Bild: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Eine kleine Zeitreise: Ziemlich genau 45 Jahre ist es her, dass Led Zeppelin ihr letztes Österreich-Konzert am 26. Juni 1980 in der Wiener Stadthalle gaben. Dabei geriet ihr Konzert zu einem Eklat, denn Gitarrist Jimmy Page wurde dabei von einem Feuerwerkskörper, der aus dem Publikum abgefeuert wurde (!), getroffen - heute unvorstellbar, damals aber natürlich auch kein Kavaliersdelikt. Die Band verließ daraufhin die Bühne, kehrte aber wieder zurück, nachdem der Täter ermittelt wurde.
Ihr Konzert in Nürnberg am Tag darauf musste vorzeitig nach nur drei Songs abgebrochen werden, da Schlagzeuger John Bonham auf der Bühne zusammenbrach. Noch ahnten wohl nur wenige, dass es bei Led Zeppeling bereits 5 vor 12 war: Sechs weitere Konzerte sollten noch folgen, bevor am 25. September Bonham tot in seinem Bett im Haus von Jimmy Page aufgefunden wurde. Er war im Schlaf an seinem Erbrochenen erstickt, wohl in Folge übermäßigen Alkoholkonsums. Daraufhin wurde Led Zeppelin im Dezember aufgelöst - und es folgten nur noch sehr wenige gemeinsame Live-Auftritte der überlebenden Mitglieder Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones, etwa 1985 am Live Aid und im Dezember 2007 in der Londoner O2-Arena zu Ehren des 2006 verstorbenen Gründers von Atlantic Records und Mit-Entdeckers der Band, Ahmet Ertegün.
Und nun, 45 Jahre nach ihrer Auflösung, sind Led Zeppelin wieder zurück - wenngleich nur im Kino.
“Becoming Led Zeppelin” startet heute auch in den österreichischen Kinos und ist der erste (!) offiziell genehmigte Film über die legendäre britische Rockband, die viele noch vor den Beatles, den Rolling Stones oder Pink Floyd als überhaupt größte Rockband aller Zeiten erachten. Über zwei Stunden hinweg erforscht “Becoming Led Zeppelin” die Ursprünge und ihren kometenhaften Aufstieg aller Widrigkeiten zum Trotz innerhalb nur eines Jahres und zeigt den weiteren Verlauf bis inklusive ihrem zweiten Studioalbum auf.
Das Porträt beginnt mit einer eindrucksvollen Szene: Jimmy Page, Robert Plant, John Paul Jones und John Bonham betreten einen kleinen, verrauchten Proberaum und spielen „Train Kept A-Rollin“ – ihr erstes gemeinsames Stück, das Page von den Yardbirds “mitgenommen” hatte und eigentlich von Tiny Bradshaw “ausgeborgt” war. Die rohe Energie und das spontane musikalische Verständnis lassen bereits da erahnen, dass den vier jungen Briten eine große Zukunft bevorsteht.
In weiterer Folge reisen wir über Archiv- und Privataufnahmen und Interviews mit den überlebenden Mitgliedern hinweg durch die Folgejahre, erleben ihre erste Amerika-Tour, sowie die Aufnahmen zum ersten und zweiten Album, einzelne Stücke wie “Dazed and Confused” oder “Whole Lotta Love” hören wir sogar in voller Länge und erleben so nochmals die unglaubliche Brillanz wieder, ja sogar die Musiker staunen dabei selbst, wenn sie etwa Bewegtbilder ihres ersten Festival-Auftrittes in Großbritannien sehen. Ein besonderes Schmankerl dabei: Es werden sogar originale Gespräche mit John Bonham eingeblendet - eine Rarität! Aber auch die Gespräche mit den noch lebenden Band-Mitgliedern sind überaus spannend, insbesondere wenn sie von ihrer Jugend und ihren damaligen musikalischen Einflüssen erzählen - so erfahren wir etwa, dass Bassist John Paul Jones schon als Teenager Organist in einer Kirchengemeinde war, um Geld für seinen ersten Fender-Bass zu verdienen. Auch, dass wir erfahren, dass sich Page und Jones bereits früh als gefragte Sessionmusiker einen Namen gemacht haben und etwa auf dem James-Bond-Lied “Goldfinger” zu hören sind, ist ein absoluter Mehrwert für uns Zuseher*innen. Witzig wird es auch, wenn Page anmerkt, dass er zwar auf Platten von den Rolling Stones und The Who zu hören ist - aber auf keiner der Beatles.
Schade ist nur, dass Page, Plant und Jones getrennt voneinander und nie miteinander sprechen, ebenfalls schade ist es, dass die Rolle ihres (außerhalb des Zirkels gefürchteten) Managers Peter Grant ausgeklammert wird, sowie auch die Exzesse, für die Led Zeppelin neben der Musik auch berühmt-berüchtigt war: “Becoming Led Zeppelin” kann man also eine Tendenz unkritischer Lobhudelei und fehlende Tiefe nicht absprechen. Aber: Geschenkt!
Der Film endet 1970, mit Led Zeppelins legendärem Konzert in der Royal Albert Hall in London - drei Wochen bevor “II” erschien. Es gibt also noch viel zu erzählen und es ist somit nicht ausgeschlossen, dass “Becoming Led Zeppelin” irgendwann auch noch einen zweiten Teil, der uns über “Stairway to Heaven” und “Physical Graffiti” bis hin zu ihrem letzten Österreich-Konzert führt, verpasst bekommt …
“Becoming Led Zeppelin” startet heute, am 18. März, in den österreichischen Kinos. Die Österreich-Premiere im Wiener Filmcasino ist bereits ausverkauft, für die Folgetermine - auch in anderen Kinos - sind noch Tickets erhältlich.