Bild: Markus Höller
80 Jahre wäre Robert Nesta Marley, besser bekannt als Bob Marley, heuer geworden. Mehr als 40 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod wirkt seine Bedeutung für die globale Musikwelt immer noch nach, ganz besonders in seiner Heimat Jamaika. Ich habe mich auf der Karibikinsel auf Spurensuche begeben und so manches über Reggae, Ganja und Rastafari gelernt.
Jamaika ist eine interessante kleine Nation. Der Inselstaat in der Karibik, der erst 1962 Souveränität erlangte, zählt gerade einmal knapp drei Millionen Einwohner, und doch ist seine nationale Identität praktisch jedem Erdenbürger ein Begriff. Der beliebte Rum zum Beispiel, aus Zuckerrohr gewonnen, ist rund um die Welt in jeder guten (Haus)Bar zu finden. Ein paar der bekanntesten Leichtathleten der letzten Jahrzehnte, allen voran Weltrekordler Usain Bolt, aber auch das legendäre Bobteam, sind auf ihre jamaikanischen Wurzeln stolz. Und last but not least natürlich die untrennbar miteinander verbundene Dreifaltigkeit aus Cannabis, Rasta und Reggae.
Auch heute noch zählt dieser Musikstil – seit 2018 übrigens von der UNESO als Immaterielles Weltkulturerbe geadelt – unverzichtbar zum weltweiten Kanon. Wiewohl manchmal als Randgruppen/Kiffermusik belächelt, gilt das Meistern eines amtlichen Reggae-Grooves vor allem für die Rhythmus-Sektion einer Band als komplexe Aufgabe. Reggae wurde und wird auch von völlig genrefremden Bands gerne mal ins eigene Songmaterial eingebaut, Künstler wie Paul McCartney, die Rolling Stones oder Eric Clapton fallen einem dazu genauso ein wie der bayrische Protestmusiker Hans Söllner oder Seeed, Gentleman und Jan Delay. Aber woher kommt Reggae eigentlich?
Reggae entwickelte sich aus bereits vorherrschenden Stilen wie R&B, Soul, Ska und Rocksteady. Vor allem die Bevölkerung Jamaicas, nach der de facto Ausrottung der ursprünglich indigenen Taino durch spanische Kolonialherren aus afrikanischen Sklaven hervorgegangen, verwob diese Einflüsse gemeinsam mit der lokalen Misch-Sprache Patois und dem komplexen Rastafari-Glauben zur einem unverkennbaren Musikstil.
Besonders der 1945 im winzigen Bergdorf Nine Mile als Sohn einer Jamaikanerin und einem englischen Armee-Angehörigen geborene Bob Marley, entwickelte früh ein herausragendes musikalisches Talent. Die Übersiedelung in die zwar bitterarme, aber künstlerisch hochaktive Hauptstadt Kingston stellte früh die Weichen für den wohl berühmtesten Sohn der Insel. Über Jimmy Cliff, später selbst eine musikalische Lichtgestalt, lernte der junge Bob die Musiker Bunny Wailer und Peter Tosh kennen – die Initialzündung für seine legendäre Begleitband, The Wailers. Obwohl Marley zwischenzeitlich seinen Lebensmittelpunkt in den USA wählte, blieb er letztendlich seiner Heimat treu und verhalf dem Reggae und damit verbunden auch der von ihm praktizierten Rastafari-Religion zu internationaler Bekanntheit. Sein charakteristischer Gesangsstil, seine perfekt zusammenspielende Band und vor allem sein außergewöhnliches Talent als Songwriter schuf ein musikalisches Erbe, das heute zum Grundschulstoff für Musiker aller Ausprägungen gehört.
Leider fand das in voller Blüte stehende, weltweit beliebte musikalische Schaffen von Bob Marley and The Wailers ein jähes Ende, als Marley Ende der 1970er Jahre an einer besonders aggressiven Form von Hautkrebs erkrankte und schließlich 1981 an den Folgen von Metastasen im ganzen Körper mit nur 36 Jahren verstarb. Seine Wailers-Mitstreiter Peter Tosh und Carlton Barrett wurden wenige Jahre später in Kingston ermordet. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt waren Bob Marleys Charisma und seine Bedeutung für den Musikmarkt so immens, dass er im Rahmen eines Staatsbegräbnisses in einem Mausoleum in seinem Geburtsort Nine Mile beigesetzt wurde.
