Bild: Circus Theater Roncalli
Sie entstammt einer legendären Artistendynastie und ist im Zirkus aufgewachsen. Heute windet sich das Leben von Lili Paul-Roncalli aber nicht nur um ihre Auftritte als Schlangenfrau. Gemeinsam mit ihren Geschwistern übernimmt die „Let’s Dance“-Siegern hinter den Kulissen des Circus Roncalli immer mehr Verantwortung.
Lilian „Lili“ Paul-Roncalli, 26, ist die jüngste Tochter von Circus-Roncalli-Gründer Bernhard Paul und der Artistin Eliana Larible-Paul. Mit sechs Jahren begann sie ihre Karriere als schlangengleiche Kontorsionskünstlerin. 2020 gewann sie die 13. Staffel der RTL-Show „Let’s Dance“ an der Seite von Profitänzer Massimo Sinató, 2022 war Lili „Starmania“-Jurorin. Gemeinsam mit ihren Geschwistern Vivian und Adrian arbeitet die Freundin von Tennisprofi Dominic Thiem auch hinter den Kulissen des Circus Roncalli, der mit seinem neuen Programm „ARTistART“ im Herbst in Wien, Innsbruck und Graz gastiert.
Es ist eine Fortsetzung unseres vorangegangenen Programms „All for ART for All“. Es geht wieder darum, große Künstler wie Keith Haring, Frida Kahlo oder Pablo Picasso zu ehren, indem wir ihre Werke in unsere Nummern einfließen lassen. Ihre Kunst ist von Anfang bis Ende Teil unserer Show.
Wir haben verschiedene Ansätze. Keith Haring zum Beispiel war ein guter Freund meines Papas und hat ihm einen Zylinder gemalt. Das war eines der letzten Kunstwerke, die Haring finalisiert hat. Und aus dieser Zeichnung haben wir einen Zylinder anfertigen lassen, den Andrey Romanovski geschickt in seine Nummer einbauen wird. Die Frisur unserer Ringkünstlerin Alisa Shehter ist eine Hommage an Frida Kahlo – aber meine eigene Nummer soll noch eine Überraschung sein …
Zumindest physisch, ja. Pferde werden aber erneut in Form von Holografien zu bewundern sein. Das ist unser Weg, mit Tieren zu arbeiten, ohne Tiere wirklich in der Manege zu brauchen.
Wir hatten damit nie Probleme. Im Gegenteil, der Circus Roncalli war von Anfang an ein Vorreiter. Wir haben uns immer Gedanken gemacht, wie sich die Welt ändert und welchen Platz der Zirkus darin hat. Ich finde, Tiere durch technologische Innovationen wie die Holografie zu ersetzen, war eine gute Entscheidung. Und wir versuchen, so nachhaltig wie möglich zu agieren.
Zum Beispiel, indem wir unsere Zirkuswagen mit der Bahn von Stadt zu Stadt transportieren und nicht auf der Straße. Wichtig ist bei allen Innovationen aber, dass die ursprüngliche Atmosphäre und die Nostalgie erhalten bleiben. Du darfst im Zirkuszelt nie das Gefühl haben, in einer beliebigen Mehrzweckhalle zu sitzen.
Mein Papa ist mit seinen 77 Jahren immer noch wahnsinnig fit und trifft die finalen Entscheidungen. Und wir sind sehr froh darüber, immerhin hat er fast 50 Jahre Erfahrung in diesem Business. Aber wir werden von Jahr zu Jahr mehr involviert. Viviane kümmert sich zum Beispiel um das Casting der Künstler für die Show und gemeinsam sind wir für alle Kostüme verantwortlich; Adrian ist vor allem in unserem Apollo Varieté in Düsseldorf tätig. Und da ich selbst regelmäßig auftrete, bekomme ich genau mit, was in der Manege und hinter den Kulissen passiert und kann rasch reagieren, wenn irgendwo etwas nicht ganz rund läuft.
Es ist ein spannender Spagat zwischen beiden Welten. Tatsächlich muss ich manchmal zwischen zwei Auftritten schnell Businessentscheidungen treffen. Aber so ist das im Zirkus: Dinge entwickeln sich organisch, jeder bringt seine Stärken da ein, wo sie am besten passen.
Im Zirkus musst du generell sehr flexibel sein und immer lösungsorientiert denken und handeln. Natürlich gibt es auch bei uns zwischenmenschliche Probleme, die werden aber so schnell wie möglich ausgeredet.
Ich bin im Zirkus unterrichtet worden und war nur im Winter jeweils für zwei Monate in einer „normalen“ Schule. Von Jahr zu Jahr habe ich mehr Unterschiede wahrgenommen. Im Zirkus schwebt man in einem Paralleluniversum, in dem das Leben nicht ganz so kompliziert ist. Aber auch die „normale“ Welt kann sehr schön, sehr bunt sein.
Tatsächlich besitze ich den italienischen Pass. Aber eigentlich ist jedes dieser Länder ein wichtiger Teil von mir.
Nein, niemals. Ich habe mit sechs Jahren spielerisch zu trainieren begonnen und nie einen anderen Berufswunsch als Artistin gehabt.
Ich bin im Rampenlicht groß geworden, für mich ist das etwas ganz Normales. Deshalb habe ich mich bei „Let’s Dance“ auch so wohlgefühlt: Es war ein sehr vertrautes Gefühl. Und je älter ich werde, umso mehr genieße ich es, vor Publikum aufzutreten. Jeder Artist weiß, dass seine Zeit in der Manege nicht unendlich währt.
Einzelne Projekte haben mir bisher schon sehr viel Spaß gemacht, und wenn wieder ein spannendes Angebot kommt, dann werde ich es gerne machen. Aber den Zirkus werde ich nie ganz verlassen.
Das Circus-Theater Roncalli gastiert zwischen 11. September und 8. Dezember zuerst in Wien, anschließend in Innsbruck und schließlich in Graz. Tickets gibt es bei oeticket.