Bild: oeticket / Patrick Münnich Bild: oeticket / Patrick Münnich
Konzerte

Tokio Hotel sorgen für den „besten Tag meines Lebens“

21.03.2025 von Stefan Baumgartner

Am 18. März gastierten Tokio Hotel im ausverkauften Gasometer. Schon Stunden vor Einlass zog sich eine lange Schlange um den Block. Überraschend: Für sehr viele sehr junge Fans ist die Band rund um die Kaulitz-Brüder plötzlich wieder „die beste Band der Welt“ und feiert nach ihrem Hype vor 20 Jahren nun ihren zweiten Frühling.

Vor ziemlich genau 20 Jahren erschien ihre Debütsingle „Durch den Monsun“ und machte Tokio Hotel über Nacht zu Teenie-Idolen, die Single zu einem der größten Hits der Nullerjahre – und das nicht nur in Deutschland. Für überwiegend junge weibliche Fans waren Tokio Hotel damals „die beste Band der Welt“ – einige von ihnen trieben ihre Passion sogar so weit, dass die Fan-Lieblinge, die Kaulitz-Brüder Tom (Gitarre) und Bill (Gesang), 2010 ihren Lebensmittelpunkt von Deutschland nach Los Angeles verlegen mussten: Stalking, Einbrüche in ihre Villa und sogar Belästigungen ihrer Mutter setzten den damals noch jungen Buben stark zu.

Doch dann begann der Hype peu à peu abzuebben, die Metamorphose von der Bravo-Sensation zur erwachsenen Pop-Gruppe verlief unspektakulär und eigentlich hatte man Tokio Hotel 2022 bei Erscheinen ihres aktuellen Albums „2001“ fast schon wieder vergessen, wäre da nicht auch ihr Feature auf der Kraftklub-Single „Fahr mit mir (4x4)“ gewesen: Die Paukenschläge ihres früheren kreativen Esprits waren zu einem eher substanzlosen Beach-Party- und Dance-Pop-Gedudel verkommen. Die Halbwertszeit des ekstatischen Teenie-Hypes schien überschritten, eine neue, erwachsene Ernsthaftigkeit nicht gefunden.

Und nun sind Tokio Hotel – insbesondere die Kaulitz-Brüder – plötzlich wieder da und gefragter denn je: 2023 war Bill sympathisch überdrehter Gast in Joko Winterscheidts PRO7-Megarenner „Wer stiehlt mir die Show?“, der pikante Plauder-Podcast „Senf aus Hollywood“ beider Brüder geht mittlerweile kometenhaft steil durch die Decke und die intime Netflix-Reality-TV-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ hat sich ebenfalls zum Quoten-Hit entwickelt. Aber warum?

Zweiter Frühling

Damals, 2005, traf man den Nerv einer Generation: Das androgyne Erscheinungsbild von Bill und die lässige, bisschen abgefuckte Attitüde von Tom passten wie die Faust aufs Auge ins Jahrzehnt. Und heute? Dem zweiten Frühling dienlich ist sicher die 2019 geschlossene Ehe zwischen Tom Kaulitz und GNTM-Mama Heidi Klum: Das sorgt für den nötigen Starfaktor, live aus dem glamourösen Hollywood. Aber es ist auch die spezielle Dynamik der Brüder, die für einen gelungenen Unterhaltungsfaktor sorgt: Bill ist der extravagante Paradiesvogel, der mit seinen schrillen Outfits und manchmal ausgefallenen, weltfremden Vorstellungen für die nötige Portion Drama sorgt. Tom hingegen ist der ruhigere, lässige Gegenpol, der sein heiles, erwachsenes Familienleben als Ehemann und Stiefvater am Silbertablett serviert. Tokio Hotel sind dank dieser kongenialen Grätsch-Stellung plötzlich wieder ein Internetphänomen, nicht nur für die mitgewachsenen Fans von damals, die Millennials, sondern gerade auch für die Generation Alpha, die ab 2010 geborenen: Nachdem Tokio Hotel zuletzt auf kleineren Provinzbühnen spielen mussten, füllen sie nun wieder die größten Hallen – erst diese Woche den Wiener Gasometer, für 2026 ist bereits die Wiener Stadthalle reserviert.