In den Jahrzehnten seither wurde das Areal rund um das Geburtshaus und das Mausoleum zu einem ansehnlichen Besucherzentrum ausgebaut. Neben Grabstätten der Familie, darunter auch Mutter Cadella in einem eigenen Mausoleum, finden sich in dem lauschigen Fleckchen auch eine Bar, diverse Souvenirshops, eine Kapelle und zahlreiche Devotionalien. Wiewohl deutlich kleiner und natürlich nicht so frequentiert, fühlt man sich hier ein wenig wie in Elvis' Graceland. Mit einem großen Unterschied: Schon bei der langen Busfahrt im Rahmen einer geführten Tour wird man darauf aufmerksam gemacht, dass es sich explizit um eine „Smoking Tour“ handelt. Soll heißen: die Konsumation von Cannabis wird nicht nur geduldet, sondern man wird sogar dazu ermuntert. Entsprechende Händler stehen am Eingang parat, freudig gibt der Guide jedem Feuer, der mit einer dicken Tüte den Marmor-Sarkophag mit den sterblichen Überresten des Reggae-Königs einnebeln will. Denn Cannabiskonsum ist ein wichtiger ritueller Bestandteil der Rastafari-Kultur. „Bob would be honoured“, schnarrt wohlwollend der Bariton des Guides.
Klar, das ist am Ende des Tages auch eine gewisse Art von Kommerzialisierung, wie wir sie eben von Elvis oder Mozart kennen. Doch das lässt sich nicht vermeiden bei einem Künstler, dessen Wirken bis heute die Menschen fasziniert und inspiriert – mehr als 75 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich. Und schließlich ist sich Witwe Rita Marley nicht nur der Verantwortung für Herrn Marleys zahlreiche Nachkommenschaft in Form von elf Kindern und deren Nachkommen bewusst, sondern auch der Bedeutung als Touristenmagnet und Wirtschaftsmotor, unter anderem via das von Marley selbst gegründete Plattenlabel Tuff Gong. Schätzungen gehen davon aus, dass der von Rita verwaltete Nachlass jenseits der 600 Millionen Dollar schwer ist.
Selbst wenn man sich mittlerweile anderer Musik als Reggae zugewandt hat denn als junger (kiffender) Mensch, kann man sich der positiven Energie der Kultur vor Ort nicht entziehen. Bob Marley ist auf Jamaika ebenso omnipräsent wie das delikate Nationalgericht Jerk Chicken, fabelhafte Rum-Cocktails, würzig-süße Schwaden von Cannabis und ein fröhliches „JA MAN“. Die Jamaikaner sind sehr stolz auf ihre kleine Nation und ihren wohl berühmtesten Export beziehungsweise dessen musikkulturellen Impact. Dass es hier das ganze Jahr über ausgesprochen angenehme Temperaturen von Luft und Wasser hat, erklärt mitunter auch die entspannte Grundstimmung, ist vor allem aber auch Anreiz, mal auf den Spuren von Bob Marley die saftig grünen Berge von Jamaika selbst zu erkunden.
Als perfekter Ausgangspunkt für eine Tour zum Bob Marley Mausoleum, vor allem aber für einen wirklich entspannten Urlaub, ist das 2023 neu eröffnete Sandals Dunns River sehr zu empfehlen. Das Fünfsterne-Ultra-All-Inclusive Adults-Only-Resort bietet nicht nur eine wunderschöne Anlage in direkter Strandlage mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten, sondern auch eine große Auswahl an kulinarischen Genüssen und ausgesprochen gut bestückten und kompetent geführten Bars. Nicht nur morgens bekommt man ausschließlich den hierzulande kaum erschwinglichen, exzellenten Blue Mountain Kaffee gereicht, Zimmerservice und eine stets nachgefüllte Minibar sind ebenso im Tarif inkludiert wie ein Spa mit Dampfbad oder der einzigartige Dunns Rum Club, in dem man sich durch Unmengen an lokalem und internationalem Rum kosten kann. Die Anreise erfolgt via Fluglinie Condor ab Frankfurt direkt nach Montego Bay.
Auch wenn Bob Marley nicht mehr unter uns weilt, lebt Reggaemusik fort: Wir haben euch ein paar Veranstaltungstipps zusammengestellt!
Angefangen bei Jan Delay, der mit seiner Disko No. 1 25-jähriges Jubiläum in der Arena und in Linz feiert, über das One Love Festival in Wiesen, bei dem dieses Jahr unter anderem einer der Söhne von Bob Marley, Ky-Mani Marley auftritt, bis hin zu Hans Söllner bieten sich im Sommer genügend Gelegenheiten, einmal “die Seele baumeln zu lassen”.