Bild: Apollonia Theresa Bitzan
Die heimische Indiepop-Songwriterin Clara Luzia über das Debütalbum ihrer neuen Band The Quiet Version, Sitzkonzerte - und die Unmöglichkeit, fröhliche Lieder zu schreiben.
In den letzten Jahren hat Clara Luzia gern lauter aufgedreht. Für “Horelia”, das erste Album ihrer neuen Zweitcombo The Quiet Version, setzt sie nun jedoch auf leises, intimes Liedgut, zu dem man wunderbar in den Novembernebel schauen kann. Erstmals ausprobiert hat sie die Songs im Frühjahr 2025 auf einer Konzertreise. Bis zur nächsten Tour im März 2026 können Fans die Stücke - “Horelia” erscheint diese Woche Freitag (21. November) - dann auswendig. Ungewöhnlich: Eine Hälfte des Albums ist auf Englisch, die andere auf Deutsch.
Komplett. Es ist lustig, dass du es für ein Herbstalbum hältst. Für mich ist es ein Frühlingsalbum. Wann es rauskommt, war zuerst auch nicht klar. Die Tour ist erst im nächsten Jahr, aber wir wollten mit der Veröffentlichung nicht mehr so lange warten.
Ich finde es total schwierig, fröhliche Lieder zu machen. Das war immer schon ein Problem. Ich habe vor kurzem eine Nummer geschrieben, die fröhlich ist, aber irgendwann bin ich angestanden. So ist es bei einem Instrumentalstück geblieben. Das wird in einer TV-Komödie laufen, das passt sehr gut. Mittlerweile glaube ich, die wirklich hohe Kunst ist, eine gute fröhliche, vielleicht auch noch erhebende Nummer zu schreiben. Aber das liegt mir einfach nicht.
Sehr pragmatisch aus dem heraus, dass es oft Anfragen für Konzerte in Locations mit Bestuhlung und kleineren Clubs gab. Das fand ich für meine Stammband unpassend. Wir haben einen gewissen Lärmpegel. So entstand die Idee für ein musikalisches Setup, das uns auch solche Venues ermöglicht. Ich war anfangs skeptisch. Ausgerechnet meine Frau und Schlagzeugerin Cathi, die normalerweise sehr gern laut spielt, hatte Lust auf ruhigere Sachen. Wir haben uns unabhängig voneinander überlegt, wen wir gern in der Band hätten, und kamen auf hundert Prozent Übereinstimmung. Und dann hatten diese Musikerinnen auch noch Zeit und Lust!
Weil ich so lange weg wollte von diesem ruhigen, fragilen Singer/Songwriter-Ding. Zuletzt hatte ich das Gefühl, jetzt haben langsam alle verstanden, dass wir nicht nur ruhig und fragil sind, sondern auch laut. Und dann gehen wir wieder zurück.
Bei den Leuten ist es sehr gut angekommen. Die Texte werden in dem Setting auf jeden Fall besser verstanden. Blöd war nur, dass wir auf Tour gegangen sind, ohne eine Platte zu haben. Das war eigentlich ein bisschen gemein, den Leuten die Karotte hinzuhalten, ohne dass sie sich etwas mit nach Hause nehmen können.
Ich habe immer schon auch auf Deutsch geschrieben, aber halt lang nichts davon veröffentlicht. Die neue Formation hat eine andere Klangfarbe, dazu passt es. Wenn das Projekt länger läuft, werde ich wahrscheinlich in Zukunft nur noch Deutsch singen. Die Zweiteilung auf dem Album rührt daher, dass ich einfach nicht genug deutschsprachiges Material hatte.
Ich zensuriere mich auf Deutsch mehr. Es ist halt meine Alltagssprache. Im Englischen kann ich mehr aus dem Bauch heraus schreiben, weil ich viele Bedeutungen gar nicht kenne. Das geht leichter von der Hand.
Kein Problem, es ist ja so. Ich bin erwachsen. Mehr als das, ich bin in dem Alter, wo ich die Musik der Jungen nicht mehr ganz verstehe. Weil ich die in den Songs verhandelten Themen auch nicht mehr so interessant finde. Aber es ist okay, dass jede Generation ihre Musik hat und die jeweils ältere keinen rechten Zugang dazu findet.
Das ist auch mein Favorit. “When the Streets” vom vorletzten Album ist aber noch näher an “Wicked Game”. Ich glaube, es liegt vor allem an der Tremolo-Gitarre, da denkt man sofort an Chris Isaak. “Am Fluss” hat für mich etwas sehr Meditatives. Ich habe den Song daheim geschrieben, aber die Idee ist an der Thaya entstanden. Die konkrete Situation dort war überhaupt nicht schön, doch ich habe etwas Schönes draus gemacht. Das ist das Tolle, dass Kunst das kann.
Ich habe sie für eine Webserie geschrieben. Man merkt zwar noch, dass ich eine Niederösterreicherin bin, aber die Idee war, sich das Wienerische ein bisschen anzueignen. Wahrscheinlich klingt das Resultat wie ein Kauderwelsch. Der Song war auf keinen Fall für das Album gedacht. Aber mehrere Leute haben gesagt, er gehört unbedingt drauf.
Ich glaube jetzt nicht, dass das ein Riesenhit wird. Ich skippe die Nummer immer, wenn ich mir das Album anhöre. Aber ich hatte auch noch nie ein Gespür dafür, welche Songs gut ankommen werden.
Ich habe mir das nie wirklich durchgerechnet. Es ist eine Mischkalkulation. Ich bin total froh, dass ich so viele Felder beackern kann. Nur mit Tourneen und Platten und Radio würde es finanziell wahrscheinlich knapp werden. Die verschiedenen Bereiche ergänzen und befruchten sich auch. Ich möchte nichts davon aufgeben. Ich habe auch nie das Gefühl, ich habe irgendwas umsonst gemacht. Das ist doch super. Bei welchem Job hast du das?