Bild: Semmel Concerts Frank Embacher
Film ist ein audiovisuelles Medium, und als solches sind die akustischen Eindrücke ebenso wichtig wie die visuellen. Und zwar schon seit dem irreführenderweise als „Stummfilmära“ bezeichneten Zeitalter. Denn da musste man zwar auf gesprochenen Dialog und Toneffekte verzichten, dafür kam der – damals live gespielten – Begleitung durch Musik eine immense Bedeutung zu. Und das ist bis heute so geblieben.
Tatsächlich ist kein Film, keine Serie oder sogar Naturdokumentation ohne musikalische Begleitung vorstellbar. Wobei: es existieren auch rare Ausnahmen, bei denen ein Regisseur als Stilmittel bewusst auf jeglichen Einsatz von Musik verzichtete, beispielsweise Klassiker wie Hitchcocks „The Birds“, die bitterböse Medienkritik „Network“ oder, aus neuerer Zeit, das Coen-Brüder-Meisterwerk „No Country For Old Men“. Im Großen und Ganzen aber kommt der Filmmusik als essenziellem Bestandteil der Leinwandkunst große, untrennbare Bedeutung zu. Nicht zuletzt auch manifestiert dadurch, dass bei großen Filmpreisen wie den Oscars die beste Musik eine eigene Kategorie ist, ergänzend auch der beste Song.
Obacht jedoch! Im Normalfall ist die Filmmusik getrennt von Songs zu betrachten, denn der Soundtrack (eine Auswahl an Songs, die bestimmte Szenen, den Anfang oder den Abspann unterlegen) ist nicht das gleiche wie die eigentliche (instrumentale) Filmmusik, im englischen „Score“ genannt, die oftmals als eine Reihe variierter Themen die Dramaturgie des Films unterstützt. Während also die Filmmusik oft ein oder mehrere unverkennbare Themen über den ganzen Film – oder ein ganzes Franchise – stülpt, können einzelne Songs eine untrennbare Assoziation mit einer bestimmten Szene schaffen. Beispiel: jeder Zemeckis-Kenner wird beim Anspielen des Huey Lewis-Klassikers „The Power Of Love“ unweigerlich an einen DeLorean denken; beim Anhören des „Imperial March“ aus der Feder von John Williams für „Star Wars“ hat man sofort die bedrohliche Silhouette von Darth Vader vor dem geistigen Auge.
Apropos John Williams. Der mittlerweile 92jährige, immer noch aktive New Yorker gilt als absoluter Großmeister und lebende Legende der Filmmusik. Mit Schöpfungen wie eben der Musik zu „Star Wars“, aber auch „Jaws“, „Superman“, „Raiders Of The Lost Ark“, „E.T.“, „Jurassic Park“, „Schindler’s List“ oder „Harry Potter“ schuf Williams nicht nur Signaturen zu ein paar der besten Filme aller Zeiten, sondern manifestierte ebenso leicht wiedererkennbare wie meisterhaft orchestrierte Melodien für das kollektive Gedächtnis. Dafür hat er auch völlig verdient in rund 70 Jahren satte 26 Grammys, sieben BAFTAs, drei Emmys, vier Golden Globes und fünf Oscars abgeräumt. Für letztere war er sogar insgesamt 54 Mal (!) nominiert – als Person nur noch übertroffen von Walt Disney.
Die besondere Gabe Williams’ besteht darin, einfache Melodien, nicht unähnlich dem Pop-Appeal großer Beatles-Songs, zu kreieren, die auch musikalische Laien einfach nachpfeifen können. Als klassisch ausgebildeter Multiinstrumentalist, Musiker, Komponist und Dirigent versteht er es aber darüber hinaus, ebendiese Kernmelodien in höchst raffinierte und mitunter komplex arrangierte Meisterwerke für die große Leinwand jegliche Instrumentierung bis hin zum Philharmonieorchester umzusetzen. Dabei dienen diese Stücke trotz aller Brillanz immer nur dem Film und drängen sich nicht in den Vordergrund. Für diese Art der Selbstverwirklichung (hat er die nötig?) komponiert er nebenbei anerkannte klassische Konzerte, Fugen, Symphonien, Kammermusik und so weiter. Wie anerkannt diese sind, lässt sich daran ablesen, dass es ihm gestattet ist, die absolute Weltspitze zu seiner Musik zu dirigieren, darunter die Wiener, Berliner und New Yorker Philharmoniker.
Die Liste berühmter anderer Filmmusik-Legenden ist lang: Ennio Morricone, Maurice Jarre, Lalo Schifrin, Danny Elfman, Alan Silvestri, Jerry Goldsmith oder John Barry, um nur einige zu nennen, können vielleicht in puncto Output nicht mit Williams mithalten, haben aber ebenso gewichtige popkulturelle Beiträge zum Film vorzuweisen. Und auch entsprechende Auszeichnungen.
Aber vor allem ein in dieser Riege vergleichsweise junger Komponist hat der Filmmusik in Hollywood seit Ende der 80er Jahre seinen Stempel aufgedrückt. Ein gewisser Hans Zimmer aus Frankfurt am Main, der am Keyboard der New Wave-Band Buggles mit dem Hit „Video Killed The Radio Star“ von 1979 sogar im allerersten auf MTV ausgestrahlten Musikvideo zu sehen ist, verlagerte sich schnell auf Kompositionen für Filme. Mit der Musik, ja eigentlich dem Sound, zu Knüllern wie „Rain Man“, „Black Rain“ oder „Days Of Thunder“ machte er sich in Hollywood schnell einen Namen, der Durchbruch erfolgte dann Mitte der Neunziger an der Seite von Elton John mit „The Lion King“, wofür es auch erstmals einen Oscar gab. Es folgten die 2000er mit weiteren Movie Score-Schwergewichten à la „Gladiator“, „Pearl Harbour“, „Pirates Of The Caribbean“ und natürlich auch Christopher Nolans „Batman“-Trilogie. Nolan scheint ihn überhaupt zu mögen, so wie Steven Spielberg John Williams mag; für „Inception“, „Interstellar“ und „Dunkirk“ durfte Zimmer auch gleich ran.
Vor allem weniger Zimmers Können als Komponist von Melodien, sondern vielmehr sein Talent als Soundbastler mit einem Faible für kaum bekannte Instrumente, dem Einsatz von enormen Dynamikumfang und seine Collage-artigen Variationen sind bei zeitgenössischen Filmschaffenden gefragt. Eben auch bei Dennis Villeneuve, dem er zu „Blade Runner 2049“ und den beiden „Dune“-Neuverfilmungen (zweiter Oscar für letztere) soundtechnisch unter die Arme greifen durfte. Hans Zimmer wurde nach eigenen Angaben unter anderem stark von Ennio Morricone geprägt, sein Stil wiederum beeinflusst heute aufstrebende Filmmusik-Komponisten wie Ludwig Göransson („Venom“, „Tenet“, „Oppenheimer“). The circle of five, quasi. Pun intended. (Na wegen Lion King und dem Quintenzirkel eben ... egal.)
John Williams und Hans Zimmer also sind mittlerweile richtige Größen, die auch absoluten Film-Noobs die eine oder andere Assoziation entlocken. Ähnlich wie auch Ennio Morricone oder John Barry einen gewissen Popstar-Status über das Genre hinaus genossen. Nicht weniger Klassiker im Schaffen vorzuweisen hat der mittlerweile auch schon 78jährige Kanadier Howard Shore. Eine kleine Gedankenstütze: „The Fly“, „Silence Of The Lambs” und „The Aviator”. Falls der Groschen noch nicht fällt: ebenso sowohl die „Lord Of The Ring“- als auch die „The Hobbit“-Trilogien. Darüber hinaus hat er so gut wie alle Filme seines exzentrischen kanadischen Freundes David Cronenberg vertont, ebenso wie insgesamt sechs Werke von Martin Scorsese. Mit insgesamt drei Oscars und Golden Globes sowie vier Grammys ist er auch entsprechend geadelt. Shore mag zwar nicht so ein bekanntes Gesicht wie Williams oder Zimmer sein, in Tinseltown aber kennt man seine Qualitäten sehr gut, entsprechend gesucht ist er nach wie vor.
Und falls sich noch wer fragt, warum jetzt der zeitgenössische Film-Superstar Quentin Tarantino hier nicht vorkommt? Nun, weil er zwar die Musik zu seinen Filmen geschmackvoll kuratiert und diese auch ausgesprochen populär ist – tatsächlich sind diese Soundtracks aber auch nur glorifizierte Playlists, hier wurde kein einziger Ton neu komponiert. Ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem Horror/Science Fiction-Urgestein und Hans Zimmer-Vorbild John Carpenter, der seine filmischen Meilensteine meist mit selbst komponierter Musik unterlegte. So wie Universal-Talent und Superstar Viggo Mortensen, der das als regelmäßiger Cronenberg-Kollaborateur bei seinen eigenen Projekten mittlerweile auch macht. Beeinflusst von, richtig, Howard Shore. Wie gesagt: Musik und Film sind untrennbar miteinander verbunden!
Lust auf Filmmusik auf großer Bühne, mit Orchester? Es gibt gleich mehrere Gelegenheiten!
„Der König der Löwen: Live in Concert” gastiert zwischen Jänner und März in zahlreichen österreichischen Städten. [Mehr Infos]
„The Sound of Hans Zimmer & John Williams” gastiert mit Musik von „Der König der Löwen” über „Harry Potter” bis hin zu „Star Wars” am 26. und 27. Februar im Wiener Konzerthaus. [Mehr Infos]
„The Music of Hans Zimmer & others” gastiert zwischen April und August in zahlreichen österreichischen Städten. Gespielt wird Musik von „Fluch der Karibik” bis hin zu „Gladiator”. [Mehr Infos]
„The Magical Music of Harry Potter” gastiert zwischen Jänner und Mai in zahlreichen österreichischen Städten. [Mehr Infos]
„Der Herr der Ringe & Der Hobbit: Das Konzert” gastiert im Mai und im August in Wien, Salzburg, Tulln und Graz. [Mehr Infos]
„Hans Zimmer Live: The Next Level” gastiert am 8. November in der Wiener Stadthalle D. [Mehr Infos]