Bild: Nika H. Praper und Ludvik
Eigentlich hatte das slowenische Staatsfernsehen die Ohren auf “Allgorhythm” von Laibach geworfen und wollte den Song für den Eurovision Song Contest ins Rennen schicken. Allerdings zog sich RTV Ende letzten Jahres aus dem Wettbewerb zurück - somit: Bahn frei für das neue Album “Musick”!
“Allgorhythm” kündigt nun also ein neues Album von Laibach an: “Musick” wird am 1. Mai erscheinen und ist das erste Studioalbum von Laibach seit “Spectre” aus dem Jahre 2014. Auf “Allgorhythm” hören wir aber nicht nur Laibach, sondern auch die ghanaische Sängerin Wiyaala. Der Titel wurde von Pop-Powerhouse Richard X (bekannt u. a. für seine Arbeit mit Goldfrapp und New Order) co-produziert: Dieser Vorgeschmack auf das Album ist ein durchaus gewagtes Mash-Up elektronischer Pop-Tropen, Hooks und Beats. Sowohl inhaltlich als auch formal setzt das Stück die manipulative Natur von Algorithmen geschickt mit der von Musik selbst gleich – beides sind gewissermaßen Zauberkräfte, denen wir uns unterworfen sehen.
Um Algorithmen und Zauberkräfte dreht sich aber auch das Album “Musick” selbst: Hierauf würdigen Laibach die Gegenwart der verzerrten Realität und grellen KI-Nachahmung derselben und kritisieren sie gleichzeitig auf spielerische, hyperaffirmative Weise mit einer Sammlung unbestreitbar eingängiger Pop-Songs, die sich an der hypergetriebenen Postmoderne erfreuen.
Laibach erzählen hierauf von Übersättigung, von einer Überdrüssigkeit, die einen gegenüber der Musik ereilen kann in einer Zeit, in der es so viel davon gibt, dass wir uns kaum noch darauf einlassen können. Täglich werden über 100.000 neue Titel (!) online gestellt - und davon sind immer mehr Songs digitaler Müll, weil KI-Kreationen. Gut, dass man zum Beispiel bei der Spotify-Playlist vom HEADLINER die wirklich beste neue Musik zu hören bekommt, und das noch am Silbertablett serviert …
“Musick" thematisiert diese Überdrüssigkeit durch seine sich ständig verändernden Klänge und Referenzpunkte, aber es thematisiert auch eine andere Art von Krankheit: eine pathologische Hingabe an die Musik - “eine Obsession, eine Art Droge” –, die Laibach in dieser Ära der Übersättigung trotz allem weiterhin antreibt. Und auch ich: Schuldig!
Auf “Musick” werden wir demnach nicht nur so ziemlich alle Musikinstrumente, die Laibach so auftreiben konnten, hören - und zwar von analogen Synthesizern über Spielzeug bis hin zu Computern, die mit Sound-Apps vollgestopft waren. Zudem luden sie eine Reihe an Gastmusiker*innen ein, darunter ihre langjährige Weggefährtin Donna Marina Mårtensson und den legendäre Elektropop-Produzent Richard X. Vor allem aber tauchten sie ein in ein breites Spektrum zeitgenössischer Sounds, von K-Pop und J-Pop bis hin Neunziger-Jahre-Eurodance - “Musick” wird also wahrlich: poppig.
Auch wenn Laibach dieses Jahr nicht in Wien, beim Eurovision Song Contest, auf der Bühne stehen werden, so kommen sie dennoch aus Laibach über die Grenze - und zwar ins Grazer Orpheum und den Klagenfurter Burghof, im Rahmen vom Klagenfurt Festival.
Doch für das alljährliche Klagenfurt Festival (22. Mai bis 7. Juni) sind noch zahlreiche Highlights mehr bekannt. Eine kleine Auswahl gefällig?