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Joe Bonamassa & Hans Theessink: Got the Blues

02.01.2024 von Robert Fröwein

Der Blues-Rock-Superstar Joe Bonamassa ist einer der meist gefeierten Musiker der Gegenwart. Er hat mehr als 40 Alben veröffentlicht, darunter Studio- und Live-Aufnahmen sowie gemeinsame Alben mit seinen abenteuerlichen Nebenprojekten Black Country Communion und Rock Candy Funk Party. Mit nur Mitte 40 ist Bonamassa eine lebende Legende mit einem erstaunlichen Multigenre-Katalog geworden, und gerade auch auf seiner aktuellen Tour zeigt der Amerikaner mehr Facetten von sich als je zuvor – im Zentrum freilich immer: der Blues. Aber was ist das eigentlich, der „Blues”? Das und noch viel mehr erklärt uns eine weitere Legende, nämlich der in Wien beheimatete Blues-Musiker Hans Theessink.

Hans, was bedeutet Blues für dich?

Die Musik stammt ursprünglich aus Afrika. Es ist schwarze Musik, die in die Südstaaten wanderte und amerikanisiert wurde. Es ist Volksmusik, in der die Menschen ihr Dasein mit allen Höhen und besonders vielen Tiefen beschreibt. Die Schwarzen wurden schwer unterdrückt und so beschreibt der Blues traurige Anlässe, aber dadurch, dass sie ihr Leben besangen, half er ihnen aus einem Loch heraus.

Was hat dir der Blues am Anfang persönlich bedeutet?

Blues ist tolle Gitarrenmusik. Man spielt mit einfachen Akkorden sehr komplexe Musik. In den Texten und Aussagen steckt viel Emotion. Sie klingen einfach, haben aber eine riesige Tiefe. Ich habe ihn das erste Mal im Radio Luxemburg gehört und wusste da gar nicht, dass es Blues ist. Die Musik transportiert irrsinnig viele Emotionen und ist komplett handgemacht. Was man kriegt ist was man hört.

Heute ist Blues fröhlich, er vermischt sich mit anderen Musikstilen und wagt sich immer wieder über den Tellerrand. Darf das alles Blues sein?

Mississippi John Hurt hatte immer einen sehr fröhlichen Ansatz und der ist auch Teil schwarzer Volksmusik. In der österreichischen Volksmusik gibt es von traurigen Balladen bis zu fröhlichen Saufliedern auch alles Mögliche. Im Blues wird das gesamte Leben der Musik abgebildet.

Spielt Joe Bonamassa für dich richtigen Blues?

Ich habe Bonamassa einst in der Wiener Staatsoper gesehen, wo er ein akustisches Set spielte. Er war sehr ehrfürchtig, dass er in diesen heiligen Hallen spielen durfte, obwohl er normal in größeren Venues unterwegs ist. Mit Zwölf spielt er im Vorprogramm von B.B. King und der war sehr zufrieden. Er hat das Blues-Gen auf jeden Fall in sich. Irgendwann versuchte er dann Popstar zu werden, was ihm aber nicht gelang. Dann kehrte er zum Blues zurück und das macht er sehr gut.

Viele Blues-Puristen kritisieren Bonamassa, dass er eine Art Popstar ist und den Blues in kommerziell lichtere Höhen hob. Kann man ihm das zum Vorwurf machen?

Das ist doch kein Fehler. Wenn er mit seinem Status Leute zum Blues bringt, dann ist das für die Musik ein großer Vorteil. Ich bin nicht der größte Bonamassa-Fan, aber was er macht, ist ehrenwert und hat Hand und Fuß. Es ist nicht verwerflich, Erfolg zu haben.

Bonamassas Vater hatte ein Gitarrengeschäft, der kleine Joe wuchs umgeben von Musik auf und die Familie lebte auch nicht in Armut. Die Voraussetzungen für seinen Blues waren also ganz andere wie für den traditionellen.

Was ist schon authentisch? Blues hat ihm gefallen und er ging seinen Weg. Ich bin auch nicht in Mississippi geboren, aber die Musik hat mich ergriffen. So wie es Japaner gibt, die in Tokio Wiener Klassik hören und lieben. Das, was man spürt, darf und soll man auch verwenden. Ich habe auch andere Einflüsse, aber der Blues ist für mich der Boden, auf dem alles wächst. Auch wenn ich aus einer Gegend komme, wo Blues kaum existierte. Als Steirer bist du auch nicht dazu verpflichtet, Knöpferlharmonika zu spielen.

