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Marilyn Manson: neue Single "Front Toward Enemy"

20.07.2026 von Stefan Baumgartner

Am 21. Juli gastiert der wandelbare Schockrocker Marilyn Manson live in der METAStadt: Hören wir da schon seine neue Single “Front Toward Enemy” live?

Vergangene Woche Freitag hat Marilyn Manson nach “Exit Wound” seine zweite neue Single “Front Toward Enemy” veröffentlicht, die am nächsten Album “One Assassination Under God – Chapter 2” zu hören sein wird. Das Album erscheint am 14. August und ist dem Titel nach die direkte Fortsetzung von seinem letzten Album aus dem Jahre 2024. Ganz neu ist die Single allerdings nicht: Sie war bereits vergangenes Jahr auf der limitierten “Raise The Red Flag”-Single-CD zu hören.

Morgen, am 21. Juli, erleben wir Marilyn Manson dann live bei der Saison-Eröffnung in der METAStadt – ob wir dann gleich beide neue Songs vor den Latz geknallt bekommen, ist fraglich: Am Freitag in der Atlas Arena in Polen wurde lediglich “Exit Wound” live gespielt, “Front Toward Enemy” hingegen nur als Rausschmeißer vom Band. Dafür hat Marilyn Manson nach den Konzerten vergangenes Jahr die Bandbesetzung etwas rotieren lassen: Nick Annis (Dorothy) ersetzt Reba Meyers an der Gitarre, weil sie mit ihrer eigenen Band Code Orange tourt. Tim Skold, den man unter anderem von KMFDM kennt, ist nun am Bass zu hören: Zwischen 2004 und 2008 übernahm er bei Manson noch die Gitarre. Neben Nick Annis ist dafür Piggy D. – zuvor in Rob Zombies Band tätig – an der zweiten Gitarre zu hören, während Gil Sharone weiterhin hinter dem Schlagzeug sitzt. Und: Mitschnitte auf YouTube beweisen, dass Marilyn Manson selbst wie auch schon vergangenes Jahr – da sah ich ihn im November in Prag – weiterhin in Höchstform befindet und mühelos seine schwächeren Auftritte aus den vergangenen Jahren vergessen macht.

Aber welche Songs werden wir nun ziemlich sicher live hören? Marilyn Manson hat, wenn man dem Internet trauen darf, die Setlist aus vergangenem Jahr nur minimal adaptiert, liefert dafür eine gekonnt inszenierte Zeitreise durch fast die komplette Discographie – dankenswerterweise mit einem deutlichen Schwerpunkt auf drei seiner besten Alben, der inhaltlich zusammenhängenden Trias “Antichrist Superstar” (1996), “Mechanical Animals” (1998) und “Holy Wood” (2000).

Die wahrscheinliche Playlist für den 21. Juli in der Wiener METAStadt.

“Antichrist Superstar” war Mansons zweites Album – aber für viele wohl nicht unähnlich zu Slipknots Zweitling “Iowa” die eigentliche Initialzündung: Hier – Mansons erstes Album “Portrait Of An American Family” erschien zwei Jahre zuvor – wie dort – Slipknots selbstbetiteltes Debüt erschien ebenfalls zwei Jahre vor “Iowa” – lief man vorerst zumindest hierzulande noch unter dem Radar, bevor man beiderseits mit dem Zweitling durch die Decke schoss.

Zumindest bei Manson war dies auch nicht gänzlich ungerechtfertigt, war auf seinem Debüt der Nirvana nachwirkende Grunge-Spirit noch deutlich hörbar. Nicht so auf “Antichrist Superstar”: Da tanzte Manson auf den Überresten des Grunge und präsentierte sich als abgefuckte, perverse und geradezu furchteinflößende Ausgeburt des Glam Schreckens, als Alice Cooper 2.0. Er gab sich da als hagerer, wahnsinniger Antichrist – und das mit erschreckender Konsequenz: Während sich Amerika damals immer stärker auf einen umfassenden Kulturkampf zubewegte, entfachte er so beinahe im Alleingang die jahrzehntealte “Satanic Panic” neu und machte sich selbst zum Staatsfeind Nummer eins. Und das mit einem akustischen und inhaltlichen Strudel aus wütendem Nihilismus – insbesondere “The Beautiful People” ist zweifelsohne heute einer seiner ikonischsten Songs überhaupt.

1998 war Manson bereits das absolute Sinnbild der moralischen Panik – ein ausgemergelter Freak, der scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht war und die Welt auf den Kopf gestellt hatte. Während die Welt nun davor zitterte, dass er nun noch bösartiger werden würde, stieß Manson die Welt jedoch vor den Kopf; Auf “Mechanical Animals” präsentierte er sich als künstlicher, greller, aber auch kühler Popstar: Meist trug er hautenge Elastan-Anzüge – dazu künstliche Brüste und mehr Finger als ein Mensch eigentlich haben sollte. Man könnte das leicht als bloße Provokation oder pubertären Quatsch abtun: Aber Manson übersteigerte die Sexualität, bis sie ins Unheimliche, ins Absurde kippte. Die naheliegendste Parallele ist natürlich David Bowies Ziggy Stardust. Es wäre aber zu kurz gegriffen, das Album als eine Hommage an Bowie zu bezeichnen – natürlich finden sich deutliche Anklänge an “The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars” ebenso wie an “Station To Station”. Doch ebenso präsent sind der futuristische Rock von Roxy Music und der elegante Glamour der frühen Soloalben von Brian Eno – noch vor seiner Ambient-Phase, all dies in einem Gewand, das nicht selten an die Smashing Pumpkins denken lässt.

Inhaltlich setzt “Mechanical Animals” jedoch den Bogen von “Antichrist Superstar” fort, der hierauf mit “Holy Wood” abgeschlossen werden sollte: Es geht um Exzess, Dekadenz – aber auch um Oberflächlichkeit, man höre allein “The Dope Show”. Und genau damit greift Manson bereits damals ein Thema auf, das heute (etwa auf Social Media) allgegenwärtig ist: Wir sind alle bloß scheinbar perfekt konstruierte Produkte in einer künstlichen Welt.

Zu “Holy Wood” galt Manson als prominentester Sündenbock für das Schulmassaker an der Columbine High School – und stand mitten im Inferno: Viel mehr als zuvor, in seiner satanischen oder androgynen Ästhetik, wurde er nun in der reellen Welt persönlich – wenngleich haltlos – dafür verantwortlich gemacht, zwei Jugendliche zu einem Massaker an ihren Mitschülern inspiriert zu haben.

So brutal dieses auch war: “Holy Wood” hingegen ist eines von Mansons zugänglichsten Werken, bombastisch und energetisch – darunter mit “The Fight Song”, einer seiner besten Singles überhaupt. Aber auch darüber hinaus präsentiert sich Manson hier irgendwo zwischen intellektuell und psychedelisch, zwischen okkult und “schlüpfrig” zwischen Doom Metal, Art Pop, Glam Rock und Industrial pendelnd zwar sehr zerschossen, aber demnach auch irgendwie: in Reinkultur. Denn seitdem hat Manson immer wieder – mal besser, mal schlechter – bewiesen, dass er nicht nur eine musikalische Identität hat, sondern eine, die vom “God of Fuck” bis hin zum “Pale Emperor” reicht.


Live-Termine


Marilyn Manson - "One Assassination Under God"

21. Juli 2026 | Wien, METAStadt Open Air
Support: VOWWS


Infos auf dem Stand vom 20.07.2026  

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