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Für Fans von den Idles, Fontaines D. C. und Fat Dog: Gurriers

21.05.2026 von Stefan Baumgartner

"Post Punk ist geil, die Gegenwart ist scheiße": Die Iren Gurriers bringen mit ihrem zweiten Album “Nobody's Coming To Save You” Frust und Energie nach Wien. Fans von den Idles, Fontaines D. C. und Fat Dog frohlocken.

Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber 2020 - zu Corona - fand ich ziemlich viel scheiße. Dieses Empfinden teile ich zumindest mit den fünf jungen Herren aus Dublin, die hinter Gurriers stehen: Sie lernten sich vor sechs Jahren (wohl beim Saufen) kennen und waren sich ebenso rasch einig, dass die Gegenwart eben ziemlich scheiße ist, und das nicht nur wegen der Krise. Aber ebenso einig war man sich darin, dass Post Punk - irgendwo zwischen den Idles und Fontaines D. C., zwischen Fat Dog und Shame - ziemlich geil ist. Und zudem ein guter Katalysator.

Dementsprechend desillusionär und düster ist dann, leider erst vier Jahre später, ihr Debütalbum “Come And See” geraten - eine Post-Punk-Walze, die wahrlich unbehaglicher nicht klingen kann.

Was die schiere Wucht und zerstörerische Kraft insbesondere früher Fontaines D. C. und ihrem “Dogrel” betrifft, ist “Come And See” vielleicht sogar ein Album, das dieses Niveau sogar übertrifft: Es eröffnet sogleich mit der totalen Zerstörung des Triumvirats “Nausea”, “Des Goblin” und “Dipping Out”. So brachial und angepisst diese Songs auch klingen mögen, sie zeugen zugleich von bemerkenswerter musikalischer Klasse - und erinnern stellenweise im Zusammenspiel der Instrumente gar an Joy Division.

Selten, aber doch nimmt man jedoch auch einmal das Tempo raus; Das großartige “Prayers” beweist da etwa, dass Gurriers mehr Facetten besitzt, als man nach den ersten Tönen noch vermutet hat: Spoken Word statt Gebrüll ist die Devise, doch das nebelhornartige Dröhnen der Gitarren und die grollenden Drums vom hierauf folgenden “Close Call” stellen die gewaltige Klangwand sofort wieder auf, während schließlich “No More Photos” das Gefühl verstärkt, einer unerbittlichen Naturgewalt gegenüberzustehen. Wenn anschließend das sanfte, zugleich leicht unheimliche “Interlude” einsetzt, gefolgt vom sphärischen “Top Of The Bill”, wirkt es fast so, als wolle man während einer Barschlägerei mal kurz eine Rauchpause einlegen.

Und dann dieses furiose Finale: “Sign Of The Times” ist der klassischste Punk-Brecher des Albums, “Approachable” ein monströser Moshpit-Kandidat, bei dem wohl ein paar Zähne verlustig gehen werden - während den Abschluss das Titelstück bildet, dass nun wieder in den Shoegaze hineingleitet. Gerade dieser macht dann deutlich, dass Gurriers vielleicht die besten Eigenschaften all jener Bands vereinen, die ich eingangs erwähnt habe: Sie sind selbst in den eingängigen Momenten niemals sauber und glatt, in ihrer Anfangsphase vermutlich die authentischsten aus der britischen Punk-Bubble - und beweisen ein unglaubliches Geschick dafür, den inszenierten Krach mit lieblichen Intermezzi aufzulockern, sodass man sich ihnen definitiv nicht entziehen kann.

Und dabei sind sie auch noch inhaltlich und gesellschaftlich relevant, komprimieren sie doch das aktuell grassierende Lebensgefühl einer Gesellschaft im apokalyptisch-kapitalistischen Sell-out, bringen auch das Klassenbewusstsein wieder zurück und geben sich nicht mit den vorherrschenden Verhältnissen zufrieden. Ein geiles Leben ist nun mal keine Frage des Mindsets: Krisen, Krankheiten und Leid zerficken die Wirklichkeit ebenso wie das digitale Dauerfeuer und die Normalisierung des Wahnsinns, und aus diesem Strudel kommt man nur heraus, wenn man sich damit konfrontiert und dem Abgrund den erigierten Mittelfinger zeigt.

Und dieser eine erigierte Mittelfinger wird nun um einen zweiten erweitert: Am 25. September erscheint - nach der Überbrückungs-Single “Erasure” vergangenes Jahr - mit “Nobody's Coming To Save You” ihr zweites Album, das Titelstück ist soeben erschienen. Mit ihrem zweiten Album im Gepäck beehren uns Gurriers dann nach ihrem Auftritt im Herbst 2024 im Wiener Chelsea glücklicherweise erneut, und zwar am 20. November im Wiener Flex. 

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