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Konzerte

Bei Parov Stelar wird schon wieder alles ganz anders

08.10.2026 von Stefan Baumgartner

Bei Parov Stelar wird schon wieder alles ganz anders: Nach seinem Wandel mit "Artifact" plant er 2027, erneut neue Wege zu beschreiten – visuell, wie auch musikalisch. Darunter auch dort, wo dereinst alles begann: in Linz.

Die vergangenen Monate war überaus ereignisreich für den Oberösterreicher Marcus Füreder, den man international freilich unter seinem Pseudonym Parov Stelar viel besser kennt. Vergangenen November erschien nicht nur unter dem Titel “Trip. Eine Reise in die Unterwelt der Musik” weitaus mehr als nur seine Biografie, sondern vielmehr ein überaus persönlicher Einblick in den Geist eines Musikstars, dem Ängste und Zweifel ebenfalls nicht fremd sind. Zudem vollzog er mit seinem zeitgleich erschienenen, neunten Album “Artifact” einen deutlichen stilistischen Wandel.

Zugegeben: Seit seinem Debüt “Rough Cuts” vor gut zwei Jahrzehnten, spätestens aber seit seiner Etablierung mit dem Viertling “Coco” (2009) hat es sich Parov Stelar nie vollends in seiner persönlichen Schublade des Electro Swings bequem gemacht. Jedes seiner Alben hat durchaus divergierende, andere, spannende Züge verpasst bekommen – und spätestens auf “The Burning Spider” (2017) und “Voodoo Sonic” (2020) waren erste Tendenzen zu hören, dass sich Parov Stelar vom Sample-basierten Ansatz früher Produktionen peu à peu lösen werde. Aber einen derart konsequenten, harten Bruch hätte man ihm wohl kaum zugetraut: Statt tanzbarer Retro-Hooks setzte er auf orchestrale Klangflächen und cineastische Spannungsbögen. “‘Artifact‘ ist wie eine große Geschichte. Am liebsten wäre mir, jemand wie David Lynch hätte den Film dazu gemacht”, erzählte er uns damals im Interview und führte fort: “Ich wollte mich befreien. Nach so vielen Jahren habe ich das Gefühl gekriegt, dass mich der Parov-Style auch einsperrt. Ab dem Zeitpunkt, wo du das Gefühl hast, du musst einem Sound und gewissen Erwartungen entsprechen, ist das der Tod jeder Kunst und jeden Künstlers. Also habe ich beschlossen: Ich mache jetzt genau das, was ich spüre.”

Und tatsächlich ist “Artifact” nicht nur eine am Papier und im Pressetext versprochene Neuerfindung, sondern ein konsequenter Schritt, den der geneigte Hörer aufhorchen lässt: Statt wuchtige Swing-Loops und Vintage-Stimmen setzte er da auf ein vielschichtiges Klangbild, das sich aus klassischen Streichern, melancholischem Piano, aber natürlich auch elektronischen Elementen zusammensetzt. Die Beats, sie blieben also weiter ein zentrales Element, jedoch lediglich als Flüsterstimme – das tragende Element sind Kontraste, die auf einfache Hooklines verzichten, sich stattdessen in ihrer Vielschichtigkeit oft erst beim wiederholen Hören erschließen. Gerade eine klangliche Ambivalenz zwischen Euphorie und Melancholie ist das durchgängige Mermal von “Artifact” – es will nichts aufdröseln, sondern einfach nur erzählen. Und dabei passt das Album auch inhaltlich zu seinem Spiegelblick mit “Trip”: Es dreht sich um mentale Fragmente, die Menschen in sich tragen oder hinterlassen. Klingt nach spitzer “Avantgarde”? Keine Sorge, Parov Stelars Ansatz ist es weiterhin nicht, mit experimentellem Dadaismus zu verstören. Vielmehr hat er die kompositorische Finesse seiner Frühwerke in ein neues Jahrzehnt mitgenommen und ihr emotionale Tiefe verpasst.

Im Frühjahr folgte dann sein frenetisch gefeierter Auftritt mit “Black Lilies” als Interval Act beim ESC-Finale in der Wiener Stadthalle, ein intensiver Live-Sommer quer durch Europa  - inklusive temporärer Ausstellung in Gmunden: Unter dem Titel “Leave The Future Behind” zeigte er da im Rahmen der Salzkammergut Festwochen einen Gegenpol zu seiner Musik, Ölkompositionen aus den letzten Jahren. “Neben der digitalen Welt der Musik steht auch meine Haptische: Ich male, also bin ich. Malerei ist ein existenzielles Bekenntnis”, so Parov Stelar. Seine Werke spiegeln eine Nähe zur Pop-Art von Warhol bis Lichtenstein, zugleich offenbaren sie aber auch – wo wir wieder bei “Trip”, aber auch “Artifact” wären – seine inneren Kämpfe, Ängste und Sehnsüchte – sie sind visuelle Psychogramme eines Suchenden zwischen Klang und Farbe.

Und nun steht am 4. Dezember noch sein Auftritt in der Wiener Stadthalle an – ziemlich exakt 10 Jahre nach seiner letzten und bisher einzigen Headliner-Show dort. Versprochen wird dafür seine bisher ambitionierteste Live-Show, im Gepäck wohl auch Parov Stelars aktuellste Single “The Man Without Reflection”. Darauf zeigt er sich wieder etwas jazziger als zuletzt, behält aber die filmische Dimension bei, die “Artifact” dermaßen brillieren ließ.

Dass Parov Stelar künstlerisch nicht ruht, verspricht aber auch seine Vorschau für kommendes Jahr: “Neue Musik und die eine oder andere Überraschung” wird da versprochen, und auch eine Weiterentwicklung seiner Show – die ihn kommenden Juli nicht nur in die Freiluftarena B in Graz und die Kufsteiner Festung, sondern auch “nach Hause”, an die Linzer Donaulände führt – gemeinsam mit seinem Support El Siciliano.

2027, so heißt es, wird Parov Stelar im Zuge dieser Open-Air-Konzerte nicht nur visuell, sondern auch musikalisch erneut neue Wege gehen – ohne dabei das zu verlieren, was ihn zuletzt, aber auch seit Anbeginn ausmacht: Stimmung. Eine Stimmung, die traumhafte Bildwelten in oft gedeckten Farben und mit surrealen Elementen evoziert. 


Live-Termine


Parov Stelar

04. Dezember 2026 | Wien, Wiener Stadthalle D
03. Juli 2027 | Graz, Freiluftarena B
08. Juli 2027 | Kufstein, Festung
10. Juli 2027 | Linz, Donaulände
Tickets für 2027 gibt es ab Freitag, 9. Oktober um 10 Uhr.


Infos auf dem Stand vom 08.10.2026  

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