Bild: Andrew Stuart
Kurz nachdem Slayer am 30. November 2019 in Los Angeles ihr allerletztes Konzert spielten, ging die Welt den Bach hinunter: Zuerst kam das Corona-Virus, dann der Krieg in der Ukraine, dann der in Palästina. Ob jetzt tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Lauf der Welt und dem Niedergang der Thrash-Giganten besteht, darüber lässt sich freilich trefflich streiten - aber zumindest gab es seit ehedem auch einen kleinen Strohhalm, an dem man sich klammern konnte: Slayer-Gitarrist Kerry King war nämlich mit dem verfrühten Aus seiner Band, das hauptsächlich Bassist/Sänger Tom Araya zuzuschreiben war, nicht sonders einverstanden und hat bereits relativ bald damit aufhorchen gemacht, dass zumindest er weitermachen wolle. Doch wann und in welcher Band-Konstellation es endlich wieder "ordentlich auf die 12" geben würde, das war bis zum heutigen Tag ein wohl gehütetes Geheimnis - bis heute, hat Kerry King immerhin dem amerilkanischen Rolling Stone endlich nicht nur die ersten Details verraten, sondern stellt mit "Idle Hands" auch seine erste neue Single vor, die fast am letzten Slayer-Album "Repentless" gelandet wäre.
Somit hier einmal die Hard Facts:
Kerry King wird sein erstes Soloalbum "From Hell I Rise" am 17. Mai via Reigning Phoenix Music veröffentlichen, darauf zu hören sind 13 neue Stücke, davon sind das Titelstück "From Hell I Rise" und "Rage" aus der "Repentless"-Session. Neben ihm an der Gitarre hören wir Mark Osegueda (Death Angel) am Gesang, ex-Slayer-Schlagzeuger Paul Bostaph, Kyle Sanders (Ex-Hellyeah) am Bass und Phil Demmel (ex-Machine Head, Vio-lence) an der zweiten Gitarre. Die erste Single "Idle Hands" zeigt: Kerry klingt weiterhin - obwohl er der markanten Stimme von Tom Araya verlustig ging - stark nach Slayer, und stellenweise sogar ans knackige Frühwerk. Neben den bereits drei benannten Songs werden wir auch u. a. "Residue" (the heavy one), "Tension" (the spooky one), "Two Fists" (the punky one). "Everything I heate about you" (the thrash-punky one) und "Crucifixation" (the 80s-thrashy one) und mehr hören - Blabbermouth verrät als weitere Titel "Diablo", "Where I Reign", "Trophies of the Tyrant", "Toxic" und "Shrapnel".
Dass Slayer nach dem Tod von Jeff Hanneman 2013 anders als zuvor klangen, das muss man Fans nicht erklären - gerade seine Handschrift hat Frühwerke wie "Reign in Blood", "South of Heaven" oder "Seasons in the Abyss" zu den Klassikern werden lassen, die sie heute sind. Doch Slayer haben - im Gegensatz zu den anderen "Big 4" des Thrash Metals: Metallica, Megadeth und Anthrax - zu keinem Zeitpunkt ein schwaches oder gar zahmes Album veröffentlicht, egal ob Dave Lombardo hinterm Schlagzeug saß oder eben Paul Bostaph: Slayer blieben Slayer und haben, vorerst mit Pat O'Brien (ex-Cannibal Corpse, Exhorder), dann mit Gary Holt (Exodus) an der zweiten Gitarre, bis zu ihrem Aus 2019 - das letzte Album erschien mit "Repentless" bereits 2015 - das Gaspedal ordentlich durchgedrückt.
Und "From Hell I Rise" ist nun die logische Fortsetzung von "Repentless", wenngleich nicht unter dem Slayer-Banner. Ein bewusster Schachzug, wie Kerry dem Rolling Stone erklärt - und das, obwohl ursprünglich geplant war, nicht nur Paul Bostaph, sondern eben auch Gary Holt ins Boot zu holen: "My original intent was to have Gary but the farther I got away from Slayer, the more I thought people would call this band 'Slayer Light' or 'Baby Slayer'. They're going to say that anyway, so I didn't heed to fuel that fire." Phil Demmel war für die zweite Gitarre die nächst logische Besetzung, ersetzte er 2018 immerhin Gary für vier Slayer-Shows und lernte in nur zwei Tagen das Set.
Lange wurde zudem auch vermutet, dass Phil Anselmo (Pantera) den Gesang übernehmen würde, und tatsächlich: Kerry bestätigt, dass sein Management es für die beste Wahl gehalten hätte. Doch wer den Gesang von Mark Osegueda hört weiß, dass er für Kerry King die richtige Wahl war. Aber wieso überhaupt ganz banal "Kerry King", wenn nicht "Slayer"? Eigentlich hätte die neue Band King's Reign heißen sollen, doch Kerry King wollte seinen Namen nicht Teil des Bandnamens haben. Also dachte man dann an Blood Rain, was Kerry wieder nicht gefiel - und alle "coolen Ideen", die ausgebrütet wurden, waren bereits vergeben. Also wurde es doch ganz banal: Kerry King. Und der Bandname sagt zumindest aus, was man bekommt: Die eine Slayer-Hälfte Kerry King.
Gute Zukunftsaussichten gibt Kerry King übrigens auch noch mit auf den Weg: Aus der "Repentless"-Session sind noch vier weitere Songs vorhanden, und sechs gänzlich neue Stücke hat er für "From Hell I Rise" noch nicht verwendet - einem zweiten Post-Slayer-Album steht also nichts im Weg, und vielleicht befindet sich auch die Welt somit bald am Wege der Besserung ...
Kerry King spielt am ersten Tag des Nova Rock Festivals, am 13. Juni - neben u. a. Green Day, Corey Taylor, Dogstar und Asinhell. Tickets dafür gibts bei oeticket.