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Konzerte

Black Sabbath in Wien! Naja, zumindest fast.

28.01.2025 von Stefan Baumgartner

Der Jahreswechsel von 2015 auf 2016 war für Musikfans ein trauriger: Kurz nach Weihnachten starb der legendäre Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister, im Jänner mussten wir uns von David Bowie, der Pop-Ikone des 20. Jahrhunderts, verabschieden. Im April verstarb dann auch noch der nicht minder schillernde Prince. Und auch die legendären Ur-Väter des Heavy Metals, Black Sabbath, verabschiedeten sich zwar nicht vom Leben, aber doch zumindest von der Bühne: Mit ihrem treffend betitelten, letzten Album “The End” im Gepäck gastierten sie im Sommer 2016 ein allerletztes Mal in der ausverkauften Stadthalle - und das noch dazu fast in Originalbesetzung, einzig Schlagzeuger Bill Ward fehlte.

Der Fokus der damaligen Show lag freilich auf den Klassikern, auf den Stücken, die Black Sabbath zwischen 1969 und 1976 veröffentlicht hatten - und es war beeindruckend, welche Frische Lieder wie “Into the Void”, “War Pigs” oder “N.I.B.” nach all den Jahrzehnten am Buckel immer noch hatten. Insbesondere Gitarrist Tony Iommi, der damals wegen seines Krebsleidens in Behandlung war, spielte wie der junge Gott, der er einst auch einmal war. Aber sogar Sänger Ozzy Osbourne, den man stimmlich auch schon schlechter beinand erlebt hatte, präsentierte sich in tadelloser Form - die Standing Ovations und fliegenden Haare, die das abschließende “Paranoid” begleiteten, waren verdient. Ozzys frenetische Aufforderung, “Go fucking crazy!” verband an diesem Abend über 15.000 Menschen aus allen Generationen zu einem euphorisierten Mob.

No Rest for the Wicked Ozzy Osbourne

Vier Jahre später wollte Ozzy Osbourne dann zumindest mit seiner Soloband Wien erneut heimsuchen - im Gepäck sein damals aktuelles Album “Ordinary Man”, auf dem neben Duff McKagan und Slash (Guns N' Roses), Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) und Tom Morello (Rage Against the Machine) auch so illustre Gäste wie Elton John, Travis Scott und Post Malone (!) zu hören waren. Doch gesundheitliche Gründe verhinderten damals eine beschwerliche Tour durch Europa.

Ende 2022 keimte dann erneut Hoffnung auf: Mit “Patient Number 9” erschien Ozzy Osbournes 13. Album - und für einen Dunkelfürsten würde es sich doch geziemen, die unheilsschwangere Zahl doch auch persönlich zu feiern, nicht wahr? Zumal mit Zakk Wylde, der von Ende der Achtziger und “No Rest for the Wicked” bis in die frühen Nullerjahre und “Black Rain” hinein bereits Teil von Ozzys Band war, ein alter Bekannter in seinen Schoß zurückgekehrt war! Aber auch die übrige Besetzung des Albums las sich wie die Créme de la Créme der Rockmusik: Neben Zakk steuerten auch Jeff Beck, Eric Clapton, Josh Homme (Queens of the Stone Age), Dave Navarro (Red Hot Chili Peppers, Jane's Addiction) und gar Ozzys Sabbath-Kollege Tony Iommi Gitarren bei, am Schlagzeug war neben Chad Smith auch Taylor Hawkins (Foo Fighters) zu hören, und am Bass neben Duff McKagan unter anderem auch Robert Trujillo, der wie Zakk auch vor seiner Karriere mit Metallica Teil Ozzys Band war. Doch erneut: Fehlanzeige. Mittlerweile in seinen Siebzigern angekommen, dürften sich übliche Altersbeschwerden und Ozzys früherer Lebenswandel die Klinke in die Hand geben. Funfact am Rande: Das vierte Album von Black Sabbath (1972) hätte als Kniefall vor dem "weißen Gold" Kokain eigentlich “Snowblind” heißen sollen, und tatsächlich waren die Aufnahmen mit 60.000 Dollar auch geringer veranschlagt, als das Kokain-Budget, das 75.000 Dollar zu Buche schlug - heute wären das knapp eine halbe Million Dollar. Eigentlich ist's eh ein Wunder, dass Menschen, die zumindest eine Zeitlang einen Lebenswandel wie er oder auch Lemmy führten, überhaupt in den zweiten Lebensabschnitt rauschen.

Insofern meine zwar triste, dafür rationale Weitsicht: Ein weiteres Konzert von Ozzy Osbourne - egal ob solo oder doch wieder mit Black Sabbath - können wir uns eher nur in unseren kühnsten Träumen ausmalen. Aber! Einen klitzekleinen Lichtblick gibt es dann doch.

Zakk Sabbath: heiß oder scheiß?

Zwei Sachen vornweg: Auch wenn ich damit nicht nur die tatsächliche Geschichte, sondern sogar den Wikipedia-Eintrag negiere, verweigere ich mich zumindest im Privaten der Tatsache, dass es in irgendeinem der zahllos möglichen Universen jemals eine Inkarnation von Black Sabbath ohne Ozzy Osbourne am Gesang gegeben hat. Selbst prominente Namen wie Ronnie James Dio, Tony Martin oder Ian Gillan sagen mir in diesem Kosmos nichts. Wenngleich ich eingestehen muss: Von “Born Again” - und speziell von den gequält-verqueren Gitarren auf “Zero the Hero” - bin ich vermutlich einer der 13 Fans weltweit, es ist halt nur nicht Black Sabbath.

Außerdem erlaube ich mir, ebenfalls im Privaten, mich Tributebands zu verweigern. Nicht falsch verstehen: Wenn Künstler vor anderen Künstlern den Hut ziehen und sie mit ein, zwei oder mehr Coversongs bedenken, ist alles im grünen Bereich - und dank eines Albums wie “Garage Days Re-Revisited” von Metallica bin ich damals in die Rockschule gegangen. Wenn sich Musiker aber als Bandnamen einen - oft ganz spaßig verhunzten - Songtitel ihrer Heroen umhängen und ausschließlich Lieder ihrer Namensgeber rauf und runter spielen, hört mein Verständnis auf. Zugegeben, einige davon wie etwa The Australian Pink Floyd Show sind profunde Musiker und beherrschen das Handwerk - während es eher unwahrscheinlich ist, dass wir Pink Floyd wieder einmal in einer halbwegs klassischen Besetzung auf der Bühne erleben dürfen. Aber Stahlzeit (zumal Rammstein noch existieren), Still Collins oder die Beatles Revival Band? Nein danke. Und manchmal muss man sich auch fragen, wann eine Tribute-Band überhaupt beginnt - ist Queen mit Adam Lambert schon Tribute?

Somit müsste es mir eigentlich bei Zakk Sabbath alle Haare aufstellen.

Zakk Sabbath ist das Hirngespinst von Zakk Wylde, von dem wir bereits gehört haben: 2014 gründete er die Black-Sabbath-Coverband und spielte damit gelegentlich und in wechselnder Besetzung live. Zum 50. Jubiläum von Sabbaths Debütalbum nahm er selbiges sogar möglichst originalgetreu und unter dem Titel “Vertigo” (2020) in einem analogen Studio auf - mit von der Partie waren neben ihm am Gesang und der Gitarre auch Rob “Blasko” Nicholson aus Osbournes (und Rob Zombies) Band am Bass und Joey Castillo (Danzig, Queens of the Stone Age) am Schlagzeug.

Vergangenes Jahr folgte dann unter dem Titel “Doomed Forever, Forever Doomed” eine Neuaufnahme der Sabbath-Klassiker “Paranoid” (1970) und “Master of Reality” (1971).

Der Spaß sei ihnen zugestanden: Dass Zakk Wylde als langjähriger Gitarrist von Ozzy durch dessen Schule gegangen ist und im Proberaum wohl hie und da und unter seinem Taktstock auch Black Sabbath gespielt wurde, davon darf ausgegangen werden. Dass Zakk sich als Sänger im Umfeld von Ozzy bewegt, hat man zudem auf einer Vielzahl an grandiosen Alben seiner eigenen Band Black Label Society mitbekommen.

Für mich, als Fan von Black Sabbath, wäre die Rechnung aber trotzdem einfach: Sollen sie tun, wie sie wollen - brauche ich jedoch nicht. Die originalen Alben stehen im Plattenregal und Zakk Sabbath liefern keine neuen Ansätze - außer, dass natürlich Zakks Gitarrenspiel unverkennbar ist und sich klarerweise von Iommi unterscheidet: Zakk hat ja auch noch alle Fingerkuppen. Black Sabbath habe ich live auch mehrfach gesehen - wenngleich natürlich altersbedingt nicht zu ihren Frühzeiten. Somit sollte also auch fürs Livekonzert, das Zakk Sabbath für den 22. März im Wiener Gasometer angekündigt haben, mein privates Interesse gegen Null sinken. Und doch finde ich irgendwie meiner Borniertheit zum Trotz Gefallen an ihren Alben und verstehe plötzlich Menschen, die auch in einer Tributeband Befriedigung und Freude empfinden können.

Manchmal bestätigen Ausnahmen einfach die Regel, das “Warum?" kann ich im Falle von Zakk Sabbath jedoch weder emotional noch rational dingfest machen. Vielleicht muss man gewisse Umstände auch nicht erklären, sondern einfach nur laufen lassen - und ich bin mir sicher, dass weniger bornierte Menschen als ich, die zudem Gefallen an a) Black Sabbath b) Black Label Society c) erdigem Heavy Metal und d) Bier finden, im Gasometer auch ohne Kokain durch die Decke gehen werden. Here comes Iron Man!!!


Live-Termine


Zakk Sabbath

22. März 2025 | Wien, Gasometer (mit Lowen)


Infos auf dem Stand vom 28.01.2025  

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