Bild: Joe Dilworth
IKEA ist für vieles bekannt: Für das Billy-Regal, für die Köttbullar, für die übergroßen Plastiktaschen und gratis Bleistifte. Vermutlich findet sich in jedem österreichischen Haushalt irgendein Stück des schwedischen Möbelgiganten, studentische WGs würden ohne ihn gar nicht existieren. Der große Benefit von IKEA: Hier kriegt man noch viel Möbel für wenig Geld - außer, man will sich so manch altes Stück aus den Siebzigern oder Achtzigern in die eigenen vier Wände stellen: Nicht wenige Objekte werden als Klassiker gehandelt und kosten am Zweitmarkt mitunter tausende Euro.
Irgendwie erscheint das paradox, denn eigentlich ging es Firmengründer Ingvar Kamprad darum, mit einer leistbaren und austauschbaren Einrichtung die Welt zu erobern - und nicht mit langlebigen Designermöbeln. Aber den seit Jahren grassierenden Vintage-Hype, die ausgeprägte Sehnsucht nach einem Nostalgieeffekt, konnte er wohl nicht vorhersehen. Gut, dass IKEA den Markt mit Feingefühl reguliert und einigen der begehrten, im Wiederverkauf unerschwinglichen Klassikern mit der Nytillverkad-Kollektion eine ausgeklügelte Hommage zur Seite stellt: Mit von der Retropartie sind unter anderem der “Dyvlinge”-Drehsessel und das “Byakorre”-Regal, das ich damals, in meiner ersten studentischen Wohnung, eigentlich ob seiner Fragilität verflucht hatte.
Aber nicht nur IKEA kann Retro-Chic, was bei Möbeln funktioniert, gilt auch für Musik: Gutes Design – oder guter Sound – überdauert Trends. Und wenn Nostalgie auf Innovation trifft, wird es richtig spannend. Genau hier kommen Stereolab ins Spiel.
Erst im Februar habe ich hier am HEADLINER darüber jubiliert, dass sich die englisch-französische Avantgarde Popper Stereolab nicht mehr rarmachen und - Wissensstand Februar - mit Neuausgaben ihrer bisherigen Studioalben im Gepäck auch Österreich besuchen werden: “Wer sich irgendwo zwischen David Bowie und Sonic Youth, Placebo und Radiohead zuhause fühlt oder bei Daft Punk durch die Decke geht, wird Stereolab lieben, am 16. Juni im WUK einen Bonjourtropfen vergießen – und sich danach fragen, warum er dieses grandiose Sounderlebnis nicht schon viel früher für sich entdeckt hat”, schrieb ich damals.
15 Jahre ist es her, dass Stereolab mit “Not Music” ihr zehntes und bisher letztes Studioalbum veröffentlicht hatten, fast doppelt so lang ist es her, dass sie in Österreich - 1996 im MuseumsQuartier - gastierten. Aber nun wissen wir, dass das Kollektiv rund um Lætitia Sadier und Tim Gane nicht nur ihr geniales Œuvre von “Transient Random-Noise Bursts with Announcements” über meinen Liebling “Emperor Tomato Ketchup” bis hin zu “Margerine Eclipse” neu aufgelegt, sondern auch an einem neuen Album gewerkelt hat! „Instant Holograms On Metal Film“ wird am 23. Mai erscheinen und enthält 13 neue Stereolab-Songs, einige von ihnen mit interessanten deutschen Titeln: Wir lesen da etwa “Elektrifizierter Teenybop!” und “Transmutierte Materie”. Eingespielt wurde das Album nicht nur von Sadier und Gane, sondern auch von ihrer fantastischen Live-Band, bestehend aus Andy Ramsay, Joe Watson, Xavi Muñoz. Außerdem finden sich auch Gastbeiträge auf “Instant Holograms On Metal Film”, etwa vom US-Jazzer Ben LaMar Gay (International Anthem) und Holger Zapf, mit dem Gitarrist Tim Gane auch in Cavern Of Anti-Matter zusammen spielt.
Als erste Single wurde “Aerial Troubles” vorgestellt - samt Musikvideo. Die Ästhetik ist geprägt von einem knalligen Retro-Chic, die Farbpalette erinnert stark an das Albumcover: grell, hell und bunt. Und mein Plan für den 16. Juni im WUK ist nun, einen orangen Dyvlinge an der Security vorbei in den Konzertsaal zu schmuggeln und es mir dann in der ersten Reihe so richtig gemütlich zu machen.