Für den Titel „Under Stars“ gibst du die TV-Serie „House of Cards“ als Inspirationsquelle an. Dann meinst du wieder, dass „From the Ashes“ gut zu einem „Hunger Games“-Streifen passen würde. Siehst du Bilder oder Filme im Kopf wenn du schreibst?
Amy Macdonald: Die „House of Cards“-Referenz bezieht sich nur auf die Rolle von Kevin Spacey. Es hat mich wirklich fasziniert, wie sich sein Charakter entwickelt. Wenn mich etwas fasziniert, dann denke ich ständig darüber nach, immer und immer öfter. Dann schleicht sich so ein Gedanke auch in meine Musik ein. Manchmal habe ich am Beginn keine Ahnung, woher ein Song kommt. Erst wenn ich genauer darüber nachdenke, dann bemerke ich, dass sich da so etwas wie „House of Cards“ eingeschlichen hat.
Vor vier Jahren hast du mir erzählt, dass es für dich noch immer etwas ungewöhnlich ist, deine eigenen Lieder im Radio oder auch im Supermarkt zu hören. Hat sich das geändert?
Amy Macdonald: Nein, das wird wohl immer so bleiben. Erst vor ein paar Tagen war ich im Kino, und obwohl es nur ganz leise im Hintergrund lief, erkannte ich meine Songs sofort. Vor allem die Bass-Line von „This Is the Life“ ist unverkennbar. Da muss ich immer noch lächeln und mich daran erinnern, wie ich als 14-Jährige in meinem Zimmer gesessen bin und Gitarre gespielt habe. Hätte man mir damals gesagt, dass überall meine Lieder gespielt werden ... Daran werde ich mich niemals gewöhnen, es ist noch immer aufregend!
Du bist gerade einmal 29 Jahre alt und hast bereits Riesenerfolge hinter dir. Ist es ein Fluch oder eher Segen, so jung so erfolgreich gewesen zu sein?
Amy Macdonald: Es ist keine Last, ich bin sehr dankbar. Ich habe ein ziemlich normales Leben, nicht so ein verrücktes wie Lady Gaga, die ständig von Kameras verfolgt wird. Ich habe viele Menschen, die mich in den zehn Jahren unterstützt haben, damit ich diesen verrücken Job machen kann. Und es ist der einzige Job, den ich jemals hatte. Das ist vielleicht für viele Menschen ziemlich krank. Für mich ist Musikmachen ein normaler Job. Ich durfte viele großartige Menschen treffen, ich konnte viel herumreisen, ich konnte meiner Familie und meinen Freunden unter die Arme greifen. Keiner hat große Probleme. Das ist vielleicht das Beste am Erfolg.
Zum ersten Mal hast du nicht alle Songs alleine geschrieben, sondern hast mit Mitgliedern deiner Band komponiert. Zwang dich das zu Kompromissen?
Amy Macdonald: Nein, gar nicht. Wir haben so viel Zeit miteinander auf Tour verbracht, da beginnt man bei Soundchecks, kleine, alberne Melodien zu erfinden. So sind über die Jahre etliche Nonsense-Songs entstanden und wir fragten uns, ob wir nicht einmal einen richtigen Titel gemeinsam machen sollten. Am Beginn war es für mich seltsam, vor den anderen meine Gefühle auszubreiten, die in den Texten stecken. Das hat sich schnell gelegt und „Automatic“ ist der erste Song, den wir gemeinsam geschrieben haben. Der war gar nicht so schlecht, also haben wir weitergemacht. Es war auch angenehm, dieses Mal nicht die gesamte Last des Liederschreibens zu tragen. Ich konnte mich zum ersten Mal komplett auf die Texte konzentrieren. Davon hat aber nicht einmal meine Plattenfirma gewusst. Erst, als ich ihnen die Demos schickte, meinten sie, ich soll sofort damit ins Studio gehen. Unterm Strich war es ein sehr angenehmes, natürliches Arbeiten. Ich denke, das werden wir vertiefen.
Bist du am Weg von der Solo-Künstlerin zur Band-Sängerin?
Amy Macdonald: Ich habe das nie getrennt gesehen, es waren immer ich und meine Band. Wir sind in den Jahren sehr zusammen gewachsen, das ist so ähnlich wie Bruce Springsteen und seine E-Street Band. Ich bin sehr happy, dass ich so eine großartige Band habe.
Du hast jetzt bereits zwei Mal Springsteen erwähnt. Als Bonus-Track auf der Luxus-Ausgabe des neuen Albums gibt es mit „I’m on Fire“ eine akustische Coverversion seines Hits. Wieso hat es der Titel nicht auf das reguläre Album geschafft?
Amy Macdonald: Weißt du, Plattenfirmen wollen für eine Deluxe-Ausgabe immer etwas Spezielles haben. Es war aber nichts Geplantes, wir haben im vergangenen Sommer diese Coverversion bei Festival-Gigs gespielt und die Fans haben sie gemocht. Als ich über die Extras für das Album nachdachte, fiel mir „I’m on Fire“ in letzter Minute ein.
Du wurdest 2014 zur schottischen Mode-Ikone des Jahres gewählt. Hat das den Umgang mit deinem Styling nachträglich verändert?
Amy Macdonald: Auszeichnungen wie diese bedeuten mir nicht wirklich viel. Ich sehe mich nicht so sehr als Mode-Ikone, aber das war damals eine Fan-Wahl. Fans konnten also ihre Stars nominieren. Da haben dann sehr viele aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz für mich gevoted. Das war nicht ganz fair, da die anderen Nominierten nicht so eine große Fan-Base hatten. Aber klar! Ich liebe Mode, Shoppen und Klamotten, nehme das aber nicht zu ernst.
Amy Macdonald kommt am 27. März in den Wiener Gasometer. Tickets gibt es bei oeticket.com.