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Konzerte

Magdalena Bay: einfach nur WOW

25.02.2025 von Stefan Baumgartner

Der gemeine Wiener hat das Sudern zur Kunstform erhoben – egal ob Wetter, Öffis, Mitmenschen oder das Leben generell: Irgendetwas ist immer „oasch“. Vor dieser nicht sonderlich konstruktiven Eigenart sind nur wenige Großstädter gefeit. Und wenn einem dann noch irgendein halblustiger Artikel „Balkonien“ als wertige Alternative zum griechischen Strand verkaufen möchte, würde man am liebsten seine Filzpantoffeln hinterherwerfen: Wien im Sommer ist genauso „oasch“ wie Wien im Winter, nur um 50 Grad wärmer – und das sage ich als grundpositiv gestimmtes Lebewesen.

Aber hin und wieder hat Wien auch magische Momente, die darüber hinwegtrösten, dass man nicht durch burgenländische Weingärten streift oder an kärntnerischen Seen die Seele baumeln lässt. Zum Beispiel dann, wenn man an einem dieser heißen Sommerabende durch die Holzpforte des Wiener WUK spaziert, es sich im Schatten spendenden Backsteinhof bei einer Flasche Biowein oder einer Bierspezialität gemütlich macht, mit guten Freunden plaudert und weiß: In Kürze öffnet sich die Tür zur Veranstaltungshalle, und eine der besten Bands des Jahrtausends (!) wird gleich ihre Musik über Hammer, Amboss und Steigbügel direkt in die Gehirnwindungen pfeifen – und so für revitalisierte Gemütlichkeit im Hinterstübchen sorgen.

Magdalena Bay: die Pusteblume im WUK

So einen Abend erwartet uns bereits am 15. Mai bei Tess Parks auf ihrer “Pomegranate”-Tour, vielmehr aber noch wenige Wochen später, am 7. Juli, wenn Magdalena Bay im Rahmen ihrer “Imaginal Mystery”-Tour im WUK gastieren.

Magdalena Bay, das sind Mica Tenenbaum und Matthew Lewin aus dem Sonnenstaat Florida. Sie lernten sich als Teenager bei einem Musiker*innen-Workshop ihrer Highschool kennen und sammelten erste gemeinsame Erfahrungen unter dem Bandnamen Tabula Rasa – allerdings ohne Bezug zum gleichnamigen Album der Einstürzenden Neubauten. Statt der eingängigen Hooks von heute standen damals noch verkopfte Psych-Rock-Symphonien auf dem Programm. Wobei: Gänzlich verschwunden ist der psychedelische Touch auch heute nicht.

2016 wurde nach der Highschool aus Tabula Rasa Magdalena Bay, und bereits das Debütalbum “Mercurial World” aus dem Jahre 2021 ließ aufhorchen: Das klang wir Grimes - nur ohne Cringe. Oszillierende Synthesizer und seltsame Streicher-Ornamente versprühten da einen Hauch von ziemlich geiler Alieness und zeugten von überbordender, aber entrückter und nicht verkopfter Experimentierfreude.

Einen beinah surreal großen Sprung in noch lichtere Höhen gelang Magdalena Bay dann mit ihrem aktuellen Album “Imaginal Disk”, das vergangenes Jahr erschien und stilistisch irgendwo zwischen (weiterhin) Grimes und Charli XCX einzuordnen ist - dabei aber erneut stark mit den Prog-Elementen der Anfangszeit liebäugelt. Hie und da heulen gar Gitarren auf, die stark an Pink Floyd erinnern – nur eben ohne den nervigen Pathos der alten weißen Briten. Das liegt vermutlich daran, dass die Musik nie verkrampft, sondern als kunstvolle Reizüberflutung mit erstaunlicher Leichtigkeit daherkommt: mit groovenden Wurlitzer-Akkorden, EDM-Drums, sowie orchestralen Bläsern und Streichern. Und mit einer Stimme, die flirrt wie angehauchte Pusteblumen.

Kein Wunder, dass “Imaginal Disk” letztes Jahr quer durch die Musikpresse als eines der besten Alben des Jahres gefeiert wurde. „So geht moderner progressiver Pop“, frohlockten euphorisierte Schreiberlinge von Los Angeles über London und Paris bis nach Berlin. Der zuckersüße Hyper-Synth-Pop von Magdalena Bay ist opulent, dabei aber dynamisch, mit feinfühligen Facetten und einer unwiderstehlichen Dramaturgie, die es leicht macht, sich für einen Moment in ihnen zu verlieren. Und vielleicht musste nicht nur ich bei “Imaginal Disk” an die zauberhafte Feenwelt der großartigen Björk denken, wenn Magdalena Bay ihre cineastische Ekstase entfalten – nur dass sich Tenenbaum und Lewin eher in den Wolken als in den Wäldern aufhalten.

Apropos Ekstase: “Imaginal Disk” erzählt vom Geliebtwerden. Und vermutlich will auch Wien irgendwo, irgendwie geliebt werden - und zumindest am 7. Juli werde ich Wien lieben, wenigstens das Grätzel rund ums WUK.


Live-Termine


Magdalena Bay - "Imaginal Mystery"

07. Juli 2025 | Wien, WUK


Infos auf dem Stand vom 25.02.2025  

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