"Der beste Tag meines Lebens"

Die Schülerin Kim ist extra für das Konzert aus Salzburg angereist: Es ist ihr erstes Konzert überhaupt - und Tokio Hotel ihre "absolute Lieblingsband". Foto: oeticket / Patrick Münnich

Als ich mich diese Woche Dienstag durch die Schlange vorm Einlass schlängelte, fiel tatsächlich auf, dass bereits seit Stunden ganz vorne die jüngsten Fans ausharrten – etwa die Schülerin Kim aus Salzburg, die mit ihren Eltern extra für das Konzert unter der Woche angereist war und sich für ihr allererstes Konzert ihres Lebens sogar ein „Pre Hang“-Ticket gegönnt hat: So traf sie „am besten Tag ihres Lebens“ bereits am Nachmittag die Band, durfte Fotos machen und bekam auch einige Tokio-Hotel-Goodies überreicht – darunter auch einen Gitarren-Pick von ihrem persönlichen Liebling, Tom. Mama Hanna, die ihre Tochter aufs Konzert begleitet, kennt Tokio Hotel noch von „damals“, war aber selbst nie Fan – als Kim jedoch vor zwei Jahren auf ihrer „For You“-Page auf TikTok über Tokio Hotel gestolpert ist, war es sofort um sie geschehen: Es war mehr als nur ein „Crush“ auf Tom, die Musik von Tokio Hotel hat sie sogar dazu bewogen, selbst mit dem Gitarrenspielen anzufangen. 

„Lieblingslieder? Eigentlich alle. Aber insbesondere ‚Schrei‘, ‚Darkside of the Sun‘ und ‚World Behind My Wall‘“, verrät sie uns – sichtlich schlotternd, nicht ob der frühlingshaften Frische, sondern vor Aufregung im Wechselbad der Gefühle zwischen Pre-Hang und Konzertbeginn. „Wir werden sicher in den ersten paar Reihen stehen“, freut sie sich, nicht nur neben ihrer Mama, sondern auch ihrem Papa, der ebenfalls als Begleitung mitgekommen ist und in väterlicher Nüchternheit anmerkt: „Ihr ganzes Zimmer ist mit Tokio-Hotel-Postern zugepflastert.“ Nervt die Eltern diese jugendliche Ekstase eigentlich? „Nein, gar nicht“, lächelt die Mama. „Sie hat uns sogar eine Powerpoint-Präsentation gestaltet, um uns Tokio Hotel näher zu bringen.“ Aber was fasziniert Kim an Tokio Hotel so sehr? „Sie helfen mir durch den Alltag, durchs Leben – ich kann mit ihnen einfach relaten“, erklärt sie uns und eröffnet dabei ein breites Feld an Interpretationen. Aber das kennt ja jeder von uns: Wahre Liebe kann und muss man nicht erklären.

Ich schlendere weiter durch die Schlange und treffe auf weitere „Aliens“, wie Tokio-Hotel-Fans genannt werden: Viele der – vornehmlich weiblichen – Fans sind zwar nicht aus dem Weltall angereist, aber von weither; Ich treffe auf Gruppen aus Rumänien, Tschechien, Kroatien und vielen Ländern mehr – sie alle stehen bereits seit Stunden in der Kälte in der Schlange, eingehüllt in Decken. Darunter: Tokio-Hotel-T-Shirts, soweit das Auge reicht und zumeist mit dem Konterfei von Paradiesvogel Bill. Viele tragen Halsketten mit dem Logo der Band oder haben es sich ins Gesicht gemalt – und selbst gebastelte Schilder werden Tokio Hotel später beim Konzert auch einige entgegengehalten werden: „Bill you’re hot and everyone knows it“, ist da etwa zu lesen. Oder auch tiefschürfender: „Tokio Hotel is my home“ und „Your music saved our lives”.

Man kann zu Tokio Hotel stehen, wie man will – und vielleicht sogar ekstatisches Fan-Tum milde belächeln, aber als ich vorbei an der Schlange, die sich mittlerweile um den kompletten Block streckt, zur U-Bahn spaziere, schwirren mir zwei Eindrücke besonders berührend durch den Kopf: Musik kennt keine Grenzen – weder geografisch noch zwischen Generationen. Und manchmal ist sie mehr als nur Unterhaltung: ein Anker, der bleibt.

Die Fotos vom Konzert

Unser Fotograf Stefan Kuback war natürlich auch beim Konzert und hat einige stimmungsvolle Fotos nicht nur von Tokio Hotel, sondern auch vom Opener Malou Lovis gemacht! Die Fotos findet ihr in unserem Fotoreport:

Fotoreport

Tickets für Tokio Hotel am 15. November 2026 in der Wiener Stadthalle gibt es am Montag, 24. März um 15 Uhr!

Meldet euch gleich für den Ticketalarm von oeticket an, um erinnert zu werden, sobald die Tickets in Verkauf gehen!


Live-Termine


Tokio Hotel - "Arena Tour 2026"

15. November 2026 | Wien, Wiener Stadthalle D


Infos auf dem Stand vom 21.03.2025  

Ticketalarm
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren