jahre lang keinen Urlaub gemacht, mir war es wichtiger Musik zu machen. In den Sommerferien konnte man dann irgendwo ein Konzert spielenoder in Ruhe an einem Album arbeiten.
Johannes: Das Traurige ist, wenn du in einem Jahr auf drei Demos bist, bist du öfters auf Demos als in fünf Jahren in den Ferien.
Eure erste und letzte Demo?
Martin: Gegen den Irak-Krieg, glaub‘ ich. Und die letzte in Neu-Kölln gegen die AfD.
Johannes: Meine erste war definitiv eine Lichterkette, wenn man das als Demo bezeichnen könnte. 1996, da war ich 15, da war ich auf so einer IG-Metall-Demo in Frankfurt am Main. Da war danach noch ein Konzert, da haben Fury in the Slaughterhouse, Freundeskreis und noch wer gespielt.
Jakob: Eine der krassesten Demos, auf der wir gespielt haben war in Dresden, 2008.
Johannes: Da war eine Nazi-Demo und wir haben bei der Gegendemo gespielt, eingekesselt von den Bullen. Die haben uns nur weiterspielen lassen, damit das nicht eskaliert.
Euer Therapie-Vorschlag für Nazis, AfD und Konsorten?
Martin: Kiffen.
Johannes: Rucksackurlaub alleine irgendwo im Ausland, ganz allein auf dich gestellt, wo du dich mit Händen und Füßen durchkämpfen musst.
Jakob: Reisen, damit die mal raus kommen und die Welt sehen. Das könnte ganz schön viel helfen.
Whisky und Wein helfen beim Schreiben?
Johannes: Auf jeden Fall!
Jakob: Whisky bin ich nicht so, Wein schon.
Johannes: Beim Schreiben von Texten hilft es auf jeden Fall, Whisky ohne Ende. Bei mir gibt es Momente, die kommen einfach, die plane ich nicht. Da sitze ich zu Hause, gehe zum Späti (Laden, der durchgehend geöffnet hat, Anm.) und hol‘ mir vier Budweiser. Whiskey hab‘ ich zu Hause. Dann sitz‘ ich da, mein Bier steht da und der Whisky auch, und dann schreib‘ ich die ganze Nacht durch. Da kommen geile Sachen raus. Manchmal merke ich auch am nächsten Tag, dass ich vier Songs geschrieben hab‘, die alle scheiße sind.
Jakob: Obwohl ich seit Jahren nicht mehr kiffe, weil das zu stark für mich ist, ist es ein Mittel. Wenn man zu viel Musik macht und ein bisschen die Emotion verliert ... Das mach‘ ich zwei, drei Mal im Jahr, kiffe einen und spür‘ sofort wieder. Das geht aber nur für eine kurze Zeit, dann werde ich schon faul oder verpeilt. Wenn man da etwas Größeres aufnehmen will: Katastrophe!
Frittenbude spielen am 21., 22. und 23. März im Wiener Flex, Salzburger Rockhouse und im Grazer PPC. Tickets gibt es bei oeticket.com.