Bonamassa hat es in den letzten Jahren geschafft, auch jüngeren Menschen den Blues näherzubringen. Nimmt er damit nicht eine extrem wichtige Position im Genre ein?

Das ist sogar sehr wichtig und dabei ist ihm sein Star-Status sehr hilfreich. Er bietet diese Musik an, ist bekannt und vermischt sie mit Rock-Elementen. Das ist ein bisschen so wie in meiner Jugend, wo die Rolling Stones, John Mayall und andere den Blues über Europa brachten. Bonamassa macht das in seiner Art und Weise genauso. Es ist unheimlich wichtig, dass junge Menschen diese Musik hören, denn im Radio gibt es sie quasi nicht mehr.

Wie würden sich denn Joe Bonamassa und du auf einer Bühne ergänzen?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Bei seinem Hard-rockigen-Blues-Zugängen bin ich eher nicht so bewandert, aber er ist natürlich ein Supergitarrist. Wir könnten bestimmt ein schönes Duett spielen (lacht).

Wie weit darf der Blues für dich gehen? Oder anders gefragt: Was geht sich beim Blues nicht mehr aus?

Ich persönlich bin kein Fan davon, wenn es zu poppig oder zu jazzig wird, aber das bleibt jedem selbst überlassen. Manche gehen traditioneller ran, andere öffnen sich stärker. Es ist auf jeden Fall alles gestattet.

Gibt es einen Blues-Song, der alles beinhaltet, was den Blues ausmacht?

Ich würde sagen „I Feel Like Going Home“ von Muddy Waters. Ich selbst habe eine Nummer namens „Where The Southern Crosses The Dog“ geschrieben und der beinhaltet auch die Essenz des Blues. W.C. Handy hat den Blues erstmals auf einem Bahnhof in Mississippi gehört. Dort kreuzten sich „The Southern“ und „The Yellow Dog“, das sind Züge. Ich habe dann ein Lied über diese Blues-Anfänge geschrieben. Das war in den frühen 1900ern.

Hat der Blues für dich heute eine andere Bedeutung als vor 30 oder 40 Jahren?

Eigentlich nicht. Für mich ist der Blues noch immer voller Emotion. Ich liebe das Handgemachte. Man erschafft nichts mit technischen Hilfsmitteln und es gibt keine künstliche Intelligenz. Man spielt aus Bauch und Hirn, sehr unmittelbar. Das war bei mir vor 50 Jahren so und ist es heute noch – und ich verspüre noch immer eine Riesenfreude dabei.

Ist es nicht kulturelle Aneignung, wenn Weiße den Blues spielen?

Natürlich ist es ein bisschen eine kulturelle Aneignung, aber ich will ihn spielen und der Blues interessiert und berührt mich am meisten. Es ist besser, jemand macht etwas mit Gefühl und Begeisterung als man wird in etwas reingezwungen. In den Achtzigern waren wir oft in den USA und da passierte es, dass wir den akustischen Blues den Schwarzen wieder zurückgegeben haben. Selbst der Tubist Jon Sass, mit dem ich spielte, hatte mit dem Blues seines Großvaters damals gar nichts mehr zu tun. Jetzt wuchs die Szene wieder, was toll ist. Mir ist die kulturelle Aneignung egal. Jeder Mensch sollte in der Musik das machen, was ihn interessiert und was Spaß macht.

Vermittelt der Blues uns Werte, die wir mittlerweile verloren haben?

Der Blues vermittelt die Werte des Zusammenseins und des zusammen etwas Machens. Es steht kein Star auf der Bühne und spielt etwas runter, sondern man vereint sich. Das Publikum kann die Musiker sehr inspirieren. Am besten ist es natürlich, wenn alle Anwesenden am Ende des Abends doppelt so groß rausgehen, wie sie reingekommen sind. Der Blues vermittelt, dass handgemachte Musik noch immer eine hohe Wichtigkeit hat. Live ist keine Blues-Nummer gleich. Es gibt Schwankungen und der Interpret führt die Nummer so vor, wie er sie gerade spürt. Das kann jeden Tag ganz anders sein.

Hans Theessink: live

2024 gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Hans Theessink solo, mit Band oder mit Gästen in Österreich live zu erleben. Tickets gibt es bei oeticket.

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Joe Bonamassa: live

Joe Bonamassa gastiert am 19. April in der Wiener Stadthalle F. Tickets gibt es bei oeticket.

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