Bild: Christoph Glanzl
45 Jahre Kabarett, Musik, Politsatire und Kleinkunst in der Wiener Kulisse: Die "Mutter des Kabaretts in Wien" (Alfred Dorfer) feiert Geburtstag! Seit ihrer Eröffnung am 8. Oktober 1980 haben auf der Bühne in Hernals große Namen Geschichte geschrieben: Von Lukas Resetarits, Erwin Steinhauer, Otto Grünmandl oder Gerhard Polt bis zu Erika Pluhar, Maria Bill und Jazz Gitti. Seit 2022 führt Kulturmanagerin Alexa Oetzlinger das älteste noch bestehende Kleinkunst- und Kabarettlokal Wiens und positioniert die Kulisse als Melange zwischen einem Ort für politischen Diskurs, Musik, Satire und dem urigen Vorstadtbeisl.
Der Spielplan im Jubiläumsjahr macht der Vielfalt der Location alle Ehre, unter anderem mit Alfred Dorfer, Andreas Vitasek, 5/8erl in Ehren, Thomas Maurer, Florian Scheuba, Dirk Stermann, Benedikt Mitmannsgruber, Ingrid Brodnig, Barbara Blaha, Michael Nikbakhsh, David Scheid, Maria Muhar, Gery Seidl, Roland Düringer, Gernot Kulis, Malarina, Die Strottern, Nadja Maleh, Gregor Seberg, Berni Wagner, Caroline Athanasiadis, Erika Pluhar, Antonia Stabinger und vielen mehr. Der 45. Geburtstag der Kulisse wird am 8. Oktober 2025 mit einem Branchenfest und prominenten Gästen gefeiert.
Am 8. Oktober 1980 eröffneten Fritz Aumayr, Beatrix und Andreas Elsner, Eva Trauner sowie Wolfgang Kalal das Kulturbeisl "Zur Kulisse" im 17. Wiener Gemeindebezirk. Die Idee dazu kam von Willi Resetarits: Zur Zeit der Arenabesetzung 1976 hatten die "Schmetterlinge" die "Proletenpassion" uraufgeführt und festgestellt, wie groß das Interesse an politischen Programmen war. Nur gab es dafür zur damaligen Zeit keine wirklichen Auftrittsmöglichkeiten. Also beauftragte Willi Resetarits seinen Bandkollegen Fritz Aumayr: "Fritz, du kannst das, stell ein Team zusammen. Wir machen uns den Spielort selber." So entstand wenig später aus einem aufgelassenen Vorstadtwirtshaus die erste Bühne Wiens, die sich dem neuen Kabarett verschrieb. Die Kulisse gehört als Bühnenwirtshaus mittlerweile zu einer fast ausgestorbenen Gattung.
Unzählige Karrieren nahmen hier ihren Anfang. Bereits die ersten Jahre waren geprägt von großen Namen wie Lukas Resetarits oder Sigi Zimmerschied, aber auch Shootingstars wie Schlabarett oder Andreas Vitásek. Manche damals noch unbekannte Neulinge taten sich schwer, so anfangs auch Josef Hader, der in der Kulisse legendäre Vorstellungen wie das Berliner Spaßguerilla-Trio "Drei Tornados" sah, selber jedoch keinen Auftrittstermin bekam. Auch die Premiere des Kultstücks "Muttertag" fand 1991 hier statt.
Ab 1995 führte Doris Ringseis das Haus, das sie über 25 Jahre lang prägte. Sie öffnete die Kulisse u.a. für Weltmusik, Jazz, Chanson. Doris Ringseis musste auch Krisen bewältigen, wie den Einsturz einer Mauer des angrenzenden Hauses, der das Dach und den Saal der Kulisse erheblich beschädigte und zu finanziellen Belastungen führte. Seit Jänner 2022 steht mit Alexa Oetzlinger eine neue Frau an der Spitze. In Wien ist die gebürtige Gmundnerin damit aktuell die einzige weibliche Allein-Betreiberin einer Kabarettbühne.
Der Fokus liegt in der Programmierung auch bewusst bei der Förderung von Frauen, Nachwuchskünstler:innen, Diversität und politischem Infotainment. So gibt es investigative Live-Ausgaben des Dunkelkammer-Podcasts, die Spitzenpolitiker wie Reinhold Mitterlehner und Christian Kern auf die Bühne brachten, Barbara Blaha lädt zum Polit-Entertainment "Feminismus für alle!" und im "Café Depresso" wird über Mental Health getalkt. Die Moderatorin Mari Lang dreht den Spieß um und stellt Promi-Männern typische Frauenfragen. Von Anfang an weit offen standen die Türen auch für den PCCC - Vienna's First Queer Comedy Club.