Bild: Jan Zaslawski Bild: Jan Zaslawski
News & Stories

Singlepremiere: Diemarcha „Tischtennis im Regen“

17.10.2025 von Stefan Baumgartner

“Tischtennis im Regen”, die neue Single der jungen Wahl-Wienerin Diemarcha, ist wie Puddingessen mit Gabel: ein Plädoyer für etwas mehr Crazyness im Leben.

Ende September fand im Wiener Burggarten ein Sit-in statt: Hunderte junge Menschen trafen sich, um einträchtig im Kreis zu sitzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Pudding mit Gabeln zu essen.

Dieser an die Flashmobs der Nullerjahre erinnernde Hype wurde natürlich auf TikTok losgetreten: Im Sommer hat das allererste “Pudding-mit-Gabel”-Event in Deutschland stattgefunden, die Videos gingen viral und schließlich kam der Schneeballeffekt auch in Wien an. Klar, sich “einfach so” zu treffen, um gemeinsam Pudding zu essen – noch dazu mit einer Gabel – mutet auf den ersten Blick absurd an, aber wenn man etwas genauer drüber nachdenkt: Nicht nur, dass die heutige Welt eigentlich an allen Ecken und Enden absurd ist, auch ist so ein Nonsens-Moment ein hervorragendes Ventil, dem alltäglichen Bullshit etwas Luft auszulassen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die junge, in Wien beheimatete Musikerin Michéle, die unter ihrem Künstlerinnennamen Diemarcha seit bereits drei Jahren in ihren Singles die Gedanken, Sorgen und Probleme ihrer Generation wälzt – aber hie und da auch die kleinen Schönheiten des Lebens wertschätzt. Im Zuge ihrer letzten Veröffentlichung “Ich vermiss dich nicht” ergab sich ein intensives Gespräch, das [an dieser Stelle] nachzulesen ist – ein Gespräch, in dem sie tief in ihre Gedanken blicken ließ. Und nun, wenige Monate später, spielt sie Tischtennis im Regen. Bitte, was?

“Tischtennis im Regen”, das ist der Titel ihrer neuesten Single – und auf den ersten Blick klingt das ähnlich sonderbar, wie Pudding mit einer Gabel, anstatt mit einem Löffel zu essen. Weil, wer spielt schon bitte im Regen Tischtennis? Wenn es draußen regnet, dann lümmelt man sich doch eher auf die Couch, bingt irgendeine Serie, liest ein Buch oder zockt Mario Kart! “Aber genau darum geht es! Manchmal macht man eben Dinge, die sonst keiner verstehen muss”, lacht da Michéle drüber.

Allerdings ist “Tischtennis im Regen” kein Nonsens-Song, sondern seiner musikalischen Leichtigkeit zum Trotz ein emanzipierter, substanzieller innerer Monolog - ein Taumeln zwischen Aufgeben und Weitermachen, zwischen Resignation und Zuversicht. Und ja, wie so oft steht natürlich eine verflossene Liebe im Mittelpunkt - allerdings durchaus interpretierbar als eine Selbstliebe: Manchmal kann man sich nicht einmal mehr selbst im Spiegel ertragen, weil man dort mit seinen dunklen Seiten so hart wie sonst nirgends konfrontiert wird.

Dass da Diemarcha ihre Textzeilen so verletzlich ins Mikro haucht, schafft im Kontrast zur thematischen Schwere ein packendes Spannungsfeld, mehr noch, dass “Tischtennis im Regen” zudem klanglich beinahe aufgeregt-euphorisch vor sich her trippelt: Vielleicht ist genau das das Gefühl, das man hat, wenn man den Regen nicht als Hindernis, sondern vielleicht sogar als (Er)lösung betrachtet?!

Natürlich besteht das Leben zwangsläufig auch aus Aufgaben, Regeln und Pflichten. Und natürlich ist nicht immer alles Sonnenschein. Aber vielleicht ist es für das eigene Weiterkommen und für die Psyche hie und da wirklich dienlich, sich mit einem Nonsens-Moment einfach mal wieder zu erden und so neue Energie zu tanken - weil vielleicht genau dort, zwischen Unsinn und Sinn, das echte Leben passiert: Pudding mit einer Gabel zu essen, zum Beispiel. Oder Tischtennis im Regen zu spielen. Spaghetti mit einer Schere schneiden. Die Jacke falsch herum anziehen. Seinen Matcha Latte mit der Zahnbürste genießen – da hat man auch gleich länger etwas davon. Sich im August einen Adventkalender gönnen. Oder einfach einmal ohne Handy und In-Ears außer Haus gehen: craaaaazy!

Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren