Foto: Teodor Lorenčič
Noch bis 22. Jänner ist in der Wiener Photon Gallery eine Ausstellung über die erste Europa-Tournee der berühmt-berüchtigten Band, die die Gegenwart einläutete, zu sehen: Laibach.
Das Fotomaterial der "Occupied Europe Tour 1983", ein dokumentarisches Zeugnis, das für das Verständnis der slowenischen Avantgarde-Musikgruppe Laibach unverzichtbar war, blieb jahrzehntelang verschollen. Als Mitarbeiter von Laibach Kunst war Teodor Lorenčič Teil dieser im strategischen Sinne schicksalhaften Tournee und hat sie mit seiner Kamera festgehalten. Ein Jahr vor dem 40. Jahrestag von Laibach fand er unerwartet die Filme, auf denen das Buch und nun die Ausstellung basieren.
Im April 1983 trat Laibach zusammen mit der englischen Band Last Few Days auf der Zagreber Biennale bei dem Konzert mit dem Titel "We Forge the Future" auf. Dieser Auftritt wurde von der Polizei unterbrochen. Das Ganze endete mit einem Verbot des Namens und der öffentlichen Auftritte von Laibach in Jugoslawien. Unter diesen Umständen beschloss Laibach, mit Last Few Days auf eine Tournee namens "Occupied Europe Tour" zu gehen. Diese Tournee stellt einen historischen Wendepunkt und einen Eckpfeiler für die vorangegangenen 40 „Jahre der Ewigkeit“, der Standhaftigkeit und der ewigen Bereitschaft im Geiste des Kollektivismus und der Anonymität der Mitglieder der Gruppe dar.
Am 20. Mai bringt die slowenische Kultband ihr neuestes Werk "love is still alive" auch nach Klagenfurt, in den Burghof. Die Verbindung von Industrial Musik, Visual Art und politischer Relevanz haben Laibach zu einem international gefeierten Gesamtkunstwerk gemacht. Allein der Bandname, der eingedeutschte Name der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, ist ein Affront. Ihr Konzept der politischen Provokation führt direkt ins dunkle Herz der europäischen Traumata. Mit ihrem doppelbödigen Spiel mit den Symbolen der Macht ist die Band, die auf internationalen Festivals ebenso spielt wie in Kulturtempeln wie der Modern Tate Gallery, längst Kult. „Laibach uses totalitarian symbols, taking them to absurd extremes as a way of mirroring society and showing where it might be headed“ schrieb die New York Times. Seit mehreren Jahrzehnten polarisiert Laibach, die als erste westliche Band in Nordkorea aufgetreten sind. „Laibach does not function as an answer, but as a question“, sagt Philosoph Slavoj Žižek über die Band. Das Klagenfurt Festival bringt die österreichische Erstaufführung des neuesten Programms.