Bild: Timmy Trumpet
Timmy Trumpet war vor seinem EDM-Höhenflug bereits Hochzeitssänger und gescheiteter Jazzer. Nach seiner selbst auferlegten Auszeit steht der Australier in neuer Form nun wieder auf der Bühne – auch am Beatpatrol.
Als der Australier Timothy Jude Smith, so Timmy Trumpet bürgerlich, vergangenen Dezember vom schwierigsten Jahr seines Lebens und im selben Atemzug von einer selbst auferlegten Auszeit sprach, blieb vorerst die Frage offen, was hinter seinem Rückzug steckte. Im Frühjahr hatte der EDM-Star dann die Trennung von seiner Frau Anett öffentlich gemacht und zugleich angekündigt, dass seine zukünftige Musik persönlicher ausfallen wird als alles, was man bisher von ihm kennt: Jeder Beat, jede Zeile soll fortan aus “einem echten, persönlichen Ort” kommen – und vielleicht sogar nicht zwingend das, was man von einer rastlosen Mainstage-Maschine wie ihm erwartet.
Dass er diesen Weg so direkt mit seiner eigenen Verletzlichkeit verknüpft, macht seine Aussage stärker als viele der üblichen Social-Media-Bekenntnisse aus dem EDM-Kosmos: Hier geht es nicht um kalkulierte Nahbarkeit, sondern um einen Künstler, der sichtbar versucht, eine schwierige private Phase nicht hinter maximaler kollektiver Energie zu verstecken. Bei ihm wirkt diese Verletzlichkeit nicht nur bemerkenswert, sondern tatsächlich wie: Stärke.
Das hört sich in erster Linie natürlich für seine Bubble wie eine Zäsur an – für ihn ist es jedoch nicht die erste. Denn lange vor Kollaborationen mit Szene-Größen wie Armin Van Buuren (live am Electric Love Festival), Hardwell und Scooter (ebenfalls am Beatpatrol), noch lange vor einem Auftritt mit 30 Seconds To Mars (im April in der Wiener Stadthalle) und selbst noch vor “Freaks” aus dem Jahre 2014, mit dem er seinen internationalen Durchbruch feierte und der mittlerweile fast 700 Millionen Streams auf Spotify zählt, hatte Timmy Trumpet eigentlich einen anderen Karriereweg eingeschlagen: In seiner Kindheit lernte er die später namensgebende Trompete spielen.
Mit 13 bekam er eine Auszeichnung als bester Nachwuchsmusiker und eine Ausbildung am Sydney Conservatorium of Music. Neben der klassischen Musik entwickelte er auch eine große Leidenschaft für Jazz und für die Improvisation - bereits im zarten Alter von nur 14 Jahren ging er mit James Morrison und dessen Australian All-Star Band auf Europatournee und trat unter anderem beim renommierten Montreux Jazz Festival auf: Ein Bemmerl ist das nicht! Dennoch sagt er – dessen erster bezahlter Beruf übrigens der eines Hochzeitssängers (!) war – heute: “Ich sehe mich eigentlich als gescheiterten Jazzmusiker, der erwachsen wird. DJ und Trompeter zu sein, daran hatte ich nie gedacht – doch es hat funktioniert. Ich liebe Jazz und Klassik aber immer noch und baue auch viel davon in meine Sets ein.” Und mittlerweile hat sogar ein Vater, selbst Trompeter, auch einen Frieden mit dieser “Krachmusik” geschlossen.
Auch wenn die Vermählung von Trompete mit EDM auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken mag: Es ist ein Markenzeichen, das Timmy Trumpet abhebt und gerechtfertigt, dass er mittlerweile zu den gefragtesten DJs nicht nur Australiens, sondern gar der Welt zählt. Der Sound, der da von den mittlerweile größten Bühnen und zu den spätesten Stunden schallt, ist dafür wie geschaffen, die Welt davor umzukrempeln. Auch, weil Timmy Trumpet darüber hinaus als hyperaktiver Musiker mit einer hohen physischen Präsenz brilliert – und, weil er neben der Trompete noch etwas anderes aus dem Jazz mitgenommen hat: die Lust am Improvisieren. Demnach haben seine exaltierten Bühnenshows immer einen Rahmen – aber was dazwischen passiert, das ist dem Moment und vor allem auch der Energie, die aus dem Publikum kommt, geschuldet.
Man darf gespannt sein, welche Neuerfindung nach seiner bereits zweiten Zäsur dann Anfang September neben Scooter und Charlotte de Witte auf der Bühne des Beatpatrol steht, das dieses Jahr nach Stationen im VAZ, der Marx Halle und dem Linzer Design Center nun erstmals in der Wiener Freudenau für einen krönenden Sommerabschluss sorgen wird. Das Grundprinzip wird, um ein älteres Stück zu zitieren, wohl als Fundament bestehen bleiben: „Party till we die!“ Und: „Boom boom boom!“
Line-up Beatpatrol:
Freitag, 04. September: Charlotte de Witte, Timmy Trumpet, Miss Monique, Dimension, Hybrid Minds, FAST BOY und ¥ØUUK€ ¥UK1MATU
Samstag, 05. September: Alok (pres. Rave The World), Marlon Hoffstadt, Scooter (Live), Melanie C, Sigma und Mestiza
Timmy Trumpet 2022 am FM4 Frequency. Bilder: oeticket/Stefan Kuback