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Konzerte

Tash Sultana: Psychedelic Panta Rhei

03.05.2023 von Robert Fröwein

Gitarre, Bass, Keyboard, Piano, Schlagzeug, Trompete, Saxofon, Mandoline, Flöte, sogar eine orientalische Oud – es gibt kein Instrument, das Tash Sultana nicht bedienen kann. Doch während sich andere Musiker daran über einen längeren Zeitraum hinweg in trauter Studio-Abgeschiedenheit erproben, nimmt Tash die volle Palette des reichhaltigen Instrumentariums mit auf die Bühne und unterhält als Ein-Personen-Show abendfüllend die Massen. Drei Mal spielte Tash bislang am Open-Air-Gelände der Wiener Arena, dreimal war es bis auf den letzten Platz ausverkauft. Man kann sich leicht ausrechnen, wie die Lage beim nächsten Wiedersehen in diesem Sommer sein wird. Mit im Gepäck wird Tash dann wohl auch eine bislang noch unbetitelte EP haben, von der die erste Single-Auskoppelung „James Dean“ eindrucksvoll beweist, dass kein Ende der Erfolgsfahnenstange in Sicht ist. Ähnlich wie die titelgebende Schauspielerlegende steht auch Sultana für Freiheit, Grenzenlosigkeit und Selbstermächtigung. Nicht nur bei den Instrumenten, sondern auch bei der musikalischen Stilverwertung, die von Soul, Blues und Reggae über Hip-Hop, Psychedelic Rock und Pop bis hin zu R&B, Dub und Electro-Einflüssen alles mitnimmt, was das große Areal der Populärmusik so hergibt.

Von Melbournes Straße in die weite Welt

Ende der 90er-Jahre wuchs Sultana in der australischen Metropole Melbourne auf und bekam bereits im Alter von drei Jahren vom Großvater die erste Gitarre geschenkt. Die zart knospende Liebe zur Musik entwickelte sich zu einer positiven Form von Besessenheit. Mit 13 ist Sultana bereits sechsmal die Woche bei Open-Mic-Nächten im Großraum von Victoria aktiv. Nach Abschluss der High School verdingt sich Tash bei Straßenauftritten und verliert dabei nicht nur das Lampenfieber beim Performen vor fremden Menschen, sondern bringt sich auch die federleichte Selbstständigkeit bei, die sich fortan durch die komplette Karriere ziehen wird. Mit 17 bleibt Sultana nach dem Konsum von Magic Mushrooms fast dauerhaft auf den Pilzen hängen und findet erst mithilfe einer neunmonatigen Therapie und der Kraft der Musik wieder aus dem tiefen Strudel heraus. Als 2016 die Single „Jungle“ erscheint und den weltweiten Durchbruch ermöglicht, hat Sultana bereits eine Plattenfirma und ein Management hinter sich vereinigt. Der Erfolg kommt in dieser Phase zwar extrem schnell, aber doch nicht mehr ganz so überraschend.

Das 2018 erschienene Debütalbum „Flow State“ revolutioniert den DIY-Musikmarkt. Sultana erobert mit kunterbuntem Bedroom-Pop ohne Grenzen die ganze Welt, wird in den unterschiedlichsten Radiosendern gespielt und führt mit den zwischen psychedelischer Transzendenz und lebensbejahendem Optimismus mäandernden Songs zu einer Art musikalischen Wohlfühlinsel für eine Generation, die sich erst vom Tempo und den kapitalistischen Anforderungen des Lebens, dann auch noch von Pandemie, Kriegen und Inflation überrundet fühlt. Sultanas Musik ist handgemacht, naturverbunden, basisch und ehrlich. Sie sticht mit einem Prisma aus visuellen und auditiven Farben in eine immer gleichförmigere Welt, die in ihren getakteten Streaming-Playlists und TikTok-Kurzvergnügungen keinen Platz mehr für auskomponierte Kreativität bietet. „Jeder meiner Songs ist anders produziert und führt in eine andere Klangwelt“, erzählt uns Tash im Gespräch, „am liebsten würde ich im Studio alle Instrumente in einer Session einspielen. Ich bin bei der Arbeit sehr kreativ und spontan.“

Selbstverantwortend selbsterklärend

Als Powerhouse ist Sultana nicht nur für Gesang und Musik, sondern auch für die Technik, das Mischen, Mastern, Produzieren und zu einem großen Teil auch für die wirtschaftlichen Belange rund um das Projekt zuständig. Die Verantwortung liegt zu nahezu 100 Prozent in den eigenen künstlerischen Händen. „Damit bin ich so wenig wie möglich von der Musikindustrie abhängig und muss mich nicht mit den Horrorgeschichten abgeben, die dort herrschen. Absolut jede einzelne Person in meinem direkten Arbeitsumfeld ist ein liebevoller Mensch. Ich kann tun und lassen, was ich will und das auch noch mit fantastischen Leuten. Ich habe großartige Freunde und eine sehr unterstützende Familie. Es ist wichtig, dass du Menschen im Umfeld hast, die dir offen und ehrlich sagen, was Sache ist. Andere haben keinen Platz.“

Sultana hält weder am Debüt noch am zweiten Album „Terra Firma“ (2021) viel davon, die intrinsisch motivierten Texte breitflächig zu erklären. Genau wie bei den Live-Shows gelten auch die Alben als Mysterium aus einer weit entfernten Welt, was wunderbar zum Gestus des Projekts passt. „Darum geht es doch in der Kunst? Um Spekulationen, um Magie und darum, den Traum vom Unerreichbaren am Leben zu erhalten. Die Menschen hätten immer gerne die Antwort auf alles, wollen sie aber nicht suchen. So funktioniert das bei meiner Musik nicht.“ Abseits der paralysierenden Live-Shows sieht Sultana die eigene Musik aus einer ganz anderen, wesentlich sanfteren Warte. „Mir gefällt es, wenn sich die Leute konzentrieren. Meine Traumvorstellung wäre, dass sie die Platte auflegen, das Licht abdrehen, eine Kerze anzünden und sich entspannt auf die Couch fallen lassen. Dann fließen sie ins Album hinein.“

Panta Rhei – in wenigen Wochen dann auch wieder im Herzen Wiens. Und als Einstimmung erscheint in Kürze die neue Single "New York"!

Tash Sultana live

Tash Sultana gastiert (mit Band) am 17. Juli Open Air in der Arena. Einen Teil des Sets spielt Tash solo. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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