Bild: Agub Allahverdiyev
Mit ihrem 13. Album "Glass Minds" im Gepäck gehen die Briten 2026 wieder auf Tour - und machen auch in Österreich Station. Als ersten Vorgeschmack auf das zu erwartende “immersive Erlebnis” gibt es bereits die Single “Look At Us” zu hören.
1994 gründeten Darius Keeler und Danny Griffiths im musikalischen Schmelztegel London Archive: Beide kamen aus der elektronischen Clubszene, machten Breakbeat Hardcore im Stil der frühen Prodigy. Doch davon löste sich Archive jedoch bald ein Stück weit, das Debütalbum “Londinium” (1996) ließ etwa an Massive Attack denken. Über die Jahre vollzog das teils auf ein elfköpfiges Kollektiv angewachsene Konstrukt jedoch eine stilistische Öffnung und integrierte vermehrt Elemente und Mittel aus dem Progressive und Pop in seinen Sound - keine Platte gleicht der anderen, mal klang Archive über die Jahre episch-bombastisch, dann wieder düster und sphärisch. Eine schizophrene Konzeptlosigkeit? Von wegen! Diese sinfonischen Fernreisen erinnern sogar manchmal an Radiohead - und sind wohl ein Garant dafür, dass Archive gerade am europäischen Festland einen derart gigantischen Zuspruch genießt.
Zuletzt waren sie etwa 2023 mit ihrem damals aktuellen Album “Call To Arms & Angels” in der rappelvollen Ottakringer Brauerei zu Gast: Die gleißende Lichtshow und die intensiven Visuals waren ein atmosphärisches, fast schon physisch spürbares Erlebnis, das den scheppernden Beat und das industrielle Feeling unfassbar gut aufgriff. Auf der Bühne regierte eine überbordende Wucht - und das Publikum rastete naturgemäß aus. Aber auch in den ruhigen Passagen brillierten Archive, die Fülle an wunderschönen Melodien, die Keeler und Griffiths zwischen all dem Lärm versteckt haben, überrascht zwar, begeistert aber. Archive, das ist ein musikalisch dichtes, überaus cineastisches Programm, das zahlreiche Haken schlägt - und dabei eine gelöste Beklemmung auslöst.
Eine Stimmung, die mit dem 13. Studioalbum “Glass Minds”, das am 27. Februar erscheinen wird und nun mit der Single “Look At Us” angekündigt wurde, wohl noch weiter an die Spitze getrieben wird.
“Look At Us” ist ein Abbild der Zeitgeschichte, mit bedrohlichen Textzeilen als Spiegelbild für die zutiefst verzerrte Welt, in der wir heute leben: Hier geht es um Lügen und Täuschung - auch in der visuellen Sprache des begleitenden Videos gekonnt gedoppelt. Dabei setzen Archive diesmal vermehrt auf die minimalistische Kraft ihrer Frühphase, der Energie von “Londinium”. “Glass Minds”, so verrät die Band, soll voll mit schweren Rhythmen und einer Melancholie, die die Seele durchdringt sein - mit einer Blechbläser-Sektion, die eine zusätzliche Dimension einfügt.
“Es klingt, als würden wir in eine expansivere und erhebendere Dimension vorstoßen”, erklärt Keeler etwas rätselhaft - übersetzt heißt das wohl: Archive werden 2026 in einer ihrer energetischsten und treibendsten Ausformungen als eruptive Urgewalt in der Arena auf der Bühne stehen und erneut beweisen, dass ihre Auftritte immersive Erfahrungen sind, die sich in die Gehirnwindungen fräsen.