Bild: Ingo Pertramer
Sie haben “Interesse am Gestörten”: Christoph Grissemann und Robert Stachel von Maschek erzählen über ihr erstes gemeinsames Programm "Rouladen", das in wenigen Wochen im Wiener Stadtsaal Premiere feiert.
Angeblich soll heute jeder und jede in Therapie gehen, um all die Traumata, die sich seit der Kindheit angesammelt haben, zu verarbeiten. Die beiden Kabarettisten Christoph Grissemann und Robert Stachel (Maschek) machen sich in ihrer Therapiesatire “Rouladen” über diesen Trend lustig - zumindest für Grissemann gilt das. Stachel, der selbst Therapieerfahrung hat, beschreibt ihr Programm dagegen als “ehrfürchtige Hommage”. Ein Widerspruch? Iwo! Die beiden Herren, die sich bei der Arbeit an der TV-Sendung “Willkommen Österreich” kennen und schätzen gelernt haben, ergänzen sich einfach gut. Und nachdem Stermann & Grissemann nur mehr im Fernsehen gemeinsam auftreten, touren Grissemann & Stachel 2026 ausgiebig durch Österreich.
Robert Stachel: Christoph und ich haben in den letzten Jahren öfters Zuspieler für “Willkommen Österreich” gemeinsam gedreht und festgestellt, dass uns die gemeinsame komödiantische Menschendarstellung Spaß macht. Als Stermann sein erstes Soloprogramm herausgebracht hat, hat Grissemann ein Casting für einen neuen Bühnenpartner veranstaltet. Ich war der einzige Bewerber.
Christoph Grissemann: Ich kenne Robert seit fast 30 Jahren. Es gibt nicht viele, die auch nur annähernd so witzig und angenehm im Umgang sind. Darüber hinaus ist er äußerst talentiert und für jede Art von Bühnenkunst wie geschaffen. Ich habe ihn also aus dem Maschek-Sitzgefängnis befreit. Ja, ich habe ihn “entdeckt”.
Christoph Grissemann: Wir wollten einen Titel, bei dem der ganzen Familie das Wasser im Mund zusammenläuft.
Robert Stachel: Absolut, aber nicht so wie bei den Roten Nasen, sondern im Sinne Sigmund Freuds. Nicht das Lachen ist die beste Medizin, sondern der Humor. Der ist eben nicht nur eine Kulturtechnik wie das Witzemachen, sondern eine verinnerlichte Weltsicht, mit der sich Leid und Elend aushalten lassen.
Christoph Grissemann: Der Begriff Therapie-Satire trifft’s wohl. Ein gutes Setting, um in Rollen oder Rouladen zu schlüpfen. Interessanterweise lachen die Leute bei normalem Therapeuten-Wording am meisten. Das liegt wohl daran, dass wir relativ unterbelichtete Therapeuten darstellen.
Christoph Grissemann: Klar gibt es einen roten Faden. Ein Faden ist auch nicht unwichtig bei anständigen Rindsrouladen!
Robert Stachel: Im ersten Teil spielen wir beide jeweils einen Therapeuten und zwei Patienten. Im zweiten Teil sind wir dann wir selbst. Jedes Therapiegespräch ist eine kleine Geschichte, am Ende finden sie aber alle irgendwie zusammen.
Robert Stachel: Die Herausforderung war für mich groß, ich habe seit meiner Schulzeit nicht mehr Theater gespielt. Die Synchro-Parodie mit Maschek macht mir nach wie vor Spaß, läuft nach über 25 Jahren wie auf Schienen. Diese Komfortzone wollte ich mit diesem Projekt verlassen. Eigene Texte, an deren genauem Wortlaut und am Timing man jeden Abend neu arbeiten kann und muss, das ist eine wunderbare Ergänzung zu einem durchkomponierten Maschek-Abend.
Christoph Grissemann: Ich glaube nicht, dass es politisch wird. Ich weiß es aber nicht genau, ich habe nämlich grad den Text vergessen.
Robert Stachel: Ich spiele mich in einer Szene quasi selbst und spiele, dass ich wegen der Maschek-Parodien ein schlechtes Gewissen gegenüber den Politikern habe. Darüber hinaus kommt das Thema aber nicht vor. Um sich die “Rouladen” anzuschauen, braucht es nur ein wenig Interesse am Gestörten.
Robert Stachel: Das musst du ihn fragen. Wir spielen mit Maschek genauso viele Termine wie früher, haben jetzt auch noch eine eigene Fernsehsendung, bei der Peter deutlich mehr Arbeit übernimmt als ich. Gleichzeitig hatte ich aber immer das Bedürfnis, ein wenig öfter live zu spielen. Gemeinsam mit den “Rouladen” und mit der szenischen Lesung von Yasmina Rezas “Kunst”, die Christoph und ich mit Manuel Rubey machen, passt mir jetzt in Summe das Auftrittspensum.
Robert Stachel: Grissemann ist ein gewissenhafter Vorbereiter. Er will den Text vor jeder Show noch einmal durchsprechen und legt Wert darauf, dass wir uns zwei Stunden früher treffen. Komme ich drei Minuten zu spät, schickt er mir bereits entrüstete Nachrichten. Vielleicht schafft er es, mich auf meine alten Tage zur Pünktlichkeit zu erziehen.
Christoph Grissemann: Selbstverständlich machen wir uns über Psychotherapie lustig. Why not?
Robert Stachel: Mein Zugang ist kein Lustigmachen, sondern eine ehrfürchtige Hommage. Damit es lustig wird, müssen die beiden Therapeuten, die wir da spielen, natürlich zwei extrem unfähige Exemplare ihrer Gattung sein. Und die Patienten besonders schwere Fälle.
Robert Stachel: Ich war acht Jahre lang in Psychoanalyse, vier mal die Woche, liegend auf der Couch, also das Hardcore-Programm. Seither kenne ich mich leider viel zu gut und muss trotzdem mit mir auskommen.
Christoph Grissemann: Ich war nur einmal 50 Minuten lang bei einem seltsam schweigsamen Therapeuten. Er sagte in Wahrheit gar nichts außer “Auf Wiedersehen”. Das war mir dann doch eine Spur zu wenig für 130 Euro.
Robert Stachel: Ich. Die schweren Episoden kann ich zum Glück an einer Hand abzählen, jetzt ist auch schon wieder ein paar Jahre Ruhe.
Christoph Grissemann: Nein, depressiv bin ich nicht. Nur extrem müde, schlapp und schwermütig. Reicht aber nicht, um von der Brücke zu springen.
Wir verlosen je 2x2 Tickets für “Rouladen” am 11. und 12. Februar im Wiener Stadtsaal.
Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantworte bitte die Quizfrage und fülle das folgende Formular vollständig aus:
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