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Color The Night zelebriert "Queer Rage"

14.03.2025 von Stefan Baumgartner

Mit dem Einstand “Queer Rage” setzt die österreichische Indie-Pop-Band Color The Night nicht nur ein klares und mutiges Zeichen für die LGBTQIA+ Community, sondern erschafft mit einer gelungenen Mischung aus Indie-Pop und Alternative auch eine musikalische Atmosphäre, die emotional berührt. Jeder Song auf “Queer Rage” erzählt eine Geschichte von Identität, Akzeptanz und Liebe, die Texte behandeln die Herausforderungen und Erlebnisse der LGBTQIA+ Community - sowohl auf persönlicher Ebene, als auch mit einer universellen Perspektive. So geben Color The Night in ihrer Musik den Stimmen derer Raum, die oft nicht gehört werden.

Zu Beginn eine lockere Einstiegsfrage: „Color The Night“ – welche Farbe(n)?

Michael sagt: „Flaschengrün.“
Jonathan sagt: „Blau.“
Marco sagt: „Mokka-Mouse ist die Trendfarbe des Jahres.“
Raphi: „Ja bunt? Queer! Je bunter, desto besser.“
Lukas: „Ich mag sie alle.“

Armin Wolf und Peter Filzmaier haben in ihrem gemeinsamen Buch „Der Professor und der Wolf“ bei jedem Kapitel eine Klammerstellung. Ihre Einstiegsfrage dreht sich stets um „das größte Missverständnis“ zu einem Thema. Welches größte Missverständnis seht ihr von der Allgemeinheit gegenüber der LGBTIG+-Community?

Das größte Missverständnis ist, dass einige Menschen die queere Community als “Gefahr” wahrnehmen. Leider fehlt es an Aufklärung, was wiederum von rechten Parteien und Gruppierungen als Mittel zur Hetze und „Angstmache“ ausgenutzt wird.

Welche persönlichen Erlebnisse haben euch zu „Queer Rage“ inspiriert, gab es da einen Schlüsselmoment, an dem man dachte: Es ist Zeit für ein musikalisches Statement?

Wir hatten einen Gig auf einem Großlager der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs, bei dem Raphi unseren neu gefunden Sound als „Queer Rage“ definierte, da die Texte sich viel mit seinen negativen Erfahrungen beschäftigen und wir nach dem Konzert von vielen jungen Menschen angesprochen wurden, dass sie durch die Songs Mut zur Selbstakzeptanz bekommen haben.

Lambrini Girls wollen mit ihrer zuletzt erschienenen Single „No Homo“ das „Drehbuch für queere Erzählungen umdrehen“, auch ihr sprecht auf „Queer Rage“ Gleichberechtigung und Widerstand an. Inwieweit wirken solch honorablen Ansätze auch über die eigene, ohnehin wohlgesinnte Bubble hinaus?

Es ist leider schon so, dass durch die starke Message unsere Hörerschaft nicht mehr so breit gefächert ist wie zuvor, weil viele Menschen die Ohren und Augen vor diesem Thema verschließen.

Wie schlecht steht Österreich im internationalen Vergleich da? Wie erlebt ihr die Situation für queere Menschen in Österreich verglichen zu anderen Ländern?

In größeren Städten wirkt Homophobie kleiner, da die queere Bubble größer ist. Man hat jedoch nicht das Gefühl, dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Blickt man ins Ausland, bekommt man jedoch das Gefühl, dass wir es in Österreich noch gut haben.

Seht ihr aktuell einen Fortschritt oder Rückschritt?

Leider sehen wir momentan einen Rückschritt. Die Nutzung der queeren Community als Feindbild der Gesellschaft findet gerade auf politischer Ebene immer mehr statt. Man braucht ja nur einen Blick auf die USA werfen, oder in das Parteiprogramm der FPÖ.

Oft ist es problematisch, von einer „Community“ zu sprechen, weil selbst eine Community sehr divers sein kann. Wie erlebt ihr die queere Community, insbesondere in der heimischen Musikszene? Wie geeint oder wie zersplittert ist jene?

Die queere Community hält sehr stark zusammen und gegenseitige Unterstützung wird großgeschrieben.

Welche Institutionen, Sprachrohre oder Projekte insbesondere in der heimischen Kulturszene sehr ihr als elementaren Bestandteil eures gesellschaftlichen Bestrebens an?

Es gibt immer mehr kleine bis mittelgroße Veranstaltungen, die sich mit dem Thema beschäftigen - zum Beispiel der Wurst vom Hund Ball, der Tuntenball und die Pride Parade. Leider finden diese Veranstaltungen meisten innerhalb der Bubble statt.

Welche Erwartungen habt ihr speziell an Labels, Promotor*innen, Booker*innen und Veranstalter*innen in dieser Hinsicht? Inwieweit fühlt ihr, dass eine Orientierung ähnlich wie Geschlecht oder Herkunft als einordnender Faktor in der Kulturszene Relevanz hat?

Diversität sollte mehr Unterstützung bekommen, es sollte aber auch mehr auf die Inhalte der künstlerischen Darbietung geachtet werden. Wir als Band, bestehend aus fünf cis-Männern und einer queeren Person, haben oft Probleme, Gigs zu bekommen, da wir keine weiblich gelesene Person in der Band haben. Wir unterstützen die Idee, mehr Frauen auf Österreichs Bühnen zu bekommen, von ganzem Herzen. Jedoch hat es keine schlechte Vorbildwirkung, wenn sich auch cis-Männer für die LGBTQIA+ Community einsetzen.

Ist das Album für euch eher als Wutkanal oder als Aufruf zur Veränderung zu sehen – oder beides?

Beides. Die Songs sollen natürlich zu Veränderung aufrufen, sollen aber genauso als Outlet von Frustration und Wut gelten.

Trotz der inhaltlichen Schwere wirkt das Album klanglich positiv: Wie verwehrt man sich den Umständen zum Trotz einer depressiven Missstimmung?

Das Album hätte genauso gut “Queer Joy”, “Queer Dance”, “Queer Tears” oder so heißen können. Wir haben uns aufgrund der Stärke des Titels „Queer Rage“ aber dafür entschieden.

Wie wichtig ist die Ästhetik über das Musikalische hinaus? Was leistet sie? Welche Rolle spielt Kunst und Kultur generell im queeren Aktivismus?

Die Queerness ist nicht nur in den Texten, sondern auch in den Videos zu finden. Diese Art von Repräsentation durch Kunst und Kultur ist im queeren Aktivismus extrem wichtig.

Eine kleine Zeitreise durch die queere Musikgeschichte – von Queen über Lady Gaga bis hin zu Chappell Roan: Welchen Einfluss hatten Künstler*innen wie jene speziell auf euer Denken und euren kreativen Ausdruck?

Es ist gut und wichtig, dass es so große Artists gibt, die die queere Community auf der großen Bühne repräsentieren. Wir haben jedoch eher versucht, unseren eigenen Weg zu finden. Aber natürlich ist man immer etwas beeinflusst.

Welche Reaktionen auf eure Musik habt ihr bisher erlebt – aus der queeren Community, aber auch darüber hinaus? Wie geht ihr insbesondere mit ablehnender Haltung um?

In der queeren Community kommen die Texte und die Ästhetik sehr gut an. Wenn Leute unsere Musik ablehnen, weil sie das Statement nicht mögen, dann können wir auch nichts daran ändern. Uns ist es wichtig, eine Hörer*innenschaft zu bekommen, die auch mitfühlen kann.

Inwiefern beeinflusst eure soziopolitische Haltung auch die musikalische Ästhetik der Stücke?

Grundsätzlich holen wir unsere Inspirationen aus ganz verschiedenen Richtungen. Das spricht womöglich für eine gewisse Offenheit, die wir auch soziologisch haben und vertreten.

Zurück zur eingangs angesprochenen Klammerstellung: Die Abschlussfrage von Armin Wolf und Peter Filzmaier sind stets die Zukunftsaussichten. Wie soll Österreich, Europa, die Welt in 10 Jahren aussehen? Was sind konkrete Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse, die unabdingbar sind?

Akzeptanz, Gemeinschaft und Feiern der Diversität sollten unsere Ziele als Menschheit sein.

Angenommen, die Welt wäre einmal so, wie sie sein sollte: Was würde sich da dann für das musikalische Auftreten von Color the Night entsprechend verändern?

Angenommen, es gäbe in Zukunft keine Diskrimierung mehr: Wir würden als Band weiterhin für „unapologetic Queerness“ einstehen. Womöglich gäbe es aber weniger inhaltliche Schwere.


Live-Termine


Color The Night

15. März 2025 | St. Pölten, frei:raum (mit AF90 und Flieda)


Infos auf dem Stand vom 14.03.2025  

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