Bild: oeticket/Stefan Kuback
Vor zwei Jahren feierten Scooter ihr 30-jähriges Jubiläum in der Wiener Stadthalle, erst Anfang Juni eröffneten sie in Schladming den Sommer. Im September heißt es dann beim Beatpatrol noch einmal: „No Rewind!“
Manche werden mit dem Alter ja zwangsweise etwas ruhiger. Nicht so Hans Peter Geerdes, der bereits in der Schulzeit von seinem Chemielehrer den Spitznamen “HP” verpasst bekommen hat: Klingt ja auch lässiger als eben “Hans Peter” – zumindest, wenn man in den Achtzigern Teenager war und heute auch noch immer irgendwie einer ist, trotz 60 plus Lenzen.
Seine Technoband Scooter begleitet ihn nun auch schon sein halbes Leben – und ist auch weiterhin eine unbremsbare Maschine mit tanzenden Vamps, heißen Feuersäulen, Pyroalarm, LED-Zauber und einem unglaublichen Sammelsurium an Partyhits.
Das Erfolgsrezept scheint bei der anfangs als One-Hit-Wonder abgestempelten Technodampfwalze einfach: ein pumpend stampfender “Itz, itz, itz”-Testosteron-Rhythmus und dazu eine leicht zu merkende und ebenso leicht zu grölende Textzeile wie “Hyper Hyper”, “Move your ass” oder “Jigga, jigga”. So erfolgreich Scooter gemessen an Plattenverkäufen, Auszeichnungen und ausverkauften Hallen auch sind – Gegenwind gab es natürlich von Beginn an. Doch HP nimmt Kritik seit jeher gelassen – immerhin hat er nicht nur genug Geld gemacht, sondern arbeitet immer noch jede Woche viel dafür. Das Erfolgsrezept ist seit 1994, als “Hyper Hyper” durch die Decke ging, dasselbe wie bei der Stammkneipe oder beim Lieblingsreiseziel: Warum großartig ändern, was sich bewährt hat? Das funktioniert sowohl bei AC/DC – als eben auch bei Scooter, mit minimalen Qualitätsschwankungen.
Auch wenn seine Eltern damals natürlich eine handelsübliche Karriere lieber gesehen hätten: Selbst Mutter Geerdes, in ihren Achtzigern, ist ein Fan – wenngleich ein kritischer. “Mama mag eigentlich die Sachen am liebsten, die so richtig losmarschieren”, erzählte mir HP Baxxter mal in einem Gespräch. “Sie macht unsere Musik manchmal morgens an, zum Aufwachen. Oder wenn sie schlecht drauf ist”. Und ja, sie kommt immer noch regelmäßig mit ihren Freundinnen zu den Shows.
Auch wenn seit über 30 Jahren der Wiedererkennungswert bei Scooter großgeschrieben wird: Um sich nicht selbst irgendwann auf der Bühne zu langweilen, variieren sie ihre Songs immer wieder einmal, frischen sie mit neuen Sounds auf. Dass die Freude und die Leidenschaft dadurch bestehen bleibt, merkt man etwa auch auf der neuesten Single “No Rewind”: “Wir projizieren den Scooter-Spirit und -Sound immer auf die Jetztzeit. Es darf auf jeden Fall nichts angestaubt klingen. Essenziell ist, nicht jedem Trend hinterher zu laufen. Wenn du mit Gewalt all das einbauen willst, was die Kids gerade cool finden, verlierst du an Glaubwürdigkeit. Bei Scooter ist absolut alles möglich, aber die meiste Zeit steckt kein Masterplan dahinter.”
Scooter live beim Summer Opening in Schladming. Bilder: Gerhard Drindorfer, Daniel Scharinger, Harald Steiner
Dass dieser Nicht-Masterplan generationenübergreifend funktioniert, war beim Summer Opening diesen Juni in Schladming spürbar: Über 6.000 Fans aus allen Altersschichten waren aus ganz Europa für den vielleicht größten Rave des Landes angereist. Es begann klassisch mit “Also sprach Zarathustra” von Richard Strauss, bekannt aus dem Science-Fiction-Klassiker “2001: Odyssee im Weltraum”. Obwohl das Areal nicht ausverkauft war, wirkte es bereits bei den ersten Klängen so, als würde das Zielstadion der Schladminger Planai aus allen Nähten platzen – für eine Rave Invasion braucht man Platz.
Auf den “Zarathustra” folgte eine anderthalbstündige Reise in die Vergangenheit, denn Scooter klingt zu jedem Zeitpunkt nach den Neunzigern – und damit wie ein rosaroter Safe Space, der überraschend aber doch nicht aus der Zeit gefallen ist. Das liegt vor allem daran, dass HPs Look unverändert ist – und auch seine Motivation: Bei “Jumping All Over The World” hüpfte er sogar mit seinen deutlich jüngeren Tänzerinnen synchron und spätestens mit “Techno is Back” gab es auch für die Masse vor der Bühne kein Halten mehr. Denn ganz ehrlich: Diese Energie, die HP sich bewahrt hat und einer Konfettikanone gleich ins Publikum schmettert, ist nicht nur bemerkenswert, sondern zudem unglaublich vitalisierend. “How Much Is The Fish?”, “Maria (I Like It Loud)” und “Nessaja”: einen derartigen Hexenkessel hat die Planai wohl noch nie gesehen.
Kein Wunder, dass man die “Döp Döp Döp”-Gesänge dann noch Stunden nach dem Konzertende durch Schladming hallen hörte: Scooters Techno ist gekommen, um zu bleiben. Ein “Regelpensionsalter” kennt Scooter nicht, und HP Baxxter selbst sogar noch weniger: Sie brettern nun mit 180 BpM in Richtung Beatpatrol Festival, das Anfang September nach Stationen im VAZ, der Marx Halle und dem Linzer Design Center nun erstmals in der Wiener Freudenau für einen krönenden Sommerabschluss sorgen wird – unter anderem auch mit der erfolgreichsten DJ der Welt, Charlotte de Witte und nach seiner Zwangspause auch dem wiedergekehrten Timmy Trumpet. Nur wer den Sommer eröffnet hat, kann selbigen auch beschließen! Aber: The beat goes on and on!
Line-up Beatpatrol:
Freitag, 04. September: Charlotte de Witte, Timmy Trumpet, Miss Monique, Dimension, Hybrid Minds, FAST BOY und ¥ØUUK€ ¥UK1MATU
Samstag, 05. September: Alok (pres. Rave The World), Marlon Hoffstadt, Scooter (Live), Melanie C, Sigma und Mestiza