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Konzerte

Sterben für Fortgeschrittene: Dragged Into Sunlight und Mizmor

05.11.2026 von Stefan Baumgartner

Das klingt nach “Sterben für Fortgeschrittene”: Kommenden Mai finden in der Arena und im Rockhouse zwei Abende statt, die Grenzen zwischen Black, Droom, Drone und Sludge ausloten. Den Soundtrack dazu liefern Dragged Into Sunlight, Mizmor und This Gift Is A Curse.

Rasende Blastbeats treffen auf tonnenschwere Riffs, gutturale Schreie auf eine Atmosphäre, die sich irgendwo zwischen Weltuntergang und psychologischem Horror bewegt: Die Rede ist vom anonymen britischen Sludge-Doom-Kollektiv Dragged Into Sunlight, das sich seit zwanzig Jahren und über zwei treffend mit “Hatred For Mankind” und “Widowmaker” betitelte Alben hinweg als absolut destruktive Naturgewalt etabliert hat. Eine entmenschlichte noch dazu: Live dreht man nicht selten dem Publikum den Rücken zu, und verschwindet in spärlichster Beleuchtung – zwei Meter unter der Erdoberfläche ist das Licht bekanntlich auch dünn. Von wegen “dragged into sunlight”, ihr elendigen Lügenbolde!

Die Rede ist aber auch von Mizmor, ein 2012 gegründetes Ein-Mann-Projekt von Liam Neighbors aus Portland, der mit seinem Mix aus Black Metal, Doom und Drone ebenfalls eine ganz eigene Klangwelt erschaffen hat: gleichermaßen brachial wie melancholisch, verbindet er eruptive Ausbrüche mit quälend langsamen Passagen und lässt zwischen all dieser tonalen Apokalypse auch hie und da überraschend fragile, beinahe hoffnungsvolle Momente aufblitzen. Dass er Atmosphäre tatsächlich verinnerlicht hat, bewies er erst vergangenes Jahr mit dem lynchesken Noir-Konstrukt “Mnemonic: Ambient Mosaic”, das gar in seiner Lichte aus dem Mizmor-Kanon hervorsticht und sich dabei so anhört, als hätte er sich mit Reverend Kristin Hayter auf ein Bankerl gehaut: mal kühl und weich, mal sphärisch und pastoral, mit durchaus hörbaren Referenzen zu Sigur Rós.

Dass kommendes Frühjahr beide Projekte gemeinsam – und mit der an Ahklys erinnernden Intensität von This Gift Is A Curse im Vorprogramm – auf Tour nach Österreich kommen – Mizmor gar zum ersten Mal – ist mehr als eine zusammengewürfelte Kombination, sondern vielmehr ein treffend inszenierter Koloss, der jegliche Komfortzone niederreißt: Sie beide verstehen Musik als kompromisslosen Ausdruck innerer Zustände, beide verzichten auf kalkulierte Zugänglichkeit und beide setzen auf maximale Intensität. Für Fans von Neurosis, Cult Of Luna, Amenra, Primitive Man oder The Body, aber auch Thou, Khanate und Sunno))) dürfte diese Zusammenkunft ein Pflichttermin sein – weil so fühlt sich Sterben für Fortgeschrittene an, mit einem Rückgriff auf die primitivsten Bedürfnisse des Menschen.

Wer beim eigenen Sterben dann doch etwas mehr Licht wünscht, für den gibt es an dieser Stelle noch einen kleinen Tipp: Emma Ruth Rundle hat nicht nur das Titelfoto von Mizmor geschossen - sondern präsentiert kommenden März auch ihre eigene Vorstellung vom Sterben, ebenfalls in der Arena: “These Killing Times” heißt ihr aktuelles Album, das zwar nicht donnert und dröhnt wie die Musik der drei Namen zuvor. Allerdings liegt in dieser akustischen Schönheit auch eine Wut und Verzweiflung verborgen, die von ganz tief drinnen zu kommen scheint.

Und auch hier steht die drohende Apokalypse im Fokus, gleich der Gesellschaft als Ganzes: War der Vorgänger “Engine Of Hell” noch eine verstörend-schöne Auseinandersetzung mit ihrem Selbst, ausschließlich mit Stimme, Akustikgitarre und Klavier, beschäftigt sie sich nun in voller Bandbesetzung mit dem Aufstieg von Faschismus und Misogynie. Dass die zurückgenommenen, ruhigen Songs wie “Oceans Of Time” dabei ebenso begeistern können, wie das mit achteinhalb Minuten längste Stück, das wunderbar doomige “Human Kindness”, zeugt von Rundles songwriterischer Qualität. Bonuspunkte gibt es hier für die Vocalunterstützung durch Bryan Funck von Thou, welche den Song stilistisch ein Stück weit in die Nähe ihrer 2020er Kollabo mit den Sludge-Metallern aus Louisiana rückt. Und damit schließt sich der Kreis zu Dragged Into Sunlight und Mizmor erneut.

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