Bild: Tanja Schalling
Parov Stelar, der oberösterreichische Electro-Swing-Weltstar, im HEADLINER-Gespräch über sein starkes neues Album “Artifact”, sein parallel erschienenes Buch “Trip - Eine Reise in die Unterwelt der Musik”, künstlerische Freiheit und die Schattenseiten des Ruhms.
Gerade noch hat er zwei Mal locker das Wiener Konzerthaus ausverkauft, jetzt veröffentlicht Marcus Füreder alias Parov Stelar auch schon sein neues Album “Artifact” am 14. November. Es ist sein mutigstes und radikalstes Werk, beeinflusst von Stummfilmen, Achtziger-Sounds und Klassik. Gleichzeitig veröffentlicht der umtriebige Künstler, der auch malt, sein erstes Buch mit dem Titel “Trip - Eine Reise in die Unterwelt der Musik”. Gründe genug, um einen der international erfolgreichsten österreichischen Musiker zu seinem aktuellen Befinden zu befragen.
Wow, perfekt! Ich bin ein sehr visueller Mensch und gehe wahnsinnig gern ins Kino. “Artifact” ist wie eine große Geschichte. Am liebsten wäre mir, jemand wie David Lynch hätte den Film dazu gemacht.
Ich wollte mich befreien. Nach so vielen Jahren habe ich das Gefühl gekriegt, dass mich der Parov-Style auch einsperrt. Ab dem Zeitpunkt, wo du das Gefühl hast, du musst einem Sound und gewissen Erwartungen entsprechen, ist das der Tod jeder Kunst und jeden Künstlers. Also habe ich beschlossen: Ich mache jetzt genau das, was ich spüre.
Nein, ich wollte die Musik machen, die ich selber gerade hören wollte. Die vielleicht nach den Achtzigerjahren klingt, weil ich ein Kind dieser Zeit bin. Oder nach Klassik, wie ich sie in den letzten Jahren viel gehört habe. Ich habe meine Playlist angeschaut und bemerkt: Ich höre selber ganz andere Musik als die, die ich produziere. Nichts gegen den Parov-Style, auf den komme ich immer wieder zurück. Aber es hat mal was Anderes gebraucht. Lang hat's gedauert, aber ich habe verstanden, wie gefährlich Erfolg ist.
Eben. Alle arbeiten darauf hin. Kaum jemand weiß, dass der Erfolg gerade im künstlerischen Bereich auch eine Gefahr ist. Irgendwann einmal fängt er dich. Und dann hat er dich. Einzelne Songs werden zu Hits, und das ist super. Aber bleibst du bei diesem Rezept? Würdest du die nächsten Songs auch in die Richtung anlegen, wenn die davor Flops gewesen wären? Mit der Zeit merkst du: Erfolg macht was mit dir.
Die Freude ist nach wie vor da. Aber die Freiheit geht verloren. Jeder Erfolg ist nur eine kurze Erleichterung. Wir haben damals die Stadthalle in Wien ausverkauft. Seither kam zweimal die Anfrage, ob wir da wieder spielen wollen. Und ich habe abgelehnt, weil ich mir gedacht habe: Was kann ich dort noch bewegen? Wenn ich nur zwei Tickets weniger verkaufe wie damals, geht es sozusagen schon bergab. Das ist wieder die Krux mit dem Erfolg. Er macht dich ein bisschen unfrei.
Naja. Die Geier kreisen und warten darauf, dass es mit mir bergab geht. Ich habe lange auch mit dem Impostor-Syndrom gekämpft. Du musst dir den Erfolg ja selber auch abkaufen. Selbst nach 20 Jahren erwische ich mich immer noch machmal bei dem Gedanken, dass vielleicht alles ein Zufall war - und ich beim nächsten Album komplette scheitern werde.
Ich wollte einfach meine Geschichte erzählen, wie sie war. Mir ist durch die lange Zeit auf Tour aufgefallen, wie viele Menschen in dem Business unterwegs sind, die mit massiven psychischen Problemen zu kämpfen haben. Bei mir war es so, dass ich schon als Jugendlicher einen schweren Hang zur Melancholie gehabt habe. Dazu kamen ein paar Erlebnisse, die mich ein bisschen aus der Bahn geworfen haben. Aber es ist auf keinen Fall ein Buch, in dem ich auf die Tränendrüse drücke.
Anfangs war ich der Albtraum aller Manager, weil ich sämtliche Interviews oder Fernsehsachen und Fotoshootings abgesagt habe - ich wollte das alles eigentlich nicht. Mir wäre auch heute im Prinzip am liebsten, dass das Werk spricht und nicht das Gesicht dazu. Auf der anderen Seite brauchst du als Künstler natürlich die Öffentlichkeit, es ist sehr ambivalent. Und die Zeiten haben sich geändert: Ich habe Verantwortung über sehr viele Leute, wenn wir auf Tour sind, sind wir teilweise fast 30 Personen - und jeder soll davon leben. Da muss der Bekanntheitsgrad passen. Sonst sind die Venues zu klein für die Produktion, ich habe ja auch Ansprüche: Da fangen wir an bei einer großen LED-Wand mit Beleuchtung. Dadurch musst du immer den Slalom fahren: Einerseits ist Parov Stelar inzwischen einfach ein Mainstream-Ding, aber ich will den Leuten, die kommen, immer noch ein leichtes Subkulturfeeling geben. Das ist ein ordentlicher Spagat.
Bei dem Album habe ich mir gesagt: Es ist mir jetzt völlig wurscht. Ich bin über 50, ich mache einfach das, was mir gefällt. Auch wenn das Intro fast eine Minute dauert und der Spotify-Algorithmus mich vielleicht nicht mag. Andererseits möchte ich noch nicht zu den Fußballern gehören, die ein Leben lang top gespielt haben, und irgendwann kicken sie in Saudi-Arabien noch die letzten zwei, drei Jahre für richtige Kohle - oder nur mehr zum Spaß. Ich habe nicht das Gefühl, schon genug erreicht zu haben. Die Kunst ist auch kein Hobby für mich. Und dahingehend brauche ich den Erfolg schon als Rechtfertigung, dass ich weiter voll drinnen bin.
Das ist für mich schwer zu beurteilen, weil ich eigentlich seit 20 Jahren ständig auf Tour bin. Es fühlt sich an wie eine lange Wurst. Was ich schon bemerkt habe: Beim Vierziger hatte ich noch diese schönen Träume von Familie. Die sind mit meiner Scheidung vor ein paar Jahren geplatzt. Mit 50 weiß ich, dass ich nicht noch einmal eine neue Familie gründen werde. Das hat mir weh getan, weil es ein absolutes Gefühl ist. Ich werde diesen Traum nicht mehr leben können. Insofern ist 50 eine Ansage. Mit 40 kannst du gewisse Dinge noch ein bisschen ignorieren. Da schauen auch die bunten Sneakers noch nicht ganz so lächerlich aus.
Eines der beiden Konzerte von Parov Stelar findet kommendes Jahr im Mai im Rahmen der Design Days auf Schloss Grafenegg statt - und zwar im Wolkenturm. Bereits 2022 hat der österreichische Weltstar die Living- & Lifestyle Messe mit einem fulminanten Auftritt geprägt – 2026 knüpft er an diese Erfolgsgeschichte an und setzt zugleich neue Akzente.
Jeden Frühling aufs Neue verwandelt sich Grafenegg bei den Design Days in ein Paradies für Designliebhaber. Schlosspark und Schloss verwandelten sich in eine Bühne für über viele Aussteller, die eine exklusive Vielfalt an In- und Outdoordesign, Gartengestaltung, Pool, Wellness, Mobilität, Handwerk, Wein und Kulinarik präsentierten. Interieur-Trends, Smart Living, Luxus und Lifestyle sind auf diesem Design-Festival ebenso vertreten wie nachhaltiges Design und modernste Technologie. Achtung: Für die Design Days selbst braucht ihr ein separates Ticket!
Sein aktuell zweites Konzert für kommendes Jahr findet im August im Rahmen der Salzkammergut Festwochen Gmunden statt, und zwar im Toscana Park. Mein spezieller Tipp: Besucht auch am Folgetag das Konzert von Anna Buchegger, lovehead und Ankathie Koi - ebenfalls im Toscana Park Gmunden!
Eine zusätzliche Dimension zum Konzert von Parov Stelar eröffnet die Ausstellung “Leave The Future Behind” im K-Hof Museum Gmunden: Sie tritt in Dialog mit Stelars Musik und öffnet die Türen zu seinem bildnerischen Universum. Gemälde, Zeichnungen und digitale Experimente geben Einblick in die kreative Quelle seiner Kompositionen. Konzert und Ausstellung verschmelzen zu einem Gesamterlebnis und machen Stelars künstlerische Unabhängigkeit sichtbar. Die Ausstellung wird bereits am 18. Juni eröffnet und ist bis 16. August zu sehen.