Bild: Wally Pruß / Kiepenheuer & Witsch
In seinem zweiten Buch "Jenseits der Brandmauer" widmet sich Monchi, der Sänger von Feine Sahne Fischfilet, den gesellschaftlichen Spannungen unserer Zeit.
Vor vier Jahren veröffentlichte Jan Garkow alias Monchi, Sänger der deutschen Punkband Feine Sahne Fischfilet, sein erstes Buch: Unter dem Titel “Niemals satt” erzählte er damals über sein Dicksein. 182 Kilo brachte er dereinst auf die Waage, Gewand passte ihm kaum mehr, Betten brachen unter ihm zusammen, Aktivitäten waren nicht oder nur schwerlich möglich, seine Haut wurde rissig und selbst die Körperhygiene fiel ihm schließlich schwer. In Corona hatte er dann angefangen umzudenken und nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit Sport und Ernährungsumstellung beinahe ein Drittel seines Gewichts verloren: “Niemals satt” wurde kein Diätratgeber, sondern eine sehr intime, persönliche Erzählung über seine subjektiven Erkenntnisse - er hinterfrug Gewohnheiten, befragte sein Umfeld, seine Familie, seine Bandkollegen, erkannte, dass Scheitern am Weg zum Erfolg dazugehört, lernte, sich seine Macken einzugestehen, aber auch, dass es notwendig ist, der Maßlosigkeit den Kampf anzusagen, wenn er – mit all seinen Annehmlichkeiten – (über)leben will.
Und einen ähnlich persönlichen Ansatz ohne Zeigefinger verfolgt er nun auch in seinem zweiten Buch “Jenseits der Brandmauer”, das am 13. August erscheint.
Auch in seinem neuen Buch widmet er sich wieder persönlich, direkt und ohne einfache Antworten den gesellschaftlichen Spannungen unserer Zeit und der Frage, wie Zusammenleben trotz wachsender Gegensätze gelingen kann: Es ist ein Plädoyer gegen Schwarz-Weiß-Denken und für den Versuch eines Miteinanders, wenn die Gegensätze unüberwindbar scheinen. In “Jenseits der Brandmauer” lesen wir tatsächlich keine einfachen Antworten, tauchen dafür ein in einen offenherzigen und selbstkritischen Versuch herauszufinden, was jetzt noch einen Unterschied machen könnte.
Dafür reiste Monchi in seine alte Heimat, die vorpommersche Provinz zurück, dorthin, wo bei der Bundestagswahl 54 Prozent der Stimmen an die AfD gingen. Dabei kennt dort eigentlich jeder jeden - und Monchi kann es kaum fassen. Weil Monchi weiß auch: Das Leben hier funktioniert tatsächlich miteinander, trotz aller Kontraste. Die Kneipe, in der Feine Sahne Fischfilet damals ihr Festival plante, wird auch für den AfD-Stammtisch genutzt. Auf dem Grundstück neben ihrem Proberaum wurde eine schwarz-weiß-rote Flagge gehisst. Aber: Die verschiedensten Menschen helfen mit, als ein Skatepark für die Jugend gebaut wird. Die Frage ist also naheliegend: Welche Ängste haben sie, welche Hoffnungen? Wie kann man es schaffen, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu schauen? Damit gelingt Monchi etwas, das heute rar ist: Keine Brandmauer aufzubauen, sondern Gräben zuzuschütten, auch wenn er selbst selbstverständlich gegen den Rechtsruck einsteht - denn in einer Demokratie muss man sich mit allen Menschen an einen Tisch setzen. Insbesondere, wenn man wie Monchi dort, in der alten Heimat, vielleicht irgendwann einmal alt werden will.
Mit “Jenseits der Brandmauer” erleben wir zudem auch so etwas wie eine verschriftlichte Fortsetzung des unter Regie von Charly Hübner entstandenen preisgekrönten Dokumentarfilms “Wildes Herz” aus dem Jahre 2017, der das gesellschaftliche und politische Engagement von Feine Sahne Fischfilet und Monchis Lebensgeschichte behandelte.
Das signierte Buch ist im bandeigenen Shop vorbestellbar und für den Moment geeignet, wenn man auf Balkonien dann die Nova Rock-Wunden leckt: Denn dort werden Feine Sahne Fischfilet bereits am 11. Juni Position beziehen.