Bild: Searchlight Pictures / Disney
Im offiziellen Filmtrailer kommt ein ziemlich abgesandelter Jungspund aus Minnesota nach New York: Im Gepäck nebst ein paar wenigen Dollar nur ein Gitarrenkoffer, nicht viel mehr. So beginnt das Biopic "A Complete Unknown" von Regisseur James Mangold, der 2005 bereits Leben und Werk des jüngeren Johnny Cash verfilmte - und sich nun an Bob Dylan bemüht.
Timothée Chalamet - den man zuletzt in beiden "Dune"-Teilen, sowie in "Wonka" im Kino bewundern durfte und der auch kurzzeitig mit Lily-Rose Depp liiert war - spielt das jüngere Ich von Bob Dylan, und singt dabei auch selbst! Gemeinsam mit Chalamet erleben wir die frühen Tage der heutigen Legende Dylan, wie er innerhalb von nur drei Jahren zur weltweiten Sensation wurde. Und ja, selbst Bob Dylan zeigt sich bereits mehr als gehyped, seine Wurzeln nochmals wieder zu erleben, wenn er auf X schreibt:
There’s a movie about me opening soon called A Complete Unknown (what a title!). Timothee Chalamet is starring in the lead role. Timmy’s a brilliant actor so I’m sure he’s going to be completely believable as me. Or a younger me. Or some other me. The film’s taken from Elijah Wald’s Dylan Goes Electric – a book that came out in 2015. It’s a fantastic retelling of events from the early ‘60s that led up to the fiasco at Newport. After you’ve seen the movie read the book.
Von welchem Fiasko spricht Bob Dylan, fragt ihr euch? Nun, Dylan begann eben als Folk-Musiker in New York - spielte also akustisch. Doch beim Newport Folk Festival 1965 überraschte der damals 24-jährige Sänger und Songwriter das Publikum mit einer elektrischen Band und leitete damit die Ära des Folk-Rock ein:
Es begab sich, dass Dylan am 25. Juli 1965 mit Mitgliedern von The Paul Butterfield Blues Band, darunter Gitarrist Mike Bloomfield und Organist Al Kooper, die Bühne betrat. Mit Songs wie "Maggie's Farm" und "Like a Rolling Stone" durchbrach er die Konventionen der akustisch dominierten Folk-Szene. Doch statt Begeisterung erntete er gemischte Reaktionen: Während einige Fans seinen Mut feierten, fühlten sich Traditionalisten verraten. Die Buhrufe und die Kontroversen um Pete Seegers angeblichen Wunsch, das Stromkabel zu kappen, sind bis heute legendär - inklusive empörter "Judas!"-Ruf aus dem Publikum.
Doch Bob Dylan veränderte mit diesem Konzert nicht nur seinen eigenen künstlerischen Weg, sondern auch den Lauf der populären Musik. Der Übergang von akustischem Folk zu elektrisch verstärktem Folk-Rock inspirierte eine neue Generation von Künstlern und ebnete den Weg für Alben wie "Highway 61 Revisited". Trotz (oder gerade wegen) der Kontroversen wurde Dylan zum Symbol für Wandel und künstlerische Freiheit. Sein Mut, musikalische Konventionen zu brechen, macht den Auftritt zu einem der wichtigsten Wendepunkte der 1960er-Jahre, sein Auftritt in Newport war mehr als nur ein Konzert – er war ein kulturelles Statement!
Über die schauspielerischen Leistungen von Timothée Chalamet lässt sich kaum Negatives vermelden - aber wird er, gerade von hartgesottenen Bob-Dylan-Fans, auch "Judas!"-Buhrufe einstecken müssen, wenn er die unikale näselnde Stimme nachahmt? Um uns ein Urteil zu bilden, müssen wir nicht bis zum Kinostart Ende Februar warten, denn man kann bereits "Girl From The North Country" und "Like A Rolling Stone" auf Spotify hören. Und ja, die Ähnlichkeit ist frappierend!
Den 1963er-Dylan-Klassiker „Girl From The North Country” singen Chalamet und seine Filmpartnerin Monica Barbaro (als Joan Baez, bereits zu sehen in "Fubar" mit Arnold Schwarzenegger) in einer Duett-Version. Fünf Jahre übte Chalamet angeblich dafür allein auf der Mundharmonika – vielleicht mehr als Dylan selbst. Aber auch die Stimme sitzt erstaunlich gut, ohne Dylan gar ins Lächerliche zu ziehen.
Die Version von „Like A Rolling Stone” ist eine reine Solo-Nummer von Timothée Chalamet. Auch hier sitzt die Phrasierung sehr gut, obwohl es tatsächlich äußerst schwer ist so zu singen wie Bob Dylan. Denn: "Einfach nur schlecht singen", wie ein paar kritische Stimmen über Dylan unken, reicht nicht aus.
Zumindest auf den Soundtrack müssen wir nicht bis Februar warten - der soll bereits im Jänner verfügbar sein und ist bereits vorbestellbar.