Bild: Trafalgar Releasing
Im einstündigen und kostenlosen (!) Konzertfilm "Corduroy Plants" lässt Neil Young nochmals seine letztjährige Tour Revue passieren - die ihn leider nicht nach Österreich führte.
Nicht nur die poppige Gen-Z muss leiden, wenn Gracie Abrams, Olivia Rodrigo, Grace Cummings, beabadooobee und wie sie alle heißen mögen, eine “UK/EU-Tour” ankündigen, und dann im besten Fall in London, Paris, Stockholm und Berlin aufspielen. Auch die Boomer müssen mittlerweile für ihre alten Helden weit reisen - als Neil Young gemeinsam mit seiner Begleitband Chrome Hearts 2025 unter dem Motto “Love Earth” nach Europa kam, stand natürlich Österreich ebenfalls nicht am Plan: Neben der Insel, dem hohen Norden, der Schweiz und Frankreich wurde dafür Deutschland mit gleich drei Konzerten belohnt - darunter in der renommierten Waldbühne am 3. Juli. Selbstverständlich war ich dort live mit dabei.
Neil Young 2025 in der Berliner Waldbühne. Handyfotos: Stefan Baumgartner
Wer trotz überbordender Liebe zu Neil Young vergangenes Jahr keine Reise zu einer der Live-Konzerte begehen konnte, wird nun zumindest teilweise entschädigt: Soeben erschien mit “Corduroy Plans” ein kostenfreier, einstündiger Konzertfilm, der eben genau die Konzerte des letzten Sommers nochmals Revue passieren lässt - und das bereits wenige Monate nach der Veröffentlichung des Live-Albums “As Time Explodes”.
Der Konzertfilm - übrigens inszeniert von Neil Youngs Frau Daryl Hannah - deckt sich auch weitestgehend mit dem Live-Album, lediglich “After The Gold Rush” und “Looking Forward” fehlen, was natürlich ebenfalls ein klein wenig schmerzt. Unklar bleibt auch, wo genau die einzelnen Auftritte aufgezeichnet wurden, zumal Hannah auch stets zwischen Bühne, Archivmaterial, Nachrichten (etwa die Zerstörung des Ostflügels des Weißen Hauses) und historischen Momenten (etwa aus dem Zweiten Weltkrieg) wechselt. Aber: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, zumal wenn er ohnehin formidabel ist!
Parallel dazu erscheint übrigens - allerdings kostenpflichtig - nun auch der vierte Teil der “Archives”-Reihe, zudem auch ein neues Album in den Startlöchern steht: Denn Neil Young war mit den Chrome Hearts nicht nur auf “Love Earth”-Tour, sondern auch im Studio! “Second Song” wurde in Rick Rubins Shangri-La-Studios in Malibu aufgenommen, mit größtenteils brandneuem Material und zudem drei unveröffentlichten Songs, die aus den frühen Sechzigern stammen sollen: Die Stücke stammen aus Youngs Zeit mit The Squires, seiner ersten Band, mit der er Anfang der 60er durch Winnipeg tourte – drei Jahre, bevor er Buffalo Springfield mitgründen sollte. Damals war Young 17. Eine Besonderheit der neuen Aufnahmen: Second Song wurde parallel digital und analog gemischt, um die klanglichen Unterschiede direkt hörbar zu machen – ein Herzensanliegen Youngs, der seit Jahren gegen verlustbehaftete Streaming-Formate wettert.
Wann wir Neil Young tatsächlich wieder live sehen, steht aktuell in den Sternen: Eigentlich hätte er auch dieses Jahr wieder um Österreich herum touren sollen, aber die diesjährigen “Love Earth”-Termine wurden leider abgesagt. Allerdings hat Neil Young im selben Atemzug versprochen, dass er wiederkommt - wir bleiben also dran!