Bild: Susanne Hassler-Smith Bild: Susanne Hassler-Smith
Konzerte

Voodoo Jürgens: der "Rickerl" lädt zum "Gschnas"

17.03.2026 von Sebastian Fasthuber

Der “Rickerl” lädt zum “Gschnas”: Voodoo Jürgens läutet diese Woche Freitag mit seinem jüngsten Album "Gschnas" eine neue Phase ein. Dafür mussten aber erst einmal Hürden überwunden werden.

Nach drei erfolgreichen Alben, unzähligen ausverkauften Konzerten und dem nicht minder erfolgreichen Film “Rickerl”, in dem er die Hauptrolle spielte, läutet Voodoo Jürgens mit seinem jüngsten Album “Gschnas” eine neue Phase ein: Das Album erscheint diese Woche Freitag, um 17 Uhr gibt es aus diesem Anlass im MediaMarkt im Gerngross auf der Mariahilfer Straße eine Signierstunde.

Ein Popstar muss immer auch ein bisschen Marktschreier in eigener Sache und überzeugt davon sein, was er tut, sei genial. Nennen wir es das Modell Marco Wanda. Ganz anders funktioniert Voodoo Jürgens. Der österreichische Sänger und Songschreiber, der in seinen Liedern die großteils untergegangene Welt der Wiener Vorstadtbeisln beschwört, ist selbst sein schärfster Kritiker. Sein neues Album “Gschnas” erweist sich zwischen eingängigen, beseelten Popsongs und dunklen Balladen als künstlerischer Triumph. Doch Voodoo selbst war lange nicht überzeugt davon, dass etwas daraus wird. Vor allem beim Schreiben der Texte ist er fast verzweifelt, wie er im Interview erzählt.

Das neue Album klingt insgesamt poppiger als deine bisherigen Arbeiten, und zum typischen Bandsound gesellen sich elektronische Elemente. Wie kam es dazu?

Es war eine komplett andere Herangehensweise. Bislang war immer zuerst mein Text da, danach erst haben wir als Band gemeinsam die Musik gemacht. Diesmal war es umgekehrt: Wir haben die Musik vorher aufgenommen. Dadurch war ich beim Texten gezwungen, mich an vorgegebene Strukturen zu halten und mich kürzer zu fassen. Ich konnte bei den Geschichten, die ich erzähle, nicht gar so weit ausholen. Das macht es wahrscheinlich poppiger und zugänglicher. Es hat aber auch viele Nerven gekostet, so zu arbeiten.

Was war so schlimm?

Wir haben die Lieder in instrumentaler Ausprägung letztes Jahr im Sommer aufgenommen. Ich wusste: Über den Herbst liegt es an mir, Texte zu diesen super Liedern zu schreiben. Das war keine leichte Zeit. Es sind drei, vier Monate vergangen, in denen ich teilweise drei, vier Tage lange im Bett geblieben bin. Das Hirnkastl ist aber die ganze Zeit gerannt. Es war im Rückblick eh auch eine produktive Zeit, doch die positiven Sachen, die entstanden sind, habe ich in dem Moment nicht sehen können. Ich habe einfach alles scheiße gefunden. Irgendwann waren wir an dem Punkt angelangt, dass wir Deadlines verschieben mussten. Ich habe geglaubt, ich schaffe es nicht.

Ein neuer Song heißt “Da Zweifl”. Bist du so ein großer Zweifler?

Das würde ich gar nicht sagen. Der Zweifel ist für mich eher ein Schutz, damit ich nicht glaube, jeder Schas von mir ist super.

Das spricht natürlich für dich. Wie hat sich der Knoten schließlich gelöst?

Die absolute Deadline war, dass das Album erscheint, bevor die Tour anfängt. Es gab aber auch schon Worst-Case-Szenarien, die Tour ohne neue Platte zu spielen. Was eine absolute Katastrophe gewesen wäre. Als es ans Aufnehmen des Gesangs ging, bin ich recht geknickt zu Wolf Lehmann ins Studio gegangen. Er hat mich dazu gebracht, dass wir einfach mal probieren. Und es hat sich herausgestellt, dass viele Sachen eh gut passen. Beim zurückgezogenen Arbeiten ist mir das nicht klar gewesen. An sich wüsste ich ja, dass Austausch mit anderen Menschen wichtig ist. Aber ich kann in solchen Phasen des Schreibens keine Leute sehen.

Brauchte es denn kreativ frischen Wind?

Die neuen Sachen sind kein Bruch mit dem, was vorher war. Aber eine neue Richtung. Bewegung hat es vom ersten Album an gegeben. Das Debüt war ja im Großen und Ganzen ein Soloprojekt, wo ich mir ein paar Musiker ins Studio geholt habe, die dadurch Teil der Band geworden sind. Aber vom Feeling her war es eigentlich eine Soloplatte. Bei der zweiten Platte sind wir dann schon als Band unterwegs gewesen. Da war die Frage: Wie funktionieren wir als Band in einem Studio? Bei der dritten haben wir schon gewusst, wie’s geht. Und mit der vierten wollten wir es nun brechen.

Ist die Welt der grindigen Wiener Beisln, in der viele deine Lieder bislang angesiedelt waren, für dich auserzählt? Sie spielt nun keine große Rolle mehr.

Als Musiker strebe ich immer etwas Neues an und will Türen aufmachen. Dieses Beisl-Ding hängt mir irgendwie hartnäckig nach. Bei der ersten Platte verstehe ich es, dass diese Assoziationen beim Hören da waren. Ab der zweiten habe ich es eigentlich schon versucht abzulegen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich diese Welt kenne und dadurch gut beschreiben kann. Ich kann nicht aus der Welt der G’stopften erzählen, die liegt mir fern.

Es geht in den Songs viel um Beziehungen und Zwischenmenschliches. Ist der Opener “Langsam wirst ma fremd” das Gegenstück zu “Langsam wochs’ ma z’amm” von Wolfgang Ambros?

Ja, diese Floskel von Ambros ist mir hängen geblieben. Interessant finde ich auch, dass die Beziehung, die er in dem Lied beschreibt, im echten Leben gar nicht so lange danach gescheitert ist. Bei mir treffen sich Zwei nach ihrer Trennung auf der Straße wieder. Sie haben einmal eine irrsinnige Nähe gehabt. Aber die ist schnell verschwunden. Was einmal so nah war, ist ziemlich schnell ganz weit weg. So etwas in der Art haben die meisten wahrscheinlich schon einmal erlebt.

Apropos Ambros: Wie nahe ist dir der klassische Austropop der Siebziger?

Ich habe immer gesagt, dass ich nicht vom Austropop komme, sondern von Leuten wie Helmut Qualtinger, André Heller oder H.C. Artmann. Diese Schule hat mich mehr geprägt als der klassische Austropop. Den habe ich erst wirklich zu hören begonnen, als meine Musik damit verglichen wurde. In der Folge habe ich vieles nachgehört und aufgearbeitet: Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Ludwig Hirsch vor allem.

Hat dich dein Erfolg als Voodoo Jürgens eigentlich überrascht? Du hast ja vorher auch schon lange Musik gemacht, allerdings in viel kleinerem Rahmen und mit englischen Texten.

Es ist immer so beschrieben worden, dass meine Sachen vorher erfolglos waren. Kommt drauf an, wie man Erfolg definiert. Meine Rechnungen habe ich damit nicht zahlen können, aber die Musik war trotzdem mein Leben. Irgendwann war ich über 30 und habe gewusst: Wenn ich jetzt nicht die Hebel drücke, wird das nichts mehr. Und auf einmal haben ein paar Sachen zusammengepasst. Mein erstes Album ist zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Die Lieder waren eine Alternative zur Wanda- und Bilderbuch-Welt. Aber dass es so ein großer Erfolg wird und auch in Deutschland derart gut funktioniert, war trotzdem nicht zu erwarten.

Wie präsent ist dir die Zeit vor Voodoo Jürgens noch?

Ich denke schon immer wieder daran. Es war eine sehr schwierige Zeit. Die Musik war wie gesagt schon der Lebensentwurf. Aber sowohl beim AMS als auch bei der Schwiegermutter hatte ich das Problem: Ich kann nicht sagen, ich bin Musiker, wenn ich nicht davon leben kann. So ist es mir zumindest vorkommen. Diese Berechtigung hatte es für mich nicht. Und daraus ist eine Art Scham entstanden. Trotzdem habe ich mein Ding weitergemacht. Ich habe mir gedacht: Ich werde wahrscheinlich irgendeinen Scheißjob machen müssen, damit ich weiter machen kann, was ich eigentlich will. Aber dann ist das halt so. Von der großen Karriere habe ich nicht geträumt. Mir war bewusst, dass ich mit meinen im Hauptschulenglisch gesungenen Texten nicht weit kommen werde. Das können englische und amerikanische Bands zehntausend Mal besser. Aus dem Grund habe ich mich dann auf die Suche nach einer Sprache und einem Slang begeben, wo ich mich wohl fühle. Diese Sprache ist bis heute in Bewegung.

In manchen der neuen Lieder ist der Dialekt nicht mehr ganz so stark ausgeprägt. Kannst du dir vorstellen, irgendwann auch Hochdeutsch zu singen?

Nicht wirklich. Da brauche ich mir nur manche Lieder von Ambros oder Danzer aus den Achtzigern anhören. Das klingt einfach nicht richtig.


Live-Termine


Voodoo Jürgens

09. April 2026 | Dornbirn, Spielboden
10. April 2026 | Salzburg, SZENE
16. April 2026 | Linz, Posthof
17. April 2026 | Gleisdorf, forum-Kloster
18. April 2026 | Klagenfurt, Fritz Club
22. April 2026 | Wien, Arena
30. April 2026 | St. Pölten, Festspielhaus
13. Juni 2026 | Mattersburg, KUZ
14. August 2026 | Tulln, Donaubühne
24. September 2026 | Wien, Arena Open Air


Infos auf dem Stand vom 17.03.2026  

Tickets Voodoo Jürgens
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren