Bild: Jim Louvau
Jeder, der auch nur ein ganz klein wenig Ahnung von Heavy Metal hat, kennt den Begriff "The Big Four". Die "großen Vier", das sind Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax. Sie gelten als diejenigen Bands, die in den Achtzigern The New Wave of British Heavy Metal in Thrash Metal verwandelten, sie gelten als die (bis heute) einflussreichsten Thrash-Metal-Bands - und natürlich auch als die kommerziell erfolgreichsten.
Mit schnellen, aggressiven Riffs und sozialkritischen Texten revolutionierten sie den Heavy Metal und prägten eine ganze Musikrichtung. Metallica erzielte unglaubliche kommerzielle Erfolge mit ihrem "schwarzen Album", während Slayer auf "Reign in Blood" schneller spielte als jede andere Band je zuvor. Megadeth beeindruckten durch technische Perfektion und politische Themen, während Anthrax mit ihrem Crossover-Stil und Humor frischen Wind in die Szene brachte. Gemeinsam schufen sie die Blaupause des Thrash Metals und definieren bis heute seine Essenz - kaum eine Band, die sich nicht auf eine oder gar alle vier Vorreiter beruft.
Slayer haben sich allerdings 2019 aufgelöst (und spielen aktuell nur hie und da einzelne Shows, vorerst nur in Amerika), Metallica klingen auf ihren neueren Alben leider nur mehr wie eine Kopie ihrer selbst, Megadeth machten zuletzt mit ihrem Split von Langzeit-Bassist David Ellefson Schlagzeilen - und Anthrax habe ich, ehrlich gesagt, nach ihrem Debüt "Fistful of Metal" (1984) nie wieder verstanden, einem spaßigen Cameo-Auftritt bei "Eine schrecklich nette Familie" zum Trotz.
Allerdings kommt 2025 eine Variation meiner persönlichen Big Four des Thrash Metals in unsere Breitengrade.
Pantera wurde in den Achtzigern gegründet und entwickelte sich nach anfänglichem Glam Metal zu einer prägenden Kraft im sogenannten „Groove Metal“ - ein Sub-Genre des Thrash Metals. Alben wie "Cowboys from Hell" (1990) und "Vulgar Display of Power" (1992) machten sie zu einer der einflussreichsten Metal-Bands der 1990er-Jahre, man denke allein zurück an ihr denkwürdiges Konzert vor 1,6 Millionen (!!) Zuschauern am Militärflugplatz Tuschino in Moskau - gemeinsam mit u. a. Metallica und AC/DC. Was Pantera von den anderen Thrash-Metal-Bands so unterscheidet? Niemand vermischt die Aggression des Thrash Metals so gekonnt mit dieser prolligen Southern-Metal-Ästhetik!
Leider lösten sich Pantera Anfang der Nullerjahre aufgrund interner Streitigkeiten auf, Gitarrist Dimebag Darrell gründete hierauf mit seinem Bruder Vinnie Paul, der bei Pantera Schlagzeug spielte, Damageplan - und wurde am 8. Dezember 2004 bei einem Konzert von einem Amokläufer erschossen. Vinnie starb 2018 im Schlaf an einem schweren Herzinfarkt.
2022 reformierten die beiden verbliebenen Mitglieder Phil Anselmo und Rex Brown Pantera, das Line-up wurde von Zakk Wylde (Gitarre, u. a. Ozzy Osbourne) und Charlie Benante (Schlagzeug, Anthrax) vervollständigt. Bereits 2023 hätten Pantera im Wiener Gasometer spielen sollen, allerdings wurde Sänger Anselmo ein alter Fehltritt (da sind wir wieder bei der prolligen Southern-Metal-Ästhetik) bei unseren Die Grünen zum Verhängnis und der Auftritt musste abgesagt werden, das Konzert wurde kurzerhand nach Budapest verlegt. Auch 2025 muss man knapp über die Landesgrenze fahren: Pantera spielen am 31. Jänner in der Arena Stozice in Laibach - und zwar mit den sensationellen Power Trip und Child Bite im Vorprogramm!
Demolition Hammer, eine Thrash-Metal-Band aus New York, wurde 1986 gegründet und gilt als eine der härtesten Vertreter des Genres. Ihr Debütalbum "Tortured Existence" (1990) kombinierte den aggressiven Sound des Thrash Metals mit Elementen des aufkommenden Death Metal und machte sie in der Szene bekannt - zumal der von Kopf bis Fuß tätowierte Schlagzeuger Vinnie Daze auch als Tattookünstler bereits einen entsprechenden Ruf hatte. 1992 folgte "Epidemic of Violence", das mit noch schnellerem und noch präziserem Sound aufwartete - beide Alben gelten heute als Klassiker und lassen über das dritte Album "Time Bomb", das leider ein sich modernen Störmungen anbiedernder Rohrkrepierer war, hinwegsehen.
Nach der Auflösung 1995 und einer langen Pause kehrten Demolition Hammer 2016 zurück und tourten wieder erfolgreich - obwohl die Band allesamt keine Jungspunde mehr sind gibt es im Genre kaum eine Band, die ihnen energetisch das Wasser reichen kann. To be fair: Nicht unbeteiligt ist da das Publikum, das ob des Kultfaktors bei Konzerten von Demolition Hammer regelmäßig auszuckt als gebe es kein Morgen - zuletzt so erlebt am tschechischen Brutal Assault Festival, wo sich abertausende Wilde in einen gigantischen Moshpit begaben. Ich bin gespannt, ob sich ein solcher auch im beschaulichen Wiesen bilden wird, spielen Demolition Hammer immerhin (neben u. a. Midnight und Pro-Pain) am Metal Fields, das ebda. am 25. und 26. Juli über die Outdoor-Bühne geht.
Slayer, gegründet 1981 in Kalifornien, gehört wie bereits gesagt zu den "Big Four" des Thrash Metal und ist bekannt für extremen Geschwindigkeiten, düsteren Texte und ikonische Alben wie "Reign in Blood" (1986). Gitarrist Kerry King war nicht nur ein Gründungsmitglied (und half kurzzeitig auch bei Megadeth aus), sondern auch neben Jeff Hanneman eine der beiden größten kreativen Triebfedern der Band. Mit seinen aggressiven Riffs und chaotischen Soli prägte er den Sound der Band maßgeblich, Kings markanter Stil beeinflusste zahlreiche Metal-Gitarristen und setzte Maßstäbe für Härte und technisches Können im Thrash Metal - wobei man deutlich sagen muss: Im Direktvergleich mit Jeff Hanneman, der leider 2013 an Leberzirrhose verstarb, ist King definitiv die zweite Wahl. "Angel of Death", "South of Heaven", "War Ensemble" oder auch "Dead Skin Mask" und "Seasons in the Abyss" entstammen alle aus dessen Feder, King zeichnete vermehrt für die etwas prolligeren Nummern bei Slayer verantwortlich.
Kings Kompositionen sind direkter und riffgetriebener als die dunkel-melodischen, manchmal leicht punkigen Nummern von Hanneman, mit einer Betonung auf Geschwindigkeit und Aggression. Seine Songs neigen dazu, kürzer und brutaler zu sein, oft mit okkulten oder dystopischen Themen. Musikalisch stehen seine Werke für eine eher geradlinige und rhythmisch dominierte Herangehensweise, mit markanten und oft chaotischen Soli.
Dies wird auch auf seinem ersten Solo-Album "From Hell I Rise" (2024) deutlich, was nach dem (vorläufigen?) Aus von Slayer seine Wiederkehr auf die Bühne bedeutete - und zwar gemeinsam mit Slayer-Kollegen Paul Bostaph (Schlagzeug), Phil Demmel (u. a. ex-Machine Head; Gitarre), Kyle Sanders (u. a. ex-Hellyeah, bei der auch Vinnie Paul spielte; Bass) und Mark Osegueda (Death Angel; Gesang). Seinen Einstand in Österreich machte Kerry King bereits am letzten Nova Rock-Festival - in der Setlist auch die eine oder andere Nummer von Slayer. Man darf sich wohl sicher sein, dass sich bei seinem ersten vollen Club-Konzert in Österreich, das am 30. Juli in der SIMMCity über die Bühne geht, noch die eine oder andere Slayer-Nummer mehr in der Setlist verstecken wird ...
Okay, jetzt wird es ein bisschen obskur - nachdem ich aber der Meinung bin, dass "Endless Pain" von Kreator, "In The Sign of Evil" von Sodom und "Infernal Overkill" von Destruction drei der fünf besten Thrash-Alben überhaupt sind, ist das okay: Eternal Evil wurde erst 2019 in Stockholm gegründet und klingt mit den polternden Drums und den räudigen Vocals auch mehr als deutlich nach dem Frühwerken der zuvor benannten teutonischen Thrasher - kein Wunder, dass man in der erst kurzen Karriere nicht nur bereits vor Cavalera (ja, die beiden Sepultura-Brüder) sondern auch vor Morbid (die Vorgänger-Band von Dead, der Mayhem zu einem ... nun, morbiden Ruf verhalf) spielen durfte. Hie und da blitzen auch Elemente von frühen Slayer auf, insofern müssten das Debütalbum "The Warriors Awakening Brings The Unholy Slaughter" (2021), aber auch der Nachfolger "The Gates Beyond Mortality" (2023) allen old-school-Thrashern mehr als munden.
Somit ist es auch kein Wunder, dass Eternal Evil neben King Diamond und Tryptikon für das renommierte Beyond The Gates kommendes Jahr verpflichtet wurde - zuvor spielt man aber auch noch am 20. März im Linzer KAPU, zudem mit den nicht minder genialen Witchfukker im Vorprogramm!