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Konzerte

Vier österreichische Künstler*innen, die gerade Europas Musikszene aufmischen

01.04.2025 von Stefan Baumgartner

Achtung, Großvati erzählt vom Krieg! Früher, da ging man noch in den Plattenladen und zog all die Platten mit einem interessanten Cover heraus, um sie nach einer oder zwei Stunden des konzentrierten Stöberns gegen sein mühsam zusammengespartes Taschengeld zu tauschen - manche Platten wurden auch von zumeist älteren Gleichgesinnten empfohlen. Heute ist die Welt der Musik jedoch so unüberschaubar wie nie zuvor, jede Woche erscheint eine Unmenge an neuen Songs auf den Streaming-Plattformen - die Plattenläden von damals sind auf eine gigantische Größe gewachsen. Laut aktuellen Berichten werden wöchentlich bis zu 700.000 neue Titel auf Spotify hochgeladen! Dass diese enorme Menge insbesondere die Hörer*innen vor eine Herausforderung stellt, ist klar.

Frische Impulse

Kuratierte Playlists bieten eine strukturierte Möglichkeit, sich in diesem Überangebot zurechtzufinden. Sie filtern relevante Neuerscheinungen, stellen Musik in sinnvolle Kontexte und ersparen einem das mühsame Durchforsten der endlosen Flut. Gerade für Hörer*innen, die nicht hauptberuflich und permanent auf der Suche nach neuer Musik sind, aber dennoch frische Impulse und nicht immer nur die Rolling Stones oder Taylor Swift hören wollen, sind Playlists eine bequeme und effiziente Lösung.

Über Playlists kann man Künstler*innen entdecken, die man sonst vielleicht nie angehört hätte – sei es durch algorithmische Empfehlungen oder durch eine redaktionelle Auswahl, also genau das, was früher der ältere Freundeskreis oder der Platten-Dealer übernommen haben. Dass Playlisten tatsächlich das Sprungbrett zumindest der Gegenwart, vielleicht aber auch der Zukunft sind, zeigt ein ganz simples Beispiel: “Ocean Eyes” der damals 13-jährigen Billie Eilish landete 2015 auf zahlreichen Mood- und Indie-Playlists und ging hierauf viral. Wo Billie Eilish heute, nur 10 Jahre später (!) steht, brauchen wir vermutlich nicht einmal der 90-jährigen Großmutti erklären …

Sand am Meer

Natürlich: Playlisten gibt es heute wie Sand am Meer. Beinahe wirkt es so, als hätte man heute die Qual der Wahl: Macht man einen Podcast, oder kuratiert man eine Playlist? Im Optimalfall macht man wohl beides. Vermutlich ist die nahe Zukunftsmusik sogar, dass man eine Auswahl-Hilfe für die Auswahl-Hilfe braucht, um sich im Dschungel der abertausend sinnvollen und unsinnigen Listen zurechtzufinden?!

Eine der qualitativ hochwertigen Listen hat soeben IMPALA, der europäische Verband unabhängiger Musikunternehmen, zusammengestellt: Er setzt sich tatsächlich für die Förderung von Künstler*innen außerhalb des Mainstreams ein und hat sich selbiges nicht nur plakativ auf die Fahne geschrieben. Als kompetenter Kurator vereint IMPALA ein breites Netzwerk aus unabhängigen Musikexpert*innen, die talentierte Musiker*innen aus ganz Europa entdecken und fördern - 100 der vielversprechendsten Künstler*innen aus 30 Ländern wurden jetzt vorgestellt. Da der Anspruch ist, die kreative Bandbreite vollends abzudecken und innovative Talente querbeet zu fördern, reicht die vorgestellte Musik von Jazz über Hip-Hop und Electro bis hin zu Rock und Pop.

zur YouTube-Playlist

Österreich in der Besten-Liste

In welcher Besten-Liste findet man Österreich heute eigentlich noch - zumindest in welcher Besten-Liste, die keinen fahlen Beigeschmack hinterlässt? Ich glaube, da müsste man lang suchen, aber unter den 100 von IMPALA vorgestellten Künstler*innen - darunter auch mit den nordirischen Durchstartern Kneecap - finden sich tatsächlich auch vier österreichische Namen, die ihr vielleicht noch nicht am Schirm hattet und so zu den ersten gehört, die hier, bei uns, “die besten Österreicher*innen” hört?!

BEN CLEAN

Wie so oft begann alles im heimischen Zimmer – Ben Clean schrieb und produzierte seine ersten Songs selbst. Doch die Begegnung mit Maxi Nagl veränderte alles: Seitdem arbeiten die beiden gemeinsam an einem Sound, der sich zwischen Rap-Gesang und Indie-Gitarre bewegt. Seine lässigen, mehrschichtigen Texte spiegeln die junge Wiener Seele wider und treffen einen Nerv. Kein Wunder also, dass er bereits zu Beginn seiner Karriere eine beachtliche Fanbase aufgebaut hat. Bei seiner Show in der Kulisse war sogar Maurice von Bilderbuch zu Gast – ein vielversprechendes Zeichen für die Zukunft.

Kässy

Kässy hat mit ihrer Debüt-EP “I'm Going Somewhere Better Later” direkt Staub bei FM4 aufgewirbelt. Besonders die Single “Milk” schlug ein und landete prompt an der Spitze der Charts. Ihr Sound ist ungewöhnlich: Statt linear zu schreiben, arbeitet sie mit musikalischen Collagen, die Erinnerungen an die Indie-Größen der 2000er und 2010er wecken – irgendwo zwischen MGMT und LCD Soundsystem. Mit ihrer eigenwilligen Herangehensweise und ihren introspektiven Texten hat sie sich als eine der spannendsten Newcomerinnen der heimischen Szene etabliert.

Lukas Oscar

Schon früh stand fest, dass Musik seine Sprache ist: Mit sechs Jahren lernte Lukas Oscar Klavier, mit 13 gewann er The Voice Kids Germany – doch erst mit seinen eigenen Songs fand er seinen ganz eigenen Stil. Sein Debütalbum “The Fun Never Ends!” zeigt seine besondere Mischung aus Soulpop, Melancholie und emotionaler Tiefe. Ob auf der Seebühne des Popfests oder als Support von Parcels und Khruangbin in der METAStadt – mit seiner warmen Stimme und seinem Gespür für atmosphärische Sounds zieht er das Publikum in seinen Bann.

YVONNE MORIEL

Die Tiroler Saxofonistin Yvonne Moriel gehört zur Speerspitze der neuen österreichischen Jazzgeneration. Mit ihrer aktuellen EP “Sweetlife” verbindet sie Jazz mit Dub, Electronics und Hip-Hop-Beats und zeigt damit, wie vielseitig das Genre klingen kann. 2024 wurde sie als „Beste Newcomerin“ beim erstmals wieder verliehenen Österreichischen Jazzpreis ausgezeichnet. Neben ihren Solo-Projekten spielt sie bei international erfolgreichen Acts wie Christian Muthspiels Orjazztra, Shake Stew und dem renommierten Swiss Jazz Orchestra – ein klarer Beweis für ihr außergewöhnliches Talent.


Live-Termine


Ben Clean

24. Mai 2025 | Wien, WUK


Infos auf dem Stand vom 01.04.2025  

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Live-Termine


Lukas Oscar

04. April 2025 | Wien, Praterstraße


Infos auf dem Stand vom 01.04.2025  

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