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Konzerte

Der Juni ist der Monat der großartigen Frauen

14.01.2025 von Stefan Baumgartner

Neben dem Mai, der nach der römischen Göttin Maia benannt wurde, ist nur ein weiterer Monat weiblich: Der Juni ehrt Juno, die Göttin der Geburt, der Ehe und Fürsorge. Demnach steht der Juni für weibliche Prominenz, Stärke und Macht. Was könnte also passender sein, als diesen Monat zu nutzen, um die Männer zur Abwechslung einmal unter den Teppich zu kehren und Veranstaltungen von ausschließlich Künstlerinnen in den Mittelpunkt zu rücken? Gerade in Zeiten, in denen der Gendergap und Fragen zur Gleichberechtigung im Kultursektor nach wie vor relevant sind, bietet der Juni die ideale Gelegenheit, feministische Werte zu feiern und die Sichtbarkeit von Frauen auf der Bühne zu fördern.

Jedes Event, das weibliche Kreativität und Empowerment ins Rampenlicht stellt, setzt ein wichtiges Zeichen: Und gerade wir als Fans können mit unserer Unterstützung, mit unserem Besuch nicht nur großartige Künstlerinnen würdigen, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass Veranstalter und Kulturinstitutionen eine gerechtere und vielfältigere Kulturlandschaft schaffen. Einige Ideen, wie wir gemeinsam den Juni zelebrieren können, haben wir an dieser Stelle zusammengetragen:

Pom Pom Squad - 3. Juni, B72

Den Monat beginnen wir bereits am 3. Juni im B72 mit Pom Pom Squad, das musikalische Projekt der queeren, multikulturellen Künstlerin Mia Berrin. Geboren in New York und geprägt von einem unsteten Leben, das sie als Kind von Ort zu Ort führte, entstand das Projekt aus einem Gefühl der Heimatlosigkeit. Als junge puerto-ricanische Frau, die in überwiegend weißen Umfeldern aufwuchs, fand sie in ihrer Leidenschaft für Musik und Film einen Zufluchtsort. Erst letztes Jahr erschien ihr zweites Album "Mirror Starts Moving Without Me" und es ist wie auch schon ihr Debüt "Death of a Cheerleader" (2021) ein Album, das die Suche nach dem eigenen, wahren Selbst in den Fokus rückt. Dabei schlüpft Mia Berrin auch in die Rolle von "Alice im Wunderland", steigt durch einen großen Spiegel und verschwindet ins Ungewisse. Musikalisch tänzelt sie zwischen Power-Pop und Balladen, knalligen Synth-Klängen aber auch einer düsteren Shabby-Ästhetik.

Billie Eilish - 6. Juni, Wiener Stadthalle

Nach einer kurzen Verschnaufpause springen wir am 6. Juni in die Wiener Stadthalle zu Billie Eilish - sie vorzustellen hieße wohl, Eulen nach Athen zu tragen (und bei Pallas Athene wären wir auch bei einer weiteren starken Frau). Aber rufen wir uns trotzdem noch einmal eines ihrer aktuellsten Lieder ins Gedächtnis: "What Was I Made For?" hat sie für die Fantasy-Komödie "Barbie" von Greta Gerwig geschrieben und wurde dafür bei den Grammy Awards 2024 in der Kategorie "Song des Jahres", bei den Oscars 2024 als "Bester Song" ausgezeichnet. Während der Film erzählt, wie die von Margot Robbie gespielte Barbie in eine Sinnkrise stürzt, erzählt auch Billie in ihrem Song, dass sie vergessen hat, wie man sich eigentlich glücklich fühlt - und überhaupt nicht mehr sicher ist, wie das "Fühlen" überhaupt geht. Und dies ist - egal ob männlich oder weiblich oder irgendwo dazwischen - wohl ein Moment, über den jeder von uns einmal im Leben stolpert ...

Tate McRae - 8. Juni, Wiener Stadthalle

Erneut gönnen wir uns nur eine kurze Verschnaufpause, bevor wir bereits am 8. Juni Tate McRae ebenfalls in der Wiener Stadthalle besuchen - eine junge, kanadische Sängerin, durch deren Karriere sich "Fuck You"-Hymnen gegen toxische Männer als roter Faden ziehen. Am deutlichsten wird dies auf ihrem zweiten Album "Think Later" (2023), das eine Abrechnung mit ihrem Ex Cole Sillinger war, einem NHL-Spieler der Columbs Blue Jackets, der sie betrogen hatte. Insbesondere die Single "Greedy" steht für die Balance zwischen Selbstliebe und Unabhängigkeit und dafür, sich der eigenen Anziehungskraft bewusst zu sein. Aber auch "Hurt My Feelings" oder "It's ok I'm ok" (die erste Single von ihrem kommenden Album "So Close to What") passen in diese Liga, sich selbst als wertige, unabhängige und tolle Person wertzuschätzen. Kein Wunder, dass man Tate McRae bereits in einem Atemzug mit Taylor Swift, Dua Lipa, Kehlani oder auch Ariana Grande nennen muss!

Emiliana Torrini - 11. Juni, Arena

Am 11. Juni gönnen wir uns mit der isländischen Sängerin Emiliana Torrini eine willkommene Abkühlung in der Arena. Wobei: Nachdem Emiliana Torrini ihr aktuelles Album "Miss Flower" (und nicht nur ihre Über-Single "Jungle Drum") im Gepäck hat, wird uns wohl eher warm ums Herz werden, basiert das Album doch auf Liebesbriefen der verstorbenen Mutter einer engen Freundin von ihr; Mehrere Männer haben Geraldine Flower verehrt, sie erhielt neun Heiratsanträge - doch die emanzipierte Frau blieb unabhängig. In den Briefen (und demnach auch den Liedern) dreht sich alles um Begierde, Liebe und weibliche Selbstbestimmung im letzten Jahrhundert, untermalt von Gitarren- und Synthie-Pop, Spoken Words, an karibische Steeldrums erinnernde Beats und Piano-Klassik. Dabei klingt Emiliana Torrini mal sinnlich und bildreich, dann wieder kryptischer und geheimnisvoller - eigentlich ganz so, wie die Liebe auch tatsächlich ist ...

Nessa Barrett - 15. Juni, Theaterfabrik München oder 17. Juni, SaSaZu Praha

Wir gönnen uns keine Verschnaufpause, sondern setzen uns in den Zug und besuchen Nessa Barrett entweder am 15. Juni in der Theaterfabrik München oder am 17. Juni im SaSaZu in Prag. Aufgewachsen mit schweren psychischen Problemen, die ihre streng religiöse Familie nicht verstand, fühlte sich Nessa Barrett schon immer anders. Doch durch die Bewältigung traumatischer Verluste in einer Therapie, aber auch mit ihrer Musik - ihre Debüt-EP "Pretty Poison" erschien 2021 am Welttag der Suizidprävention - hat die aufstrebende Gen-Z-Superstarin endlich einen Ort gefunden, an dem sie sich zugehörig und glücklich fühlen kann. Und gerade ihr nach "Young Forever" (2022) zweites Album "Aftercare" (2024) ist erneut ein amtliches Statement geworden: „Ich möchte, dass dieses Album Frauen die Kraft gibt, sich selbstbewusst und wohl in ihrer Haut zu fühlen“, sagt sie dazu, während ihre dunklen Alt-Pop-Klänge einfach nur dazu einladen, jeden Frust rauszuschwitzen.

Cat Power sings Dylan - 24. Juni, Orpheum Graz

Ein Highlight des vergangenen Jahres erleben wir kurz vor Monatsende gleich noch einmal, und zwar, wenn Cat Power am 24. Juni im Grazer Orpheum Bob Dylan singt - genauer gesagt seine Wende vom akustischen Folk zur elektrischen Rockmusik erneut auf die Bühne holt - ein pophistorischer Moment, den wir bereits Ende Februar im Kinofilm "Like A Complete Unknown" mit Timothy Chalamet in der Hauptrolle wiedererleben dürfen. Cat Power ist zweifelsohne eine Powerfrau und Role Model in der Musikbranche, keine mindere Legende als Dylan selbst - und wenngleich er die fantastischen Songs geschrieben hat, bei Cat Power klingt jede Zeile im Körper nach, mit ihrer melancholischen Simme spürt sie dem minimalistischen, unverfälschten Wesen der Songs nach: Auch bei ihr klingt alles reizvoll brüchig, mattiert-tief, markant. Die Intensität und die Magie, die Cat Power 2024 ins Wiener Konzerthaus brachte, erwarten wir auch fürs Grazer Orpheum!

Uche Yara am Lido Sounds - 28. Juni, Urfahrmarkt

Unseren Monatsabschluss zelebrieren wir am 28. Juni mit Uche Yara im Rahmen des Lido Sounds am Linzer Urfahrmarkt - für uns definitiv nicht nur eine der allerbesten österreichischen Künstlerinnen, sondern vor allem auch eine der spannendsten, wandlungsfähigsten. Uche Yara ist eine Frau, die sich musikalisch nicht festmachen lässt, mühelos zwischen den Stilen springt und als Multiinstrumentalistin nicht nur auf catchy Sounds, sondern in erster Linie auf unvorhersehbare Brüche setzt. Dies hört man auf ihrer nach "Golden Days" zweiten EP "honey," (2024) noch viel mehr als je zuvor - ist ihr mit den neuen Songs ein Moment gelungen, der nicht nur eine sprichwörtliche "musikalische Umarmung" ist, sondern dabei auch spielerisch zwischen melancholisch, romantisch und introspektiv springt. So und nicht anders macht man Emotionen klanglich begreifbar, in all ihrer puren, unvollkommenen Dramatik. Kein Wunder, dass sie wie etwa auch schon Avec (2019) und OSKA (2023) vor ihr für die Music Moves Europe Awards 2025 nominiert wurde!

Tickets für die Auftritte viele dieser Musikerinnen - und noch viele mehr - gibt es auf oeticket.com.

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