Made in Austria

Videopremiere: c. Freude reist nach Bratislava

14.08.2020 von Stefan Baumgartner

Mit "Bratislava" präsentiert c. Freude seine bereits dritte Single dieses Jahr - und dokumentiert damit für uns wiederholt, dass gute Musik nicht zwangsweise aus Übersee kommen muss.











Während man ohrenscheinlich um auf Ö3 gespielt zu werden und somit das Leben „zu einem Hit zu machen“ zumindest amerikanischer Provenienz sein muss (im besten Fall noch dazu mit Anagramm im Bandnamen), stehen bei oeticket seit jeher auch die österreichischen Bands im Fokus – und es kam nicht selten vor, dass wir heute prominente Namen bereits seit den ersten Gehversuchen begleiten, angefangen bei Bilderbuch über Andreas Gabalier und Seiler & Speer bis hin zu Wanda.




Zugegeben: Auch in unserem alltäglichen Redaktionsalltag dominieren freilich die internationalen Headliner und Megaseller, denn jene sind nicht nur das Kerngeschäft und Verkaufsargument, sondern somit auch die Zugpferde, die etwa auf ein Festival locken, dort zur nachmittäglichen Stunde aber vielleicht eine bis dato unbekannte lokale Band entdecken machen. Die COVID-19-Pandemie hat allerdings auch hier alles auf den Kopf gestellt: Während andere sich aus Klopapierrollen ein Fort gezimmert und drohende Eindringlinge mit Trockenhefe beschossen haben, habe ich mich noch intensiver als zuvor möglich mit heimischer Musik auseinandergesetzt. Das Ergebnis: Während selbst in der Musikredaktion des zuvorgenannten Radiosenders angekommen ist, dass Österreich doch ein, zwei hallenfüllende und demnach hitverdächtige Bands vorzuweisen hat, so passiert auch in zweiter und dritter Reihe erstaunlich viel - insbesondere eben mit Namen, die nicht etwa beim Amadeus oder im Formatradio bis zum Erbrechen zwangswiedergekaut werden. Ein Name davon ist: c. Freude.




c. Freude ist ein auf den ersten Blick stets nicht nur gedankenversunken, gar gedankenverloren wirkender Bursche aus Wien, der mit wirrem Haar und Wuzeltschick in der rechten Hand die Straßen der Großstadt durchstreift. Doch unachtsam ist er dabei nicht: Unerbittlich registriert er, wo Existenzen straucheln und beinahe nüchtern kriecht er in ihre Momentanaufnahmen und haucht ihnen in seinen - bisher drei - Musikstücken neues Leben ein, ein Leben, das spätestens in den Schlussakkorden seiner Gitarre jedoch wieder zum erneuten Sterben verdammt ist. Denn sein Künstlername "Freude" führt ins Irrlicht, so spielerisch und leichtfüßig er die geneigten Zuhörer durch die Erzählungen geleitet, so schafft er mit seinem Erzählduktus, der nie ein erlösendes Ende wähnen lässt, ein Leidensgefühl, das gleichermaßen greifbar wie innig ist. c. Freude ist ein vifer Moritatensänger und liefert mit seinen eindringlichen Milieuschilderungen neben seinen Figuren letztlich auch den Hörer dem Schicksal als einzige, namenlose Obrigkeit aus. Es ist aber auch keine "Freude am Leid", erst recht nicht ein Suhlen und Ergötzen im Leid "der Anderen", die hier klingt, sondern viel mehr die altbekannte, traurige Gewissheit: Keine Freud ohne Leid.




1. Akt, 1. Szene: Sabine




Das Leben ist ein Wagnis – soviel ist sicher. Bis ans Lebensende hat jeder Mensch kleine und große Krisen zu überstehen. Gewiss, man sagt so schön: „Alles geht vorüber!“ Was aber, wenn das gesamte Leben eine einzige Krise ist, die erste Misere allein die nächste bedingt? c. Freude erzählt stets vom selbst Erlebten und bereitet diese oftmals aufwühlenden Momente für die Außenwelt auf. In seiner ersten Erzählung wohnt er dem flüchtigen Moment bei, wo eine dieser unablässigen Tragödien tatsächlich ein jähes Ende findet: Ihr Name war Sabine.







1. Akt, 2. Szene: Ich schau dir zu




Zuneigung, das heißt: die Partnerin zu kennen. Zu wissen, welche Blumen sie mag. Was sie zum Lächeln bringt. Dass ihre Nasenspitze zuckt, wenn sie nachdenkt. Wie sie an ihrem Hals duftet. Und dass sie nur gut einschlummern kann, nachdem sich ihre großen Zehenspitzen noch eine Weile gegenseitig in den Schlaf gewiegt haben. Wenn sie jedoch von seiner euphorisierten Gefühlswelt nichts weiß, sie demnach weder gutheißt, noch erwidert, dann befinden wir uns in der zweiten Erzählung von c. Freude und sprechen nicht von Zuneigung, sondern einer Straftat. Dann, wenn sie ihre Türe niemals wirklich ganz absperren kann. Vor ihm.







1. Akt, 3. Szene: Bratislava




Das Leben ist gespickt mit fragilen Gratwanderungen und zahlreichen Weggabelungen, an denen man sich zu entscheiden hat, welchem Pfad man folgen möchte. Die Problematik hierbei ist jedoch schon nach wenigen Metern erkennbar: Ein Umkehren gestaltet sich äußerst schwierig. So passiert es durchaus, dass man jenen Pfad wählt, der auf den ersten Eindruck reizvoll erscheint, sich allerdings schnell als Weg ins Verderben zeigt. Besonders prekär sind solche Momente dann, wenn zwischenmenschliche Beziehungen darunter leiden und Verantwortungsbewusstsein an Relevanz verliert.







Über Auftritte von c. Freude wird man tagesaktuell auf der Künstlerseite bei oeticket.com informiert.





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