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Sextile: „Ja, bitte“ statt „Nein, danke“

02.05.2025 von Stefan Baumgartner

Auf ihrem vierten Album „yes, please.“ und im Juni im B72 toben Sextile durch Rave, Acid, EBM, Techno, Punk, Gabber, Hardstyle & Hyperpop - ganz nach dem Motto: „Schwitzen, durchdrehen, nackt sein!“. So und nicht anders geht “atemlos durch die Nacht”!

Fenstertag, Büroalltag – und der Chef hat auch noch ein „spannendes neues Projekt“? Wäre da nicht der liebe Kontostand, möchte man mit einem „Nein, danke!“ abwinken. Glücklicherweise kippt das mit dem neuen, vierten Album vom Sextile-Duo Melissa Scaduto und Brady Keehn rasch ins Gegenteil und in ein „Ja, bitte!“: „yes, please.“ ist heute erschienen und donnert laute Euphorie ins Büro – und bringt eine prolongierte Auszeit vom Alltag.

Gegründet 2015, stammen Sextile ursprünglich aus New York, ließen sich aber bald vom Schmelztiegel Los Angeles infizieren – was man hört: Ihr Sound ist ein brodelndes Amalgam aus analogen Synths, Punk-Energie, Dancefloor-Exzess und kühler Rebellion. Zwischen Suicide, DAF, Crystal Castles und Nitzer Ebb entstand das düster-rohe Debüt „A Thousand Hands“, 2017 folgte das elektronischere „Albeit Living“. Der plötzliche Tod ihres Freundes und Bandmitglieds Eddie Wuebben 2019 stellte alles in Frage – aber Sextile hörten nicht auf. Im Gegenteil: Sie rissen alles ein, setzten neu an, fanden eine radikale Klarheit. „Push“ (2023) war das erste Ergebnis – kompromisslos, pulsierend, ungebändigt. Mit „yes, please.“ treiben es Sextile noch weiter auf die Spitze.

Seelen-Striptease zwischen treibenden Bassgewalten

„yes, please.“ ist in erster Linie eine Clubplatte, ja – aber mit Seele: Trance trifft hier auf Trauma. Wir hören die zügellose Manie, den Underground-Punk und eine Coolness irgendwo zwischen New York und Los Angeles. Aber zwischen dem vom Stroboskop geschwängerten Gepumpe erzählen Sextile auch immer wieder von Schmerz, Frust und Sehnsucht – als würde man inmitten eines Raves plötzlich zu sich selbst durchdringen. Es ist ein fast schon intimer Drahtseilakt, der zeigt, dass auch im Club Platz nicht nur für den Rausch, sondern auch Gefühle ist. So klingt „yes, please.“ wie ein Ausatmen, das alles zerschmettert, was sich in den Weg stellt – und so die Seele freilegt, ein Gefühl der Befreiung: Wie ein Abluftventilator in einer miefenden Seitengasse, der Fett und Rauch ausstößt – nur hier sind es die innerlichen Qualen, die wir ausschwitzen. „yes, please.“ ist ein Exorzismus im Neonlicht, ein kathartischer Tanz gegen die eigene Ohnmacht – alles muss raus, alles darf raus, bis zur Erschöpfung: Atemlos durch die Nacht!

Sextile liefern den hedonistischen Soundtrack für all jene, die nachts leben, weil der Tag wurmt: Orgasmische Mantras, schnaubende Synths, massive Schübe reißen ab, schlagen in die Magengrube, bevor sie in sich zusammenbrechen und flackerndes, dämmeriges Knistern mit einer verletzlichen Energie gegensteuert – eine Befreiungsakt. „Wir sind alle da, um zu schwitzen, durchzudrehen, nackt zu sein“, hat Melissa Scaduto einmal in einem Interview gesagt. Und für diesen (Seelen)-Striptease ist „yes, please.“ der perfekte Soundtrack dazu.


Live-Termine


Sextile

16. Juni 2025 | Wien, B72


Infos auf dem Stand vom 02.05.2025  

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