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Mortal Strike: for the LOUD and the AGGRESSIVE

02.06.2023 von Stefan Baumgartner

Wenn Panzer im Spiel sind, denkt der geneigte Metal-Hörer zuvörderst an Marduk oder Vader, jüngere Semester und Wacken-Metaller/EMP-Stammkunden vielleicht auch an Sabaton. Nicht gänzlich außer Acht lassen sollte man aber auch das Wiener Quintett Mortal Strike, das nach der "Unleash the Hounds of War"-EP 2012 und dem Debüt-Album "For the Loud and the Aggressive" (2014) zuletzt im Frühjahr 2021 mit einer Split-EP zusammen mit einer anderen österreichischen Institution, nämlich Darkfall, von sich hören machten: "Thrashing Death Squad" zeigt in Kürze und Würze, warum Mortal Strike - in Analogie zu den Big 4 und Teutonic Big 4 - neben Insanity Alert, Darkfall und Enclave Teil der "Austrian Big 4" sind und zweifelsohne zu einem der Highlights jedes Festivals oder Konzertes zählen, auf die sie gebucht werden - dieses Jahr kann man sich ob dieser Worte hierzulande etwa am Area 53 oder am Metal Escalation, im Oktober dann beim Warm-Up für das Vienna Metal Meeting in der Szene selbst ein Bild machen.

Mortal Strike erfinden mit ihrem geradlinigen Thrash Metal das Rad freilich nicht neu, vermischen aber gekonnt die amerikanische und deutsche Schule und kredenzen somit einen ordentlichen Arschtritt, der am besten mit ein paar Bier runtergespült wird - nicht umsonst haben sie auf der eben benannten Split mit dem Tankard-Cover "Freibier" nicht nur eine Huldigung an das österreichische Grundnahrungsmittel und eine werktreue Kopie zelebriert, sondern dem Song gleich auch noch eine eigene Note verpasst. Kein Wunder: Mindestens gleich gut wie mit Thrash Metal kennt man sich mit Bier (im eigenen Chargon: "Beir") aus, ist das Wiener Kultlokal Battle Axe im 19. Bezirk immerhin auch fest in der Hand von Mortal Strike. Wir haben die beiden Gitarristen und Köpfe hinter der Band, Chrir und Etzi, zum Gespräch gebeten.

Ihr spielt Mitte Juli neben u. a. Kreator und Soulfly am Area 53-Festival, Soulfly sind bekanntlich aus Sepultura „herausgewachsen“. Wenn ihr, ähnlich wie zum Release von Metallicas „Hardwired“, je ein Konzert für Kreator und Sepultura spielen würdet, aus welchen Klassikern beider Bands würdet ihr die Setlist zusammenstellen?

Beides sind grandiose Bands mit langen und epischen Geschichten. Sie zählen auf jeden Fall zu den Bands die wir öfters auch hören. In der Setliste für eine Kreator-Show würden auf jeden Fall "Phobia", das wir schon öfters live gecovert haben, und "People of the Lie", weil einfach gespielte Gitarrenparts manchmal den perfekten Thrashriff ergeben, aufscheinen. Weitere Songs wären "Enemy of God", "Pleasure to Kill", das wir wir auch schon ein paar mal live gezockt haben, und "Command of the Blade", weil 80er-Geschruppe einfach geil ist.

Von Sepultura findet sich "Refuse/Resist" hie und da in der Setlist, für ein spezielles Set würden wir auch noch "Arise", "Troops of Doom", "Morbid Visions", "Roots" und "Territory" covern. Wobei wir aber ehrlichgesagt eher die Songs vom Cavalera-Nachfolger Soulfy bevorzugen. Da würden wir Songs wie "Downstroy", "Prophecy" und "Eye for an Eye" spielen, außerdem "Terrorist", weil ein Hauch von Slayer nie schlecht ist und das knackige "Call to Arms".

Die beiden Cavaleras schicken sich an, mit „Morbid Visions“ und „Bestial Devastation“ zwei der Sepultura-Frühwerke zu covern, mit dem Titelstück der ersten LP gibt es bereits einen Vorabeindruck. Ist dies eine Scheißidee, belanglos oder doch eine coole Sache?

Ist uns eigentlich ziemlich gleich. Die Cavaleras haben sich verdient, zu tun und lassen was sie wollen. Aber neu aufgenomene Scheiben von alten Alben, wo der Sound eventuell nicht ganz gepasst hat, kann eine gute Idee sein. Da fällt uns spontan von Exodus "Let there be Blood (Bonded by Blood)" ein.

Ihr habt auf eurer aktuellen EP, der Split mit Darkfall, „Freibier“ („Freibeir“) von Tankard gecovert. Steht euch eigentlich der deutsche, der amerikanische Ost- oder West-Thrash generell näher zu Gesicht? Oder ist euch die Herkunft eher „blunzn“?

Wir lieben alle Formen von Thrash Metal. Das Geile ist, dass Thrash so vielseitig ist und nie langweilig werden kann.

Ohne Kutte gibt es Mortal Strike nicht: Welcher Patch ist ein „Must have“, ohne dem die Kutte keine Kutte wäre?

Da jede Kutte ein Einzelstück ist, muss das jeder für sich selbst entscheiden. An sich ist es eine Kutte sobald ein Patch oben ist. In unserem Freundeskreis gibt’s es den T.F.M. Patch. Der hat verschiedene Bedeutungen und ist für uns sehr persönlich. Natürlich darf aber ein Mortal Strike Patch nicht fehlen (lacht).

Apropos Darkfall: Die Herren sind ja nun schon länger aktiv und haben eine Vielzahl an Stücken veröffentlicht – für die Split habt ihr „Rise to Dominate“ gecovert. Wieso gerade jenen Song?

Es ist einfach unser Lieblingssong von ihnen und es war sofort klar, dass wir genau ihn covern werden.

Andersrum: Darkfall haben von euch „Here Comes the Tank“ gecovert. Was ist ihnen vielleicht besser gelungen als euch mit dem Original?

Nichts (lacht). Spaß bei Seite. Darkfall hat die Nummer eindeutig zu ihrer eigenen gemacht, dass es tatsächlich schwer ist, beide zu vergleichen.

Nicht nur österreichischen Thrash Metal, generell ist österreichischer Metal nur verschwindend auf der internationalen Landkarte zu finden – als Aushängebespiele werden immer wieder etwa Pungent Stench oder Belphegor genannt, aktuell sind Harakiri for the Sky Überflieger. Woran mangelt es in Österreich, um sich da – auch geschichtlich – mehr Prominenz zu erarbeiten?

Schwer zu sagen, da wir nicht viel Internationale Erfahrungen haben. Aber wir wurden überall, wo wir gespielt haben, gut aufgenommen. Aber Bands wie Visions of Atlantis, Harakiri for the Sky und Insanity Alert schlagen sich international momentan gut durch. An Qualität mangelt es nicht in Österreich, aber vielleicht steht die Band nicht immer auf Priorität Eins im Leben.

Bei älteren Semestern ist es nicht unüblich, bei ihren Favorites irgendwo eine Zäsur zu setzen – sei es bei Sepultura mit dem Ausstieg von Max (oder bereits nach „Chaos AD“), bei Kreator vor „Endorama“ und Metallica nach oder vor der „Justice“. Inwieweit bleiben klassische Bands – auch über die drei genannten hinaus – in euren Ohren noch über die Jahrzehnte hinweg frisch?

Es muss nicht immer alles frisch und neu sein. Aber der Wille zum Experimentieren und zur eigenen Weiterentwicklung als Person und Musiker ist absolut essentiell.

Folgefrage: Plagen euch als Künstler auch solche Ängste, irgendwann nach Jahrzehnten nicht mehr abliefern zu können – und sei es, dass die Kreativität noch will, der Körper aber nicht mehr mitmacht?

Ach, wir werden auch noch im Sitzen für Stimmung sorgen (lacht).

Im Metal gibt es ja bekanntlich abertausend Spielarten, selbst den Thrash Metal kann man noch aufdröseln, wenn man mag. Nachdem ich den EP-Titel „Thrashing Death Squad“ auch irgendwie als Verbeugen vor dem Genre lese: Was ist an Thrash Metal in euren Ohren das geile, sein Alleinstellungsmerkmal?

Die Ehrlichkeit und Bodenständigkeit. Und natürlich der „eine“ Riff, den ein Thrash-Song braucht.

Wie notwendig seht ihr das Bedienen von Klischees – sei es optischer oder textlicher Natur – im Rahmen von Mortal Strike? Wie weit muss – oder darf – Purismus gehen? Was braucht Thrash Metal?

Kann man machen, muss man aber nicht. Wir sehen alles gerne mit ein wenig Schmunzeln und wollen uns nicht allzu ernst nehmen. Es soll jeder für sich entscheiden, wie weit sie puristisch bleiben wollen. Im Thrash Metal geht ja beides ohne Probleme. Hauptsache es macht Spaß.

Thrash Metal ist – obwohl auch zahlreiche jüngere Bands um die Gunst des Publikums buhlen – ein tendenziell archaisches Genre. Liegt es an der nach wie vor existierenden Dominanz der Vorreiter? Am Zeitgeist – wobei ein zweiter Kalter Krieg ja vor der Haustüre stehen könnte? Oder an was ganz anderem?

Es liegt eventuell daran, dass in den letzten Jahren die meisten Vorreiter weiterhin ordentlich abliefern. Aber Publikum sollte für alle genug da sein.

„Freibier“ steht euch jedenfalls nahe: Welche heimischen, aber auch internationalen Biere landen des Öfteren bei euch im Glas? Und: Was macht ein gutes Bier aus?

Süffig muss es sein und schmecken muss es. Etzi ist ja bekanntlich ein Fan von der gelben Spaßhülse aus dem 16. Wiener Gemeindebezirk. Aus der Heimat von Chrir ist natürlich das grüne Tuborg der Favorit. Aber wir können uns nicht erinnern als hätten wir schon mal einmal nein zu einem Beir gesagt (lacht).

Es wird empfohlen, sich nicht mehr als 0,6 bis 1,5 Liter Bier täglich, mit zumindest zwei alkoholfreien Tagen in der Woche, zuzumuten. Wie sieht verantwortungsvolles Trinken im Hause Mortal Strike aus?

Wir trinken eigentlich nur beim Fortgehen. Da wird selten unter der Woche ins Glas geschaut oder über den Durst getrunken. Auch bei den Bandproben halten wir uns, für einige sicher überraschend, brav zurück. Aber man muss die Feste auch feiern wie sie fallen.

Mortal Strike verantworteten zuletzt auch die „Metalheads Against Racism“-Bühne am Donauinselfest – geht es damit 2023 weiter?

Leider nein. Dieses Jahr gab es leider keine Möglichkeit. Aber wir arbeiten an einer Lösung für die Zukunft.

Folgefrage: Chrir ist ja (großer) Iced-Earth-Fan. Nun ist Jon Schaffer spätestens seit seinem Kapitol-Sturm berühmt berüchtigt. Ist in euren Augen eine Trennung von Musiker und Musik möglich? Wenn nein, wo ist die Trennlinie zwischen etwa Pantera und Slayer und Iced Earth zu setzen?

Manche können es, manche nicht. Diese Frage muss sich jeder selber stellen. Ich werde weiterhin meine Iced Earth Alben hören, glaube aber kaum, dass ich die Band weiterhin unterstützen möchte.

Mortal Strike live

Mortal Strike spielen diesen Sommer unter anderem am Area 53 in Leoben und am Metal Escalation in Gloggnitz, am 6. Oktober dann gemeinsam mit Tankard, Darkfall und Enclave beim Warm-up für das Vienna Metal Meeting in der Szene! Tickets gibt es bei oeticket.com.

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