Bild: Jerome Witz
Die Schweizer Songwriterin Sophie Hunger ist immer wieder für Überraschungen gut. Grundsätzlich macht sie zärtlich-intensive Musik. Nach Anfängen mit jazzigem Folk hat sie längst aber auch Synthesizer und Beats für sich entdeckt. Hunger hat Soundtracks komponiert und in der Pandemie mit Freunden musiziert. Vor kurzem Mutter geworden, spielt die Rastlose in St. Pölten eines ihrer ganz wenigen Konzerte 2023.
Eine Zäsur. Jetzt ist auch bei uns der Ernst des Lebens eingekehrt. Man muss zugeben, davor hatten wir paradiesische Verhältnisse. Künstlerin sein war fast schon vernünftig. Jetzt sind wir im Spiel des Lebens wieder da, wo’s nur geht, wenn die Leidenschaft alles überstimmt. Wenn du einen sicheren Job willst, solltest du vielleicht lieber etwas anderes machen.
Bei mir vor allem das Wegbleiben der Freude, der Überschwänglichkeit, der Musik, der Kameradschaft, der Sinnlichkeit, der Maßlosigkeit.
Geholfen hat das Album „Ich liebe Dich“, das ich zusammen mit meinen Freunden Faber und Dino Brandão aus der Verzweiflung heraus gemacht habe.
Es ist ein Glück, mit seinen Freunden das zu machen, was man auch am liebsten alleine macht. Im Grunde hat es fast eine politische Note. Alleine gehen wir schnell, zusammen gehen wir weit.
Keine Ahnung. Bei mir hat das wohl instinktive Züge. Das ist nichts, was ich organisiere oder trainiere. Es ist vielleicht eher eine Art Strategie, das Leben zu ertragen.
Ja, schon, aber dafür gibt’s ja dann auch Leute, die man bezahlen kann: Produzenten und so. Deren Job ist eigentlich vor allem sicherzustellen, dass am Ende das Ding fertig ist und alle noch leben.
Meistens beginnt es mit einem Wort oder einem Satz, den ich gerne singen möchte, der einfach irgendwie komisch klingt oder sich gut anfühlt im Mund. Von da an bleibe ich dann bei dieser Sprache.
Nur indirekt, in dem ich ganz viel Musik gehört habe und sozusagen Privatunterricht hatte bei Bob Dylan, Joni Mitchell, Endo Anaconda oder Nina Hagen.
Ich glaube, es gibt das alles noch. Am Ende sind die größten Songs immer die, die irgendwas Komisches haben, was man nicht zusammenrechnen konnte. Außerdem haben auch die „altmodischen“ Songwriter immer von ihren Peers geklaut, was das Zeug hält. Also da bitte keinen falschen Generationenkonflikt konstruieren.
Man versucht frisch zu bleiben für sich selbst. Keine frühzeitige Mumifizierung, bitte!
Ja, das ist eine ganz gute Beschreibung!
Also mein Traum war schon immer auf den Brettern dieser Welt zu singen, ja.
Sehr wichtig, aber ich habe auch bis heute sehr viel Halt gefunden darin, dass gerade auch zu Hause die Leute mir die Stange halten. Das bedeutet mir unheimlich viel.
(lacht) So ungefähr. Ich bin Mutter geworden und darum jetzt noch in Elternzeit. Der St. Pölten-Gig aber ist die Insel in der Brandung. Da meine normale Tour-Band nun auf anderen Tourneen ist habe ich einen speziellen Abend in petto. Ich spiele Lieder aus meinem ganzen Repertoire und werde von Dino Brandão und the Kliffs begleitet, die an diesem Abend mir zu liebe in die Rolle der Bandmusiker schlüpfen. Ist das nicht cool? Es wird ein Liederabend in bester Folk-Tradition.
Sophie Hunger gastiert am 12. Mai in besonderer Besetzung im Festspielhaus St. Pölten. Tickets gibt es bei oeticket.com.