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Konzerte

Robert Plant kommt ohne Led Zeppelin nach St. Margarethen

05.11.2026 von Stefan Baumgartner

Robert Plant kommt ohne Led Zeppelin nach St. Margarethen: Die Stimme von Led Zeppelin könnte mit einer Reunion gut Geld machen. Viel lieber bringt er jedoch Folk in den Römersteinbruch.

Robert Plant wurde 1948 im britischen Staffordshire geboren. Bereits als Kind entwickelte er eine Liebe zur Musik und versuchte in seinem Kinderzimmer, nach Elvis Presley zu klingen. Im zarten Alter von 16 wurde er flügge und sprang von einer Band zur nächsten. Dabei lernte er Willie Dixon und Robert Johnson kennen und spielte ab Mitte der Sechziger in der Band Of Joy mit einem Schlagzeuger namens John Bonham. Zeitgleich suchte ein gewisser Jimmy Page nach dem Auseinanderbrechen seiner Yardbirds einen Sänger – und stieß darauf auf Plant. Dieser packte seinen Schlagzeuger Bonham gleich mit ein, und aus der zunächst als New Yardbirds angekündigten Gruppe wurde schließlich 1968 Led Zeppelin.

Die folgenden zwölf Jahre sind kurz – aber bis heute fest in den Geschichtsbüchern verankert: Noch wenigere Jahre haben lediglich die Beatles gebraucht, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Die frühen Alben von Led Zeppelin, von der selbstbetitelten bis zur “IV”, haben sich mit Evergreens wie “Dazed And Confused”, “Whole Lotta Love”, “Immigrant Song” und natürlich “Stairway To Heaven” ins kollektive Bewusstsein geschrieben, während Plant nebenbei nicht nur gesanglich, sondern auch optisch eine ganze Generation von Hardrock-Sängern als Vorbild diente. Viele – von David Coverdale von Whitesnake über Bon Scott von AC/DC bis hin zu David Lee Roth von Van Halen – versuchten, seinen Stil zu imitieren. Auch mit den späteren Alben “Houses Of The Holy” und “Physical Graffiti” prägte er ein Bild, das Sänger von Freddie Mercury bis Jack White aufgriffen: langes blondes Haar, nackter Oberkörper und eine lässige Pose mit sexy Hüftschwung.

Led Zeppelin waren die Rockband der Stunde – und sind es bis heute. Obwohl am Zenit des Ruhms unverhofft die göttliche Reißleine gezogen wurde: 1980 spielten Led Zeppelin eine Tour durch Deutschland, ihr Konzert am 27. Juni 1980 in Nürnberg musste nach drei Songs abgebrochen werden, da Bonham hinter seinem Schlagzeug zusammenbrach. Die Tour wurde im Anschluss zwar fortgesetzt, ihr Auftritt am 7. Juli in Berlin sollte jedoch das letzte Konzert der Band in Originalbesetzung bleiben – denn am 25. September wurde Bonham dann tot in seinem Bett in Pages Haus in Windsor aufgefunden. Er war im Schlaf an seinem Erbrochenen erstickt, was als Folge übermäßigen Alkoholkonsums bewertet wurde. Man beschloss daraufhin, Led Zeppelin aufzulösen – wenngleich zwei Jahre später mit “Coda” noch ihr letztes Album mit bisher unveröffentlichten gemeinsamen Live- und Studio-Einspielungen erschien.

Nach einer gescheiterten Zusammenarbeit von Plant mit Page sowie Chris Squire und Alan White von Yes unter dem Namen XYZ war hierauf sein erster Impuls, mit einer vielseitigen Solokarriere Abstand zu gewinnen. Dabei war er in seiner Experimentierfreude stets bemüht, zwar seiner stilistischen Bandbreite aus der Zeit mit Led Zeppelin treu zu bleiben, gleichzeitig jedoch neue Einflüsse aus den jeweils aktuellen Musikströmungen zu berücksichtigen. Er spielte gemeinsam mit unter anderem Genesis‘ Phil Collins und im Rahmen des Kollektivs The Honeydrippers auch erneut mit Jimmy Page. Sein “Now And Zen” aus dem Jahre 1988 ist bis heute sein meistverkauftes Soloalbum – bevor er in den Neunzigern erneut mit Page zusammenkam: “No Quarter” führte im Auftrag von MTV Unplugged Zeppelin-Songs in Richtung der nordafrikanischen Musik, die Plant seit seinen Reisen nach Marrakesch liebte. Für “Most High” von “Walking Into Clarksdale” (1998) erhielten die beiden einen Grammy.

Das Album, das seinen Ruf neu definierte, erschien 2007: “Raising Sand”, aufgenommen mit der Bluegrass-Sängerin und Geigerin Alison Krauss, gewann fünf Grammys. 2007 fanden aber auch Led Zeppelin für einen Moment wieder zusammen: Ahmet Ertegün, Gründer von Atlantic Records – einem Label, auf dem nicht nur Led Zeppelin, sondern auch The Rolling Stones und Genesis veröffentlicht hatten – verstarb, ihm zu Ehren wurde im Dezember in London ein Tributkonzert gespielt, am Schlagzeug mit Jason der Sohn von John Bonham. Im Anschluss daran soll Plant ein Angebot über 200 Millionen Dollar für eine Tournee ausgeschlagen haben: Er wolle nicht “wie ein Haufen gelangweilter alter Männer den Rolling Stones hinterher touren”, sagte er.

Kleinkinder haben oft über Jahre hinweg ihre zwar förderliche, Eltern jedoch gleichermaßen fordernde “Warum?”-Phase. Der Endsiebziger Plant befindet sich hingegen seitdem konsequent in seiner “Nein.”-Phase – sehr zum Leidwesen seines ehemaligen Bandkollegen, Jimmy Page. Viel lieber widmet sich Plant da seinen musikalischen Experimenten – und das auch weiterhin unter tosendem Applaus: Für “Band Of Joy” griff er etwa den Namen seiner Teenagerband wieder auf, die Americana Music Association kürte es 2011 zum Album des Jahres. Dass er damit keine Stadien füllt, sondern zuvörderst in Theatern oder Kirchen spielt: geschenkt. Finanziell ausgesorgt hat er ohnehin schon, und immerhin beenden sehr zur Freude seiner Fans immer noch überarbeitete Zeppelin-Songs seine Konzerte. Man ist versucht zu sagen: Sein Weg in die Roots-Musik ist deutlich mutiger als eine aufgelegte Reunion – oder zumindest geschmackvoller.

Seine aktuelle Ära begann 2019 unter den Namen Saving Grace: Die Akustikgruppe gründete er mit der Sängerin Suzi Dian, dem Schlagzeuger Oli Jefferson, dem Gitarristen Tony Kelsey, dem Banjo-Spieler Matt Worley und dem Cellisten Barney Morse-Brown. Ihr erstes Album erschien vergangenen September und greift Songs von Memphis Minnie, Blind Willie Johnson, Moby Grape und Low auf, während er parallel dazu auch in “Becoming Led Zeppelin” zu sehen war, dem ersten Dokumentarfilm, an dem die Bandmitglieder mitwirkten.

Seitdem hat die Gruppe kaum eine Pause eingelegt. Eine Frühjahrstournee durch die USA endete im April 2026 in der Cathedral of St. John the Divine in New York. Am 16. September nahm Plant im Ryman Auditorium in Nashville den Lifetime Achievement Award der Americana Music Association entgegen, gefolgt von einer weiteren Tournee durch Amerika, die am 15. Oktober im Chicago Theatre endete – sechs Tage nachdem “All That Glitters…” veröffentlicht wurde, eine Vier-Track-EP mit Songs von Gillian Welch und Bert Jansch.

Und nun kommt Plant mit seiner “kleinen Band” und “geliehenen Songs”, aber einer Stimme, die mit fast 80 noch immer nach den hohen Tönen greift (aber die Frage nach einer Reunion weiterhin höflich mit Nein antworten wird) auch nach Europa: Nach drei legendäre Wien-Konzerten von Led Zeppelin (1970, 1973 und 1980), dem Wien-Gastspiel mit Page (1998) und den Solo-Konzerten im Praterstadion (1993), St. Pölten (2006) und der Open Air Arena (2016) wird er am 20. Juli im Römersteinbruch von St. Margarethen auftreten. Und vielleicht gibt es da dann neben Stücken seiner aktuellen Ära wie zuletzt auch die Zeppelin-Klassiker “Ramble On”, “Four Sticks”, “Friends” und “Going to California” zu hören?


Live-Termine


Robert Plant mit Saving Grace

20. Juli 2027 | St. Margarethen, Römersteinbruch
Tickets gibt es ab Donnerstag, den 05. November um 11 Uhr.


Infos auf dem Stand vom 05.11.2026  

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