Bild: oeticket / Cherie Hansson
Das Österreich-Debüt von Chappell Roan war vergangenen August am FM4 Frequency eines der größten Jahres-Highlights - und natürlich gab sie da auch ihre Hit-Single “Pink Pony Club” zum Besten. Und nun kommt sie zu einem ganz speziellen Handkuss: Die amerikanischen Shock-Rocker GWAR nehmen sich Chappells rosa Pferdchen zur Brust!
Den Cowboyhut noch geschwind geraderücken, dazu eine neue Schicht Glitzer auftragen: So schaute die Vorbereitung zur später Stunde am ersten Frequency-Tag vergangenen August aus, um für das Österreich-Debüt von Chappell Roan auch ja adrett gekleidet zu sein. Es war ein Traum aus Pink und Waldfarben, in dem der Star der Stunde dann gewandet war, als sie auf ihrer “Burg” erschien, die da auf der Hauptbühne aufgebaut war - optisch irgendwo zwischen Kaiserin Sissi und Frida Kahlo. Und dazu diese Stimme! Die kommt live nämlich noch einmal ganz anders zur Geltung, verpasst der Gänsehaut nochmals eine weitere Gänsehaut und hebt die Songs emotional auf ein neues Level. Insbesondere nach dem Prollrap von Finch kurz davor war das sofort wie ein Fiebertraum, wenn die Midwest Princess uns von “Red Wine Supernova” über “Coffee” bis hin zu “My Kink Is Karma” noch einmal alles abverlangte. Und natürlich war dann auch das Grande Finale inklusive Feuerwerk Chappells Hymne “Pink Pony Club” - ein Ort, wo man genauso sein darf wie man ist, ohne verurteilt oder ausgegrenzt zu werden. Wo man sich sicher und frei fühlen kann und nie alleine ist.
Und das gilt natürlich nicht nur für all jene, die in Cowboyhut und Glitzer gewandet sind, sondern auch für all jene, die so aussehen, als kämen sie gerade vom Dreh von “Der Herr der Ringe”, von der Schlacht der Orks.
Wer nämlich glaubt, die ehemaligen finnischen ESC-Teilnehmer Lordi schauen übel aus, der hat noch nie die amerikanischen Shock-Rocker GWAR gesehen! GWAR, 1985 als Kunstprojekt auf der Virginia Commonwealth University gegründet, sind nämlich eigentlich bekannt für ihre aufwendigen, von Science-Fiction- und Horrorfilmen inspirierten Kostüme und für harsche, obszöne, politisch meistens inkorrekte Texte - und eine entsprechende Performance: Als ich sie das letzte Mal vor 15 Jahren (!) in der Wiener ((szene)) live erleben durfte, fuhr ich im Anschluss besudelt von literweise Kunstblut in der U-Bahn heim, das sorgte natürlich für verwirrte Blicke der anderen Passagiere.
Zugegeben: Auch wenn man weltoffen ist und im “Pink Pony Club” wirklich alle willkommen sind - ich würde es durchaus verstehen, wenn Chappell Roan und ihre Freundinnen bei GWAR Reißaus nehmen. Trotzdem dürften die Berserker Gefallen gefunden haben - und ganz objektiv muss man sagen, dass ihre Umsetzung durchaus gelungen ist, auch wenn man natürlich nicht an die stimmlichen Qualitäten von Chappell Roan heranreicht. So stampfend und flott die Riffs und Rhythmen in ihrer etwas ruppigeren Version sein mögen, “Pink Pony Club” bleibt catchy. Das liegt einerseits natürlich an der Brillanz vom Song, die universal umsetzbar ist - aber auch an der von GWAR: Immerhin haben sie in der Vergangenheit auch schon “She Bop” von Cindy Lauper und zuletzt den Barbie-Song “I'm Just Ken” durchaus gekonnt umgesetzt!
Da sieht man es wieder: Hinter jeder harten Schale verbirgt sich ein weicher Kern, und deswegen gehe auch ICH jetzt nicht nur die neue Platte von Kreator hören, sondern danach auch das neue Album von Madison Beer …