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Garish tänzeln lässig durch den Garten

13.03.2025 von Sebastian Fasthuber

Die Poesie-Popper Garish sind die wahrscheinlich langsamste Band Österreichs. Unglaubliche acht Jahre sind seit dem letzten Studioalbum „Komm schwarzer Kater“ vergangen. Nun erscheint das neue Opus „Am Ende wird alles ein Garten“ - und es tänzelt erfrischend lässig. Sänger und Texter Thomas Garish spricht über Deadlines und Familienleben, den Reiz der Improvisation und erklärt, wie das Weltgeschehen in die Musik seiner Band reinspielt.

Ihr habt Schampus dabei, heißt es in einem der neuen Songs. Welchen Grund zum Feiern gibt es?

Wenn ich zurückdenke, ist das Fertigmachen eines Album immer Anlass genug gewesen. Dieses Mal war es weniger ein interner Kampf, mehr ein gemeinsames Dagegenhalten. Die Umstände waren maßgeblich. Die Zeitfenster für gemeinsame Arbeit werden zusehends knapper. Und dann war da noch die Pandemie, die uns immer wieder aus einem laufenden Aufnahmeprozess rauskatapultiert hat. Aber wenn es wichtig ist, muss man es zu einem guten Ende bringen.

Was treibt dich und euch an weiterzumachen?

Weitermachen ist einfach. Dazu braucht es oft nicht mehr als eine räudige, flotte Skizze – mit dem Telefon aufgenommen, und man nimmt sie wichtig. Diese Aufnahmen sind dann auch am spannendsten, weil sie noch viel Raum lassen und diese Spontanität mitbringen, der man manchmal für die finale Aufnahme nachtrauert. Grundsätzlich hat sich bei uns nie die Frage nach dem Nicht-oder-schon-Weitermachen gestellt. Es muss halt immer einen guten Grund – eben neue spannende Musik – geben. Solange die am Tisch ist, geh’s weiter.

Du bist mehr als dein halbes Leben Sänger und Texter von Garish. Wie erklärst du dir die Langlebigkeit der Band?

Wir haben uns zu Beginn in einem sehr breiten musikalischen Spektrum bewegt, viel ausprobiert – und mit jedem neuen Album mehr Fokus auf die Substanz und Wesenszüge der Combo gewonnen. Weitermachen hat automatisch auch immer Veränderung bedeutet. Für Musik und Text und vor allem auch für die Bühne. Das ist niemals langweilig geworden. Damit ist man zum einen immer gut unterhalten, aber auch gefordert.

Ein Stück heißt „Ja, das können wir besser“. Euren besten Song habt ihr noch nicht geschrieben?

Nein, auf diesen einen zuspitzen würd ich’s nicht. Für manche Stücke mussten wir diesmal viele Extrarunden drehen, wenn es darum ging: Wie spielen wir das? Wie klingt es richtig? Was braucht es dazu? Aber viel wichtiger stimmt dieser Satz halt auch mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen. Die Konsequenzen in punkto Klima oder die absurden Entwicklungen in der Weltpolitik, all das bringt drastische Szenarien mit sich, die nur schwer – wenn überhaupt – rückgängig gemacht werden können. Ich hätte mir auch viel mehr aus der Zeit nach der Pandemie erwartet – eine Chance, für ein Gemeinschaftsgefühl, für einen Umgang mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedürfnissen. Leider bewegen wir uns aktuell in großen Schritten davon weg.

Wie textest du? Aus einem Notizbuch heraus? Es ist ja kein Geschichtenerzählen im klassischen Sinne, das du betreibst.

Geschichten nicht unbedingt, nein, vielmehr geht es mir um Sequenzen und Momente. Die entstehen nach und nach beim Schreiben, haben ihren Ursprung aber immer im alltäglichen Geschehen. Kleinigkeiten, an sich, die dann groß an die Wand kommen. Die „Neuerzählung“ ist dabei eine treibende Kraft. Wiederum die Frage nach dem „Wie?“, nach der Variation der immer gleichen, großen Themen, die uns umgeben. Das würd ich mir zum Beispiel auch von der Politik und aus der Medienlandschaft erwarten. Die strategische Wiederholung der immer gleichen Botschaften hat nicht von ungefähr so großen Einfluss darauf, wofür oder wogegen sich aktuell Menschen – auch leichtfertig – entscheiden, zum Beispiel an der Wahlurne. Das hat fatale Folgen, wenn am Ende nur Worthülsen übrigbleiben. Sprache ist so mächtig. Neuerdings schreibe ich auch gern am Smartphone oder am Computer – unromantisch, aber effizient, wenn sich Zeilen und Wörter mit ein paar Fingerbewegungen neu arrangieren lassen.

In einem Song ist vom Improvisieren die Rede. Wie stark ist das bei Garish ausgeprägt?

„Improvisiert wird nur bei Fehlern“, hieß es bei einem Interview in unseren ersten Jahren mal. Ich für meinen Teil liebe es mittlerweile über vorhandene Skizzen mit verschiedensten Instrumenten zu improvisieren. Daraus entstehen oftmals Melodien und Arrangements, die großen Einfluss darauf nehmen können, womit so ein Stück „ausgestattet“ wird. Das ist wie eine Wohnung einzurichten. Absolut lustvoll!

Wird es immer schwieriger, der eigenen Diskografie noch etwas hinzuzufügen? Oder woraus erklärt sich die diesmal auch für eure Verhältnisse lange Veröffentlichungspause von sage und schreibe acht Jahren?

Grundsätzlich nein. Ich habe das Gefühl, dass wir nach wie vor sehr schnell zu neuer Musik kommen können. Aber das kontinuierliche Arbeiten daran ist immer wieder der Knackpunkt. Wie haben viel ausprobiert in diesen Jahren: Studios, Kooperationen. Wir haben alle ein Familienleben, das jedem einzelnen sehr wichtig ist, weil auch in der Verschränkung damit so viel Schönes passiert. Naja und wie erwähnt, die Pandemie, der große Wunsch wieder anzuknüpfen, und am Ende dann doch – ein klares Limit!

Was hat euch generell diesmal inspiriert, angetrieben, umgetrieben?

Unterschiedlichstes. Neue Musik gab es schon bald nach dem letzten Album „Komm schwarzer Kater“, aber uns hat damals die Idee gefehlt, wie wir diese am besten als Band bündeln können. So richtig konkret sind wir dann im Sommer 2024 geworden, nachdem uns klar war, dass wir die Platte in Eigenregie aufnehmen werden. In der Zeit hat sich alles, was wir die Jahre davor zusammen getragen haben, verdichtet. Und ab dann hat irgendwann auch eine Art Zeitraffer eingesetzt.

Es ist auch ein Album im Zeichen des Groove. So nach dem Motto: Garish machen sich locker.

Ja, definitiv. Wir wollten weniger mit Druck und Lautstärke als vielmehr mit einer Leichtigkeit zu tun haben. Oftmals wurde während den Aufnahme-Sessions klar, dass diese neuen Stücke aus dem Handgelenk gespielt werden müssen, um richtig zu klingen.

Udo Jürgens sang einst: „Eine Hand ist keine Faust“. Bei dir ist sie in einem Song schon eine Faust. Ist das der aggressivste Garish-Moment ever?

Es ist ja die Faust, die ausgefahren wird. „Ich beiß in meine Faust“, steht als Antwort auf die Frage „Wie halt ich’s aus?“ Es geht darum, wohin mit der Wut, dem Unverständnis darüber, was da alles zur gleichen Zeit schlief läuft. Und dann heißt es gut haushalten mit der Informationsflut, mit dem Gefühl der Hilflosigkeit. Denn derart aufgeladen durch den Tag zu gehen, macht keine guten Zeitgenossen. Auch um nicht den Blick auf die schönen und wichtigen Dinge zu verlieren. Paul Plut hat diese vielen Realitäten so packend in seinem Stück „Zu gleichen Zeit“ getroffen. Unfassbar schön. Hörempfehlung.

Insgesamt ist die neue Platte aber weniger politisch als die letzte, oder?

Nicht derart plakativ, das stimmt. Es dreht sich mehr um die Frage: Wie geht es mir mit den anderen? Und darauf nimmt die Politik schlussendlich großen Einfluss.

Noch ein Zitat aus einem Text: „Die Welt ist schlecht und gut ist es daheim“. Muss man sich Thomas Jarmer als Stubenhocker vorstellen?

Nein, gar nicht. Ich bin gern an der Luft und unterwegs, will Menschen sehen, aber ich brauche proportional dazu auch genügend Distanz und Rückzug. Es hat auch Zeit gebraucht, um das auf die Bühne mit rauszunehmen. Über den Bühnenrand hinaus zu sehen und zu spielen, eine Verbindung zu suchen.

Es gibt in einem anderen Song eh auch die Gegenperspektive: „Wir müssen uns zusammentun.“ Also doch: Banden bilden und Bands gründen?

Ja, absolut. Als Einzelkämpfer wird man schnell zynisch, denke ich. Das Ziel ist, Teil von etwas Größerem zu sein. Das bedeutet auch Auseinandersetzung, Sich-in-Frage-stellen, Kompromisse, aber unterm Strich ist das eine gute Idee.

Was darf man sich für die Konzerte erwarten?

Die Chance, Teil von etwas Größerem zu sein. 


Live-Termine


Garish

20. März 2025 | Linz, Posthof
21. März 2025 | Graz, Dom im Berg
22. März 2025 | Dornbirn, Spielboden
05. April 2025 | Salzburg, ARGEkultur
10. April 2025 | Wien, WUK
04. Juni 2025 | St. Pölten, Cinema Paradiso


Infos auf dem Stand vom 13.03.2025  

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