Bild: Anna Fasching
Mit „Feminist Girlfriend“ veröffentlicht Alicia Edelweiss eine humorvolle und zugleich ernste Auseinandersetzung mit den Widersprüchen, die in unseren heteronormativen Beziehungs- und Geschlechtervorstellungen stecken. Die Lyrics - aus einer weiblichen und männlichen Perspektive - sprechen für sich:
In my dreams I've found
an intelligent man
I don't have to pretend to be dumb
so he doesn't feel bad
In my dreams I've found
a mummy that's half the age of my real mum
and she understands how hard it is to be a man
Alicia Edelweiss sehnt sich (nicht nur im Songtext) nach mehr Austausch und Verbundenheit mit Frauen. Denn Frauenfreundschaften geben Rückhalt und empowern - they make us shine. Solidarität und Verständnis füreinander sind effektive Motoren, um die Gesellschaft näher in Richtung Gleichberechtigung zu rücken. Es sind geteilte Erfahrungen, die uns mehr einen als trennen.
Die Lyrics von “Feminist Girlfriend” loten die unterschiedlichen Erwartungen und Projektionen aus: ein männliches und ein weibliches Ich erzählen im Wechsel von ihren Traumpartner*innen - und einer Kluft dazwischen, die immer größer wird. Heteropessimismus lautet das Wort, das Medien und Social Media dafür jüngst erfunden haben. Mit Witz und Ironie bringt die Musikerin diese bitteren Wahrheiten auf den Punkt.
Gerade in linken, woken Kreisen ist das vorherrschende Klischee der perfekten Partnerin: sexy, stark, intelligent, unabhängig. Gleichzeitig aber auch unendlich verständnisvoll und mütterlich fürsorglich. So alt wie die eigene Mum soll sie jedoch nicht sein! Wenn die Partnerin nun aber genug davon hat, die verständnisvolle Mama zu spielen und sowohl Erwachsensein einfordert als auch ihre eigenen (Karriere-)Träume verfolgt, wird die Situation schlagartig nervig. Plötzlich ist es nicht mehr so attraktiv, eine feministische Freundin zu haben.
Demgegenüber stehen die Wünsche an den Traummann, die im Vergleich simpel wirken: Bitte einmal wohlriechend, nicht toxisch und auf Augenhöhe. Das ist es doch eigentlich, wonach wir uns alle sehnen.
Vielleicht ist das tatsächlich beste Fazit, die eigentliche Erwartungshaltung an ein*e Partner*in:
In my dreams I've found
someone equal to me
Am 9. Mai erscheint dann “Furie”, das zweite Studio-Album von Alicia Edelweiss - ein gelungenes Wechselspiel zwischen Pop und Avantgarde. Auf “Furie” werden wir acht Songs hören, von heute sehr selten gewordener Länge, wie es heißt: Sie haben ausreichend Raum und Zeit, um ihre eigenen kleinen Panoramen zu entfalten. Alicia Edelweiss selber vergleicht sie mit Kurzfilmen, auf deren Handlungswendungen und Plot Twists man achten muss. Daher ist „Furie“ auch ein Album im fast altmodischen, im engsten, Sinne: Was einem heute wirklich sehr selten begegnet und was es zu einer echten Ausnahme macht, ist, dass wir tatsächlich vor gleichberechtigten und gleichermaßen qualitätvollen Songs stehen.
Diese Stücke sind, da darf man das Wort “Pop” nicht falsch verstehen, nie vorhersehbar - sie sind erdacht und komponiert. Zuweilen erkämpft. So gerät “Furie” vielschichtig und komplex, unglaublich reich instrumentiert - mit Gitarren, Schlagzeug, Klavier, Akkordeon, Streichern, Glocken und Trompeten, aber auch Tierstimmen, Geräuschen und noch viel mehr.
Unser Fazit: “Furie”, das ist Verletzlichkeit und Maximalismus zugleich. Ein exzellentes Album!