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Laura Müller & Taylor Swift: Superstars & Poetinnen

19.04.2024 von Stefan Baumgartner

Am 18. April veröffentlichte die Wendler-Muse Laura ihre erste Single „Superstar“. Einen Tag später zog mit „The Tortured Poets Department“ ein weiterer Superstar nach. Wer wohl der Definition wahrlich gerecht wird?

Die Wendlers – der in Amerika lebende deutsche Schlagerstar Michael Wendler (51) und seine Ehefrau Laura (23) – sind ja schon gefühlt seit Äonen für Schlag(er)zeilen und Lacher gut, doch kaum ein anderes Pärchen hat die alte Weisheit „Wenn man denkt, es geht nicht mehr schlimmer …“ so sehr verinnerlicht wie der DJ und sein Onlyfans-Model.

Bereits zu Monatsanfang startete die billige Werbemaschinerie, als die Wendlers ankündigten, dass sich Laura nach ihrem Playboy-Shooting 2020 nun endlich getraut hätte, vor der Kamera mit zwei Typen in die Kiste zu steigen – einen Onlyfans-Account nennt die vife Geschäftsfrau ohnehin schon länger ihr Eigen, wenngleich neugierige Voyeurs unken, die Abo-Gebühr von 50 Dollar stehe nicht für sich. Freilich: Ein Porno oder zumindest ein Softerotik-Filmchen ist der frisch gebackenen Mutter am gestrigen Abend dann doch nicht rausgerutscht, vielmehr ist der Clip (nach Gastauftritten in den Wendler-Videos) ihr erstes eigenes Musikvideo geworden. Der Titel: „Superstar“ – und mit diesem macht sie ihrem Göttergatten mühelos Konkurrenz, ihn im unterirdischen Schlagerlimbo unterbieten zu wollen. Gewandet in billiges Auftreten, das an Blitz-Illu-Schmuddelheftchen oder Orion-Kataloge denken lässt, droppt das Mäderl geile Rhymes wie „Schau auf meinen Body, findest du mich heiß? Deine Augen ziehen mich aus, Martini liegt auf Eis“ und „Ich mach‘ es gern im Auto, mit dem Knüppel in der Hand, aber nur in ‘nem Ferrari, denn der ist mir bekannt“. Dazu knotzt sie ungelenk im roten Sportwagen oder stöckelt dermaßen unbeholfen durch die Gegend, dass Heidi Klum bei „Germany’s Next Topmodel“ wohl jedweden Anstand vergessen und im Strahl kotzen würde. Wenn der Spannungsbogen dann schließlich beim tollpatschigen Kuscheln im Bett mit zwei Männern seinen Höhepunkt findet, zeigt sich Laura selbstbewusst: „Ich bin auf Onlyfans ein Superstar, hab 100.000 Follower.“ Emanzipation und Selbstbewusstsein in allen Ehren, aber noch übler als dieser Reimversuch (der übrigens aus der Feder ihres Göttergatten stammt, aber Laura hat „auch mitgearbeitet“) ist ihre Selbsteinschätzung – obwohl das Musikvideo bereits knapp 200.000 Aufrufe verzeichnet, klingt der Tenor eher nach Fremdschämen, wenn ein User beispielsweise urteilt: „Mein querschnittsgelähmter Onkel ist aufgestanden, um die Scheiße auszumachen.“ Ein anderer fordert ein Einschreiten des Anzeigenhauptmeisters, wieder ein anderer entschuldigt sich bei der Beauty-Influencerin Bibi, da er vorschnell ihr Lied „Wap Bap“ als „das Schlechtestmögliche“ verurteilt hatte - und ein weiterer betrauert „an Tagen wie diesen, Ohren zu haben“.

Mut, sowas öffentlich ins Netz zu stellen und überhöhtes Selbstverständnis machen – sorry, liebe Laura – noch lange keinen Superstar aus. Denn die geben sich dann doch eher so wie Taylor Swift, oder klingen zumindest nach ihr. Natürlich: Das ist schon ein bisserl, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen – strahlt immerhin Swift selbst im Wollwesterl auf „Evermore“ mehr Sexyness aus als die Wendlerin im roten Latex-Onsie. Und freilich liegen auch im Musikalischen Äonen zwischen den beiden Damen: Schlagermusik ist ja ohnehin tendenziell primär für illuminierte Zerstreuung gut, doch Laura Müller kann man sich nicht einmal ohne Rücksicht auf seine Leber hörbar saufen, ein derartiger Alkoholkonsum ist schlichtweg menschenunmöglich.

Swift hingegen – man mag den Hype um sie im Musikkosmos vielleicht ein bisserl übertrieben finden oder nicht jede ihrer „Eras“ gleich wertschätzen – legt bereits gut ein Jahr nach ihrem gefeierten (wenngleich zumindest inhaltlich vergleichsweise platter, überhasteter geratenen) Letztling „Midnights“ mit „The Tortured Poets Department“ ihr mittlerweile elftes Album vor, und das, obwohl ihr Terminkalender eigentlich übervoll sein müsste, haben sie die Republikaner doch als entscheidenden Faktor bei den US-Präsidentschaftswahlen angeprangert. Und doch fand sie zwischen Jetset und Schmusibusi mit dem frisch gebackenen Super-Bowl-Gewinner Travis Kelce Zeit, sechzehn neue Stücke (plus die 15 Songs starke „Anthology“, die auch die vier verschiedenen Bonustracks beinhält) einzuspielen – Musik, die im Gegensatz zu Laura Müller authentisch und nicht vorhersehbar wirkt.

Das Album ist eine gelungene Mixtur aus dem glitzernden Pop-Rock von „1989“ und der zurückhaltenden Atmosphäre von „Midnights“, wobei die grellen Farben des Ersteren etwas abgemildert werden. Manche Lieder erinnern an Swifts Wurzeln in Nashville, mit Country-Elementen wie der Slide-Gitarre in „I Can Fix Him“ oder dem Fiddler-Spiel in „But Daddy I Love Him“. Das höchste Alleinstellungsmerkmal von „The Tortured Poets Department“ ist vielleicht, dass Taylor Swift durchwegs schöne Melodien kredenzt, dabei aber darauf verzichtet, die eine, große Pop-Hymne rausstechen zu lassen. Hier geht es um Ausdruck und Stimmung, um melancholische Zurückhaltung – wie es etwa auch ihre Corona-Alben „Folklore“ und „Evermore“ auszeichnete. Überraschend sind auch die beeindruckend zurückhaltenden Gastbeiträge – von Post Malone, der (man denke an „Beerbongs & Bentleys“) normalerweise nicht für subtiles Auftreten bekannt ist, sich hier jedoch wohlig an Swift anschmiegt. Und Florence Welch brilliert mit ihrem ur-eigenen, klagenden Stil – nona – mit Taytay auf „Florida!!!“ – das einzige Stück übrigens, das mit donnernden Drums und knallenden Synthesizern die musikalische Subtilität etwas in den Hintergrund rückt, aber dennoch angenehm dynamisch-kraftvoll wirkt. Ansonsten bricht Swift auch erneut gekonnt mit Erwartungshaltungen, etwa wenn sich „Fresh Out The Slammer“ unerwartet in Songmitte pulsierenden Herzschlag doppelt oder „So Long, London“ ständig auf einen Höhepunkt hinzielt, der (wie bei Laura Müller) jedoch nie eintritt – hier den Bogen der zum Scheitern verurteilten Beziehung, die Swift (über Joe Alwyn) beschreibt, widerspiegelt. Apropos: Natürlich stehen diesmal auch wieder die Liebeswirren im Fokus, zuvörderst das kurze Techtelmechtel mit Matty Healy von The 1975, wenn sie auf „My Boy Only Breaks His Favorite Toys“ etwa singt: „Oh, here we go again, the voices in his head“ – eine von vielen Zeilen, bei denen man sich vorstellt, dass sie von einem Augenrollen begleitet werden, aber auch von Swifts einzigartiger Fähigkeit zeugt, ihr prominentes Gspusi in einen nachvollziehbaren Archetyp zu verwandeln: Jede kennt jemanden, der ein bisschen wie der Poser aus dem Titelsong oder „The Smallest Man Who Ever Lived“ ist: geteiltes Leid ist halbes Leid.

Mit viel Witz, rauschenden Gischt-Wellen von Herzschmerz über Wut bis hin zu Sehnsucht, aber hie und da auch Selbstreflexion und damit auch Rüffel an sich selbst, beweist Swift erneut, dass sie eine außergewöhnlich talentierte Autorin ist: Ihr Album hat eine Tiefe und Reife, die selbst ihre direkten Konkurrenten im Vergleich dazu ein wenig blass aussehen lässt, noch viel mehr ein fehlgeleitetes Pupperl wie Laura Müller, die sich bei „The Tortured Poets Department“ einige Notizen machen dürfte, wie sich ein wahrer Superstar, der sogar vom Herrgott persönlich selig gesprochen wurde, geriert.

Taylor Swift spielt am 8., 9. und 10. August drei ausverkaufte Konzerte im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Das eigentlich für 10. Mai geplante Konzert von Michael Wendler im Congress Innsbruck wurde abgesagt, Konzerte seiner Frau Laura Müller sind aktuell glücklicherweise keine geplant.

Zum Taylor-Swift-Album hat oeticket auch ein Gewinnspiel.

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