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Made in Austria

Clara Luzia macht was Schönes. Und Leises.

19.11.2025 von Sebastian Fasthuber

Die heimische Indiepop-Songwriterin Clara Luzia über das Debütalbum ihrer neuen Band The Quiet Version, Sitzkonzerte - und die Unmöglichkeit, fröhliche Lieder zu schreiben.

In den letzten Jahren hat Clara Luzia gern lauter aufgedreht. Für “Horelia”, das erste Album ihrer neuen Zweitcombo The Quiet Version, setzt sie nun jedoch auf leises, intimes Liedgut, zu dem man wunderbar in den Novembernebel schauen kann. Erstmals ausprobiert hat sie die Songs im Frühjahr 2025 auf einer Konzertreise. Bis zur nächsten Tour im März 2026 können Fans die Stücke - “Horelia” erscheint diese Woche Freitag (21. November) - dann auswendig. Ungewöhnlich: Eine Hälfte des Albums ist auf Englisch, die andere auf Deutsch.

Die Tage werden immer kürzer, Nebel legt sich übers Land. Das Album passt stimmungstechnisch perfekt zu dieser Jahreszeit. Zufall?

Komplett. Es ist lustig, dass du es für ein Herbstalbum hältst. Für mich ist es ein Frühlingsalbum. Wann es rauskommt, war zuerst auch nicht klar. Die Tour ist erst im nächsten Jahr, aber wir wollten mit der Veröffentlichung nicht mehr so lange warten.

Unter Frühlingsmusik stelle ich mir tatsächlich etwas Anderes vor. Du neigst doch sehr zur süßen Melancholie. Hast du jemals einen fröhlichen Song geschrieben?

Ich finde es total schwierig, fröhliche Lieder zu machen. Das war immer schon ein Problem. Ich habe vor kurzem eine Nummer geschrieben, die fröhlich ist, aber irgendwann bin ich angestanden. So ist es bei einem Instrumentalstück geblieben. Das wird in einer TV-Komödie laufen, das passt sehr gut. Mittlerweile glaube ich, die wirklich hohe Kunst ist, eine gute fröhliche, vielleicht auch noch erhebende Nummer zu schreiben. Aber das liegt mir einfach nicht.

Mit Clara Luzia & The Quiet Version spielst du leisere Musik als mit deiner Stammband. Und ihr gebt Sitzkonzerte. Wie kam es dazu?

Sehr pragmatisch aus dem heraus, dass es oft Anfragen für Konzerte in Locations mit Bestuhlung und kleineren Clubs gab. Das fand ich für meine Stammband unpassend. Wir haben einen gewissen Lärmpegel. So entstand die Idee für ein musikalisches Setup, das uns auch solche Venues ermöglicht. Ich war anfangs skeptisch. Ausgerechnet meine Frau und Schlagzeugerin Cathi, die normalerweise sehr gern laut spielt, hatte Lust auf ruhigere Sachen. Wir haben uns unabhängig voneinander überlegt, wen wir gern in der Band hätten, und kamen auf hundert Prozent Übereinstimmung. Und dann hatten diese Musikerinnen auch noch Zeit und Lust!

Warum hast du dich zunächst gegen den intimen Rahmen gesträubt?

Weil ich so lange weg wollte von diesem ruhigen, fragilen Singer/Songwriter-Ding. Zuletzt hatte ich das Gefühl, jetzt haben langsam alle verstanden, dass wir nicht nur ruhig und fragil sind, sondern auch laut. Und dann gehen wir wieder zurück.

Ihr habt heuer ja schon eine Tour mit dem Setup in kleineren Locations gespielt. Wie ist es gelaufen?

Bei den Leuten ist es sehr gut angekommen. Die Texte werden in dem Setting auf jeden Fall besser verstanden. Blöd war nur, dass wir auf Tour gegangen sind, ohne eine Platte zu haben. Das war eigentlich ein bisschen gemein, den Leuten die Karotte hinzuhalten, ohne dass sie sich etwas mit nach Hause nehmen können.

Du singst nun auch auf Deutsch. Die erste Seite der Platte enthält aber noch englischsprachige Songs. Ein Kompromiss?

Ich habe immer schon auch auf Deutsch geschrieben, aber halt lang nichts davon veröffentlicht. Die neue Formation hat eine andere Klangfarbe, dazu passt es. Wenn das Projekt länger läuft, werde ich wahrscheinlich in Zukunft nur noch Deutsch singen. Die Zweiteilung auf dem Album rührt daher, dass ich einfach nicht genug deutschsprachiges Material hatte.

Was ist beim Schreiben anders?

Ich zensuriere mich auf Deutsch mehr. Es ist halt meine Alltagssprache. Im Englischen kann ich mehr aus dem Bauch heraus schreiben, weil ich viele Bedeutungen gar nicht kenne. Das geht leichter von der Hand.

Die Songs klingen leise und eindringlich. Man könnte das Album unter Erwachsenenpop einordnen. Wie geht es dir mit dem Begriff?

Kein Problem, es ist ja so. Ich bin erwachsen. Mehr als das, ich bin in dem Alter, wo ich die Musik der Jungen nicht mehr ganz verstehe. Weil ich die in den Songs verhandelten Themen auch nicht mehr so interessant finde. Aber es ist okay, dass jede Generation ihre Musik hat und die jeweils ältere keinen rechten Zugang dazu findet.

Mein Lieblingsstücke auf der Platte ist “Am Fluss”. Es hat eine ähnliche Stimmung wie “Wicked Game” von Chris Isaak.

Das ist auch mein Favorit. “When the Streets” vom vorletzten Album ist aber noch näher an “Wicked Game”. Ich glaube, es liegt vor allem an der Tremolo-Gitarre, da denkt man sofort an Chris Isaak. “Am Fluss” hat für mich etwas sehr Meditatives. Ich habe den Song daheim geschrieben, aber die Idee ist an der Thaya entstanden. Die konkrete Situation dort war überhaupt nicht schön, doch ich habe etwas Schönes draus gemacht. Das ist das Tolle, dass Kunst das kann.

Die Nummer, die heraussticht, ist “Bla bla bla”. Weil sie ganz anders als der Rest klingt. Mich erinnert sie ein wenig an Der Nino aus Wien.

Ich habe sie für eine Webserie geschrieben. Man merkt zwar noch, dass ich eine Niederösterreicherin bin, aber die Idee war, sich das Wienerische ein bisschen anzueignen. Wahrscheinlich klingt das Resultat wie ein Kauderwelsch. Der Song war auf keinen Fall für das Album gedacht. Aber mehrere Leute haben gesagt, er gehört unbedingt drauf.

Das gab es ja immer wieder in der Popgeschichte, dass die Künstler selbst einen Song für eine B-Seite hielten - und er wurde ihr größter Hit.

Ich glaube jetzt nicht, dass das ein Riesenhit wird. Ich skippe die Nummer immer, wenn ich mir das Album anhöre. Aber ich hatte auch noch nie ein Gespür dafür, welche Songs gut ankommen werden.

Du bist Songwriterin, hast dein eigenes Label und machst dazu noch viel Theater- und Filmmusik. Was ist eigentlich einträglicher: Clara Luzia oder Auftragsarbeiten?

Ich habe mir das nie wirklich durchgerechnet. Es ist eine Mischkalkulation. Ich bin total froh, dass ich so viele Felder beackern kann. Nur mit Tourneen und Platten und Radio würde es finanziell wahrscheinlich knapp werden. Die verschiedenen Bereiche ergänzen und befruchten sich auch. Ich möchte nichts davon aufgeben. Ich habe auch nie das Gefühl, ich habe irgendwas umsonst gemacht. Das ist doch super. Bei welchem Job hast du das?


Live-Termine


Clara Luzia & The Quiet Version - "Horelia"

05. März 2026 | Linz, Posthof
06. März 2026 | Salzburg, ARGEkultur
13. März 2026 | Hard, Kammgarn Kulturwerkstatt
21. März 2026 | Unterretzbach, RE.KU.RA.
23. März 2026 | Wien, Stadtsaal
24. März 2026 | Wien, Stadtsaal


Infos auf dem Stand vom 19.11.2025  

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