Natürlich: Musik ist heute vorrangig Eskapismus, Geschichte wird, Jahrzehnte nach den überbordenden Protestkulturen, woanders als in der Musik geschrieben. Für das Time-Magazin etwa ist – naheliegend – Greta Thunberg die einflussreichste Persönlichkeit des diesjährigen Weltgeschehens. Ihr sei es gelungen, Klimaschutz in eine globale Bewegung zu verwandeln, heißt es in der Begründung. Dass dabei viele in ihr auch nur einen Teenager, der von einer PR-Maschinerie gekonnt in Szene gesetzt wird, sehen, sie ins Lächerliche gezogen und angefeindet wird: geschenkt. Doch ihre berühmte Rede, in der sie im Frühherbst den Vereinten Nationen, den Staats- und Regierungschefinnen der Welt, Versagen vorwarf, schwappte sogar in die Welt der Musik über: Ein in New York lebender Indonesier lud ihre Wutrede mit musikalischem Groll auf. Greta bewies hierauf Humor und schrieb auf Twitter: „Ich bin mit diesem Klima-Ding durch … Von jetzt an werde ich nur noch Death Metal machen!“
Doch nicht nur im Heavy Metal, insbesondere anderswo gab es freilich herausragende Alben zu vermelden. Unsere subjektive, wahllos gereihte Liste hört sich wie folgt an und verzichtet dabei darauf, sich an überzogenen, namensbezogenen Hypes (etwa Tool, und dieses Jahr leider auch: Nick Cave) zu bedienen – die besten Veröffentlichungen versuchten beileibe nicht, ein breites Publikum zu erreichen. Es ist ein buntes Potpourri aus Songwritern, die gerne auch direkt aus dem Schlafzimmer heraus sich ihren Traumata stellen und wild entschlossen sind, Grenzen zu verzerren. Bewusst lassen wir im Rahmen des Rückblicks eine nähere Kritik zu den einzelnen Alben aus und lassen die KünstlerInnen für sich sprechen.
Billie Eilish – When We All Fall Asleep, Where Do We Go?
Stephen Malkmus – Groove Denied
Kelsey Lu – Blood
Lizzo – Cuz I Love You
Cate Le Bon – Reward
Maggie Rogers – Heard It In A Past Life
Mark Ronson – Late Night Feelings
Foxygen – Seeing Other People
Sunn O))) – Life Metal
Robert Foster – Inferno
Black Midi – Schlangenheim
Deerhunter – Why Hasn’t Everything Already Dissappeared?
White Denim – Side Effects
Mayhem – Daemon
Lingua Ignota – Caligula
Jeff Tweedy – Warmer
Moon Tooth – Crux
Priests – The Seduction Of Kansas
Stella Donnelly – Beware Of The Dogs
Mavis Staples – We Get By
Our Survival Depends On Us – Melting The Ice In The Hearts Of Men
Jungstötter – Love Is
Weyes Blood – Titanic Rising
Gold – Why Aren’t You Laughing?
Chelsea Wolfe – Birth Of Violence
Michael Kiwanuka – Kiwanuka
Pluralone – To Be One With You
Clairo – Immunity
Nilüfer Yanya – Miss Universe
Purple Mountains – Purple Mountains
Lana Del Rey – Norman Fucking Rockwell!
These New Puritans – Inside The Rose
Duran Jones and the Indications – American Love Call
The Murder Capital – When I Have Fears
Tyler, The Creator – Igor
Aldous Harding – Designer
Gretchen Peters – Dancing With The Beast
Julia Jacklin – Crushing
FKA Twigs – Magdalene
Big Thief – U.F.O.F.