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Zinn: "Black Lake"

24.09.2020 von Stefan Baumgartner

Die in Salzburg wurzelnde, aus Wien stammende Formation Zinn stellt mit "Black Lake" die dritte Single ihres Debütalbums vor.







Foto: Christian Sundl




2012 startete in Salzburg das Soloprojekt Small Night Searching der Musikerin Margarete Wagenhofer. Eine Verwunderung sowie Verachtung hinsichtlich der Welt und ihren Menschen wird mit apokalyptischen Gesängen in weird-folkigen Arrangements zum Ausdruck gebracht. 2013 verschlug es sie nach Wien, wo sie die Stadt einige Jahre lang bespielte. 2018 hatte sie genug von der musikalischen Einsamkeit einer Singer/Songwriterin und so formierte sich alsbald die Band Zinn. Gemeinsam mit Jasmin Strauss und Lilian Kaufmann wurden die Songs der suchenden kleinen Nächte neu interpretiert und mit deepen Basstönen und geschmeidige Rhythmen angereichert. Viel wurde seit dem konzertiert, mitunter als Support für Ariel Pink oder Mile me Deaf.














Zinn, das ist übrigens ein chemisches Element der vierten Hauptgruppe im Periodensystem, ein sehr weiches Schwermetall. Für Wagenhofer steht jedoch eine andere Assoziation näher im Raum: "Für mich war die Nähe zum 'Sinn' einfach sehr schön." Passend ist aber sowohl die Sinnsuche, wie auch die musikalische Transformation eines "weichen Schwermetalls": Gesungen wird bei Zinn nämlich im Dialekt vom morbiden Wien, der Sound ist retro, hie und da auch sehnsuchtsvoll. Die Texte sind minimalistisch, zeigen aber eine Liebe zu Worten - wie schon die Titel der ersten beiden Singles "Diogenes" und "Lethargie" verdeutlichen. Erster war eine Ode an die windige und manchmal sehr graue Hauptstadt Österreichs, zweiter wurde inmitten des Covid-Lockdowns veröffentlicht und fing den damit einhergehenden Gemütszustand perfekt ein. Und nun steht mit "Black Lake" der dritte Vorbote des Albums an, das im November erscheinen soll.









In der Nähe des "Black Lakes" in Louisiana starben Bonnie und Clyde in einem Kugelhagel der Polizei. Die Geschichte der beiden ist bekannt und weist nur im übertragenen Sinn, Gemeinsamkeiten mit Zinns "Black Lake" auf. Eine ist wohl die Affinität zu verrückten Liebesbeziehungen und deren meist tragisches Ende. 




"Bang, Bang he shot me down, Bang Bang‚ I hit the ground", singt Nancy Sinatra wohl am schönsten, was Cher zuvor geschrieben hatte. Auch in "Black Lake" wird eine Trennung thematisiert, aber eigentlich nur am Rande, die Trennung ist das Lied selbst. Nur durch den Namen "Black Lake" kann man erahnen, dass etwas geendet hat, schmerzhaft. Doch während des Liedes ist nicht viel davon zu bemerken. Es ist die etwas naive und romantische (oder romantisierte) Hoffnung eines toxischen Liebespaars, es zu schaffen und durchzuhalten, koste es was es wolle.




"Black Lake" ist ein Aufbegehren, ein Ausbruch, Exzess, Leidenschaft, Rebellion und natürlich Liebe, oder aber auch, eine Rebellion in der Liebe. Der Versuch es anders anzugehen, anders als die Eltern, anders als alle. Eine weitere Anspielung zum berühmten Paar der Kriminalgeschichte, ist der Raub, oder im Zinn‘schen Sinn, der Aufruf zur Umverteilung von Reichtum. Ein Nach-Oben-Bashen, anstatt nach unten!




Musikalisch entsteht eine Genre- und Ideologie-übergreifende Fusion aus Punk und bluesigen Folk. Normalerweise etwas, das Vertreter der jeweiligen Richtungen nicht so gerne sehen. Hippies und Punks, sind Antipole der Geschichte doch mittlerweile, sollte es sich schon ausgehen, musikalisch zumindest.